← Zum Verzeichnis

Lucien Léger

genannt „Der Würger"

Waldweg im Forêt de Verrières bei Paris, wo die Leiche von Luc Taron gefunden wurde
Wikimedia Commons / Telperion · CC BY-SA 3.0
1
Opfer
„Der Würger"
verstorben
TotschlägerParis , Frankreich
Aktive Jahre
1964
Modus Operandi
Ersticken

Lucien Léger, geboren am 30. März 1937 in Paris, tötete am 26. Mai 1964 den elfjährigen Luc Taron in einem Wald südlich der Stadt. Anschließend verschickte er über ein Jahr lang anonyme Bekennerbriefe an Polizei und Presse, unterschrieben mit „Der Würger Nr. 1”. Er wurde 1966 zu lebenslanger Haft verurteilt, 2005 nach 41 Jahren entlassen und starb 2008.

Werdegang

Er stammte aus einer siebenköpfigen Familie aus dem Pariser Vorort Château-Regnault in den Ardennen, sein Vater arbeitete als Dreher bei Renault. Nach seinem Militärdienst im französischen Algerien heiratete er 1959 seine Frau Solange und arbeitete als Lagerverwalter, daneben ließ er sich zum Krankenpfleger an der psychiatrischen Klinik von Villejuif ausbilden.

Die Tat

Am Abend des 26. Mai 1964 verließ der elfjährige Luc Taron sein Zuhause, nachdem seine Mutter ihn wegen des Diebstahls von 15 Francs zur Rede gestellt hatte. Der Täter lockte den Jungen mit beruhigenden Fragen in den Wald von Verrières südlich von Paris und erstickte ihn dort. Die Autopsie ergab später, dass der Junge nicht erwürgt, sondern erstickt worden war, vermutlich indem der Täter ihm den Mund gegen den Waldboden presste, um seine Schreie zu unterdrücken. Ein Waldarbeiter fand die Leiche unter einer Eiche.

Noch am selben Abend rief der Täter den Radiosender Europe 1 an und wies auf eine Nachricht hin, die er auf der Windschutzscheibe eines Autos hinterlassen hatte. Die Botschaft war mit „Der Würger Nr. 1” unterzeichnet, woraus die Presse den Kurznamen „Der Würger” prägte. In den folgenden Monaten verschickte er 58 weitere anonyme Briefe an Polizei und Presse, in denen er Insiderwissen zur Tat offenbarte, 50 Millionen Francs forderte und mit weiteren Entführungen drohte. Er bezeichnete sich selbst als „Machiavelli des Verbrechens”.

Ermittlung und Festnahme

Im Juli 1964 meldete er den Diebstahl seines eigenen Wagens, eines Citroën 2CV, und gab später an, ihn mit Blutflecken im Innenraum wiedergefunden zu haben. Die Ermittler wurden misstrauisch und durchsuchten sein Hotelzimmer, wo sie Zeitungsausschnitte zum Fall sowie den Entwurf eines Romans mit dem Titel „Tagebuch eines Mörders” fanden. Lucien Léger wurde am 5. Juli 1964 festgenommen und gestand die Tat, widerrief das Geständnis jedoch bei einer Tatortrekonstruktion im Juni 1965 und beteuerte seither seine Unschuld.

Prozess und Haft

Das Schwurgericht von Seine-et-Oise verurteilte ihn am 7. Mai 1966 zu lebenslanger Haft. Er wurde zum am längsten inhaftierten Häftling Frankreichs, bevor er am 3. Oktober 2005 nach 41 Jahren Haft auf Bewährung entlassen wurde.

Nachwirkungen

Lucien Léger starb im Juli 2008 in Laon. Der Fall gilt in Frankreich bis heute als eines der bekanntesten Beispiele für einen Täter, der die eigene Tat durch Briefe an die Presse selbst zu einer öffentlichen Inszenierung machte.