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Lucy Letby

Das Countess of Chester Hospital, in dem Lucy Letby auf der Neugeborenenstation arbeitete
Dennis Turner, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0
7
Opfer
inhaftiert
SerienmörderChester , Großbritannien
Aktive Jahre
2015–2016
Modus Operandi
VergiftungErsticken

Lucy Letby, geboren am 4. Januar 1990 in Hereford, arbeitete als Kinderkrankenschwester auf der Neugeborenenstation des Countess of Chester Hospital. Zwei Geschworenengerichte sprachen sie wegen sieben Morden und sieben Mordversuchen an Säuglingen zwischen Juni 2015 und Juni 2016 schuldig. Sie bestreitet sämtliche Taten. Seit 2025 prüft die britische Criminal Cases Review Commission, ob neue Argumente oder Beweismittel eine erneute Befassung des Berufungsgerichts rechtfertigen.

Werdegang

Sie wuchs als Einzelkind in Hereford auf und studierte Kinderkrankenpflege an der University of Chester. Während der Ausbildung absolvierte sie mehrere Praktika am Countess of Chester Hospital. Nach ihrem Abschluss 2011 übernahm das Krankenhaus sie auf die Neugeborenenstation. 2015 erwarb sie eine Zusatzqualifikation für die Versorgung besonders schwer erkrankter Frühgeborener.

Kollegen beschrieben Lucy Letby vor den Ermittlungen überwiegend als engagiert und zuverlässig. Die Station behandelte Frühgeborene und kranke Neugeborene, deren Zustand sich auch ohne äußere Einwirkung plötzlich verschlechtern konnte. Gerade deshalb blieb die spätere Bewertung einzelner Zusammenbrüche medizinisch kompliziert.

Die Vorfälle auf der Station

Zwischen Juni 2015 und Juni 2016 kam es auf der Station zu einer ungewöhnlichen Häufung von Todesfällen und schweren Zusammenbrüchen. Nach Darstellung der Anklage griff die Krankenschwester Säuglinge auf unterschiedliche Weise an. Dazu zählten das Einbringen von Luft in Blutbahn oder Magen, die Verabreichung von Insulin und Milch, das Manipulieren von Beatmungsschläuchen sowie körperliche Gewalteinwirkung. Die Kinder wurden im Verfahren ausschließlich mit Buchstaben bezeichnet, weil strenge gerichtliche Anordnungen ihre Identität und die ihrer Familien schützen.

Die Anklage stützte sich nicht auf ein Geständnis oder eine einzelne direkte Beobachtung. Sie führte zahlreiche Indizien zusammen: Dienstpläne, medizinische Befunde, auffällige Hautverfärbungen, Nachrichten und handschriftliche Notizen sowie die Anwesenheit von Lucy Letby bei den jeweiligen Ereignissen. Zwei Kinder wiesen Laborwerte auf, die nach Einschätzung der Sachverständigen nur durch von außen zugeführtes Insulin erklärbar waren.

Die Verteidigung bestritt, dass überhaupt vorsätzliche Angriffe stattgefunden hatten. Sie verwies auf den schlechten Gesundheitszustand vieler Säuglinge, Probleme bei Ausstattung und Personal sowie mögliche Fehler in der medizinischen Versorgung. Die Krankenschwester erklärte vor Gericht, sie habe keinem Kind geschadet.

Verdacht und Ermittlungen

Mehrere leitende Ärzte äußerten ab 2015 den Verdacht, dass ihre Anwesenheit mit den Zwischenfällen zusammenhing. Die Klinikleitung ließ zunächst interne Prüfungen vornehmen und versetzte sie im Juli 2016 aus dem Patientendienst in eine Verwaltungsstelle. Eine externe Untersuchung empfahl weitere Abklärungen, bevor das Krankenhaus im Mai 2017 die Polizei einschaltete.

Die Cheshire Constabulary leitete unter dem Namen Operation Hummingbird eine umfangreiche Untersuchung ein. Lucy Letby wurde im Juli 2018 erstmals festgenommen, später erneut vernommen und im November 2020 angeklagt. Bei Durchsuchungen fanden Ermittler Übergabebögen mit Patientendaten sowie handschriftliche Notizen. Einen Satz darin, „I am evil, I did this”, wertete die Anklage als belastend. Sie erklärte die Notizen dagegen als Ausdruck psychischer Verzweiflung, nachdem Kollegen sie beschuldigt und aus ihrer vertrauten Arbeit entfernt hatten.

Prozesse und Strafe

Der erste Prozess begann im Oktober 2022 am Manchester Crown Court und dauerte mehr als neun Monate. Im August 2023 befand die Jury Lucy Letby in sieben Fällen des Mordes und in sechs Fällen des versuchten Mordes für schuldig. Bei mehreren weiteren Anklagepunkten kam kein Urteil zustande oder sie wurde freigesprochen. Das Gericht verhängte für jeden Schuldspruch eine lebenslange Freiheitsstrafe ohne Aussicht auf Entlassung.

Ein Berufungsgericht lehnte ihren Antrag gegen diese Verurteilungen 2024 ab. Bei einer noch offenen Anklage wegen des versuchten Mordes an einem weiteren Säugling fand im Juni und Juli 2024 ein neuer Prozess statt. Auch dort sprach eine Jury sie schuldig. Das Gericht verhängte eine weitere lebenslange Freiheitsstrafe ohne Entlassungsmöglichkeit. Ein zweiter Berufungsantrag, der sich gegen die Durchführung dieses neuen Prozesses trotz der umfangreichen Vorberichterstattung richtete, blieb ebenfalls erfolglos.

Zweifel und laufende Überprüfung

Nach den Prozessen stellten Mediziner, Statistiker und Juristen öffentlich Teile der Beweisführung infrage. Eine von der neuen Verteidigung beauftragte internationale Expertengruppe erklärte 2025, sie sehe in den ausgewerteten Krankenakten natürliche Ursachen oder Mängel der Versorgung statt nachweisbarer Angriffe. Diese Einschätzung hebt die rechtskräftigen Urteile nicht auf. Staatsanwaltschaft und Gerichte verwiesen darauf, dass die Geschworenen ein Gesamtbild aus zahlreichen medizinischen und nichtmedizinischen Indizien bewertet hatten.

Die Criminal Cases Review Commission erhielt im Februar 2025 einen ersten Antrag und im weiteren Verlauf zusätzliche Gutachten und Verteidigungsunterlagen. Im Februar 2026 bestätigte die Kommission, dass die Prüfung andauert. Sie entscheidet nicht selbst über Schuld oder Unschuld, kann den Fall aber an das Berufungsgericht zurückverweisen, wenn eine reale Möglichkeit besteht, dass Verurteilungen keinen Bestand haben. Im Januar 2026 entschied die Staatsanwaltschaft außerdem, wegen neun weiterer untersuchter Kinder keine zusätzlichen Anklagen zu erheben, weil die Beweisschwelle nicht erreicht wurde.

Nachwirkungen

Die öffentliche Untersuchung unter Vorsitz von Lady Justice Thirlwall befasst sich mit dem Umgang des Krankenhauses mit den frühen Warnungen und mit dem Schutz von Patienten im britischen Gesundheitsdienst. Der Fall löste zugleich eine außergewöhnlich scharfe Debatte über medizinische Sachverständigenbeweise, Statistik und die Grenzen journalistischer Berichterstattung über laufende Strafverfahren aus.

Ein früherer britischer Fall einer Kinderkrankenschwester, die ihr anvertraute Patienten angriff, ist das Profil zu Beverly Allitt.

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