Louis Till
- Aktive Jahre
- 1944
- Modus Operandi
- VergewaltigungErwürgen
Sein Name wurde erst durch den Mord an seinem eigenen Sohn wieder öffentlich, elf Jahre nach seiner eigenen Hinrichtung. Louis Till war 1945 von einem US-Militärgericht in Italien wegen Mordes und mehrfacher Vergewaltigung zum Tode verurteilt worden, ein Umstand, den seine Familie jahrzehntelang nicht kannte. Erst 1955, während des Prozesses um den Mord an seinem Sohn Emmett Till, machten Mississippi-Politiker diese Vorgeschichte publik und versuchten damit, das Andenken des ermordeten 14-Jährigen zu beschmutzen.
Werdegang
Louis Till wuchs als Waise auf und heiratete 1940 in Argo, Illinois, die junge Mamie Carthan. 1941 kam der gemeinsame Sohn Emmett zur Welt. Die Ehe war von Gewalt geprägt: Louis Till griff seine Frau einmal an und würgte sie bis zur Bewusstlosigkeit, woraufhin sie sich mit kochendem Wasser zur Wehr setzte. 1942 trennte sich das Paar. 1943 stellte ihn ein Richter vor die Wahl zwischen Gefängnis und Militärdienst, er entschied sich für die Armee und wurde dem 370th Infantry Regiment der 92nd Infantry Division zugeteilt, einer der als „Buffalo Soldiers“ bekannten, überwiegend von Schwarzen Soldaten gebildeten Einheiten.
Die Tat und das Kriegsgericht
Im Juli 1944 wurde Louis Till während seines Militärdienstes in Italien vor ein Kriegsgericht gestellt. Ihm wurden die Vergewaltigung zweier italienischer Frauen und der Mord an einer dritten in der Gegend um Civitavecchia zur Last gelegt. Das Verfahren endete mit seiner Verurteilung wegen Mordes und Vergewaltigung.
Hinrichtung
Am 2. Juli 1945, kurz vor dem vierten Geburtstag seines Sohnes, wurde Louis Till in einem Militärgefängnis nahe Pisa gehängt. Seine Familie erfuhr zunächst nur, er sei wegen „vorsätzlichen Fehlverhaltens“ ums Leben gekommen, die tatsächlichen Vorwürfe blieben unter Verschluss. Beigesetzt wurde er auf dem Oise-Aisne American Cemetery in Frankreich.
Nachwirkungen
Im August 1955 wurde sein Sohn Emmett Till im US-Bundesstaat Mississippi von zwei weißen Männern brutal ermordet, nachdem man ihm vorgeworfen hatte, eine weiße Frau angesprochen zu haben. Der Fall löste landesweite Empörung aus und gilt als einer der Auslöser der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Im Oktober 1955, während des Prozesses gegen die Täter, veröffentlichten Senatoren aus Mississippi die zuvor geheim gehaltenen Akten über Louis Tills Verurteilung und Hinrichtung in der Zeitung Jackson Daily News. Die Enthüllung sollte den toten Jungen und seine Familie diskreditieren und wurde wochenlang in der Presse diskutiert. Historiker gehen davon aus, dass diese Kampagne die Geschworenen beeinflusste, die sich anschließend sogar weigerten, die Täter zumindest wegen Entführung anzuklagen.