Levi Bellfield
- Aktive Jahre
- 2002–2004
- Modus Operandi
- Stumpfe Gewalt
Milly Dowler verschwand am 21. März 2002 auf dem Heimweg von der Schule. Sechs Monate später wurde ihre Leiche gefunden, doch erst am 23. Juni 2011 sprach eine Jury Levi Bellfield des Mordes schuldig. Ein Bericht des britischen Parlaments dokumentiert Verschwinden, Leichenfund und Urteil. Zu diesem Zeitpunkt verbüßte der frühere Türsteher bereits eine lebenslange Strafe ohne Aussicht auf reguläre Entlassung wegen zweier weiterer Morde und eines Mordversuchs.
Werdegang
Levi Bellfield wurde am 17. Mai 1968 im westlondoner Stadtteil Isleworth geboren und wuchs in einer Sozialwohnung auf. Bereits 1981 wurde er wegen Einbruchs verurteilt, es folgten weitere Vorstrafen wegen Körperverletzung und Verkehrsdelikten. Als Erwachsener arbeitete er unter anderem als Türsteher in Nachtclubs und führte später ein Unternehmen für Parkkrallen und Abschleppdienste. Er war viermal verheiratet und Vater von elf Kindern mit fünf verschiedenen Frauen. Bekannte, die ihn beschrieben, sprachen von einem Mann, der binnen Sekunden von charmant zu bedrohlich wechseln konnte.
Die Taten
Am 21. März 2002 verschwand die dreizehnjährige Milly Dowler auf dem Nachhauseweg in Walton-on-Thames. Erst sechs Monate später wurde ihre Leiche in einem Waldgebiet in Hampshire entdeckt. Am 4. Februar 2003 schlug er der neunzehnjährigen Marsha McDonnell nahe ihrem Haus in Hampton mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf. Am 28. Mai 2004 überfuhr er die achtzehnjährige Kate Sheedy in Isleworth mit seinem Auto, setzte zurück und überfuhr sie ein zweites Mal. Sie überlebte schwer verletzt. Am 19. August 2004 schlug er auf dem Twickenham Green auf die zweiundzwanzigjährige französische Austauschstudentin Amélie Delagrange ein, die an den Kopfverletzungen im Krankenhaus starb. Die Daten und Schuldsprüche sind in einer Entscheidung des High Court festgehalten.
Ermittlung und Festnahme
Detective Chief Inspector Colin Sutton übernahm die Ermittlungen zu den Angriffen im Westen Londons und erkannte als Erster das Muster: Ein Mann in einem weißen Lieferwagen sprach junge Frauen an Bushaltestellen an, ehe er zuschlug. Unter verdeckter Beobachtung wurde Levi Bellfield genau dabei beobachtet. Als Verdächtiger identifizierten ihn die Ermittler am 9. November 2004, am 22. November wurde er erstmals verhört. Die förmliche Anklage folgte am 1. März 2006, die Verbindung zum Fall Milly Dowler stellte sich erst deutlich später heraus und führte 2010 zu einer gesonderten Anklage.
Prozesse
Im ersten Prozess am Old Bailey wurde er am 25. Februar 2008 der Morde an Marsha McDonnell und Amélie Delagrange sowie des versuchten Mordes an Kate Sheedy schuldig gesprochen. Das Gericht verhängte eine lebenslange Strafe ohne Aussicht auf reguläre Entlassung. Bei zwei weiteren Anklagepunkten konnte sich die Jury nicht auf ein Urteil einigen. Im zweiten Prozess folgte am 23. Juni 2011 der Schuldspruch wegen des Mordes an Milly Dowler und eine weitere lebenslange Strafe. Parlamentsunterlagen führen Levi Bellfield weiterhin als Gefangenen mit einer Whole-Life-Anordnung.
Nachwirkungen
Der Fall Milly Dowler hatte weit über das eigentliche Verbrechen hinaus Folgen: Journalisten der Boulevardzeitung „News of the World” hatten die Mailbox des vermissten Mädchens abgehört. Der Skandal trug wesentlich zur Leveson-Untersuchung über Pressemethoden in Großbritannien und zur Einstellung der Zeitung im Jahr 2011 bei. Levi Bellfield verbüßt eine Whole-Life-Strafe und hat damit keine Aussicht auf reguläre Entlassung.