Lianne Smith
- Aktive Jahre
- 2010
- Modus Operandi
- Ersticken
Eine britische Sozialarbeiterin, die beruflich selbst über den Schutz gefährdeter Kinder wachte, erstickte in einem Hotelzimmer an der Costa Brava ihre eigenen zwei Kinder und verbrachte danach die Nacht neben den Leichen. Lianne Smith tötete am 17. Mai 2010 im spanischen Lloret de Mar ihren elf Monate alten Sohn Daniel und ihre fünfjährige Tochter Rebecca, aus Angst, britische Behörden könnten ihr die Kinder wegnehmen.
Werdegang
Lianne Smith, geboren 1967, arbeitete beim Cumbria County Council als Managerin im Kinderschutz, ausgerechnet jenem Bereich, der später über das Schicksal ihrer eigenen Kinder hätte entscheiden können. Ab 1992 lebte sie mit Martin Smith zusammen, einem ehemaligen Fernsehmedium, das in der britischen Sendung „Most Haunted” aufgetreten war. Das Paar war nie verheiratet, trug aber denselben Nachnamen. 2007 floh sie mit ihm nach Spanien, nachdem britische Ermittler ihn wegen Sexualstraftaten gegen Kinder suchten. In Spanien arbeitete sie als Englischlehrerin, während ihr Partner unter falschem Namen lebte.
Die Taten
Im Mai 2010 verschärfte sich die Lage: Ihr Partner war in Barcelona verhaftet und nach Großbritannien ausgeliefert worden, wo ihm eine Anklage wegen jahrelangen sexuellen Missbrauchs an einer weiteren Tochter aus einer früheren Beziehung drohte. Aus Angst, die britischen Sozialdienste würden nun auch ihr die Kinder entziehen, checkte sie am 17. Mai 2010 mit Daniel und Rebecca im Hotel Miramar in Lloret de Mar ein. In der Nacht erstickte sie beide schlafenden Kinder, indem sie ihnen Plastiktüten über den Kopf zog. Später gab sie zu Protokoll, sie habe Rebecca zuvor gefragt, ob sie lieber „ein paar brillante Tage” mit ihr oder ein „schreckliches Leben” ohne sie verbringen wolle. Nach den Taten schrieb sie Abschiedsbriefe und versuchte erfolglos, sich selbst das Leben zu nehmen.
Ermittlung und Festnahme
Am nächsten Morgen, dem 18. Mai 2010, meldete sie sich selbst an der Hotelrezeption und bat das Personal, Polizei und Rettungsdienst zu rufen. Sie machte gegenüber den eintreffenden Beamten sofort ein umfassendes Geständnis.
Prozess
Der viertägige Prozess vor dem Provinzgericht Girona begann im Juni 2012. Sie weigerte sich, mehr als hundert Fragen der Staatsanwaltschaft zu beantworten, ein Video zeigte sie jedoch dabei, wie sie ruhig die Taten schilderte. Die Verteidigung berief sich auf eine schwere psychische Erkrankung und plädierte auf Schuldunfähigkeit. Die Geschworenen, sieben Männer und zwei Frauen, folgten dem nicht und stuften sie trotz diagnostizierter Psychose und Depression als zum Tatzeitpunkt voll verantwortlich ein. Am 2. Juli 2012 verurteilte das Gericht sie zu 30 Jahren Haft, 15 Jahre für jeden der beiden Morde, deutlich weniger als die von der Staatsanwaltschaft geforderten 34 Jahre. Der zuständige Richter lehnte trotz der festgestellten psychischen Erkrankung eine Unterbringung in der Psychiatrie statt im regulären Strafvollzug ab.
Nachwirkungen
Sie wurde in einer gesicherten psychiatrischen Abteilung eines Gefängnisses bei Barcelona untergebracht, zunächst unter ständiger Suizidbeobachtung. Ihr Partner Martin Smith wurde im März 2011 vom Manchester Crown Court wegen elf Sexualstraftaten an Kindern zu 16 Jahren Haft verurteilt und erhängte sich im Januar 2012 in seiner Zelle im Gefängnis HMP Manchester. Der Fall löste in Großbritannien eine heftige Debatte darüber aus, wie zwei Sozialbehörden, Cumbria und Staffordshire, trotz bekannter Risiken zusehen konnten, wie die Familie ins Ausland floh, ohne dass die Behörden sich untereinander abstimmten.