Leonarda Cianciulli
- Aktive Jahre
- 1939–1940
- Modus Operandi
- AxtZerstückelung
Leonarda Cianciulli wurde am 14. April 1894 im süditalienischen Montella geboren und starb am 15. Oktober 1970 in einer Frauenanstalt für kriminell Wahnsinnige in Pozzuoli bei Neapel. Zwischen 1939 und 1940 tötete sie in der Kleinstadt Correggio in der Emilia-Romagna drei Frauen, löste ihre Leichen mit Natronlauge auf und verarbeitete sie zu Seife und zu Teekuchen, die sie Nachbarn, Besuchern und ihrem eigenen Sohn servierte.
Werdegang
Ihr Leben war von Aberglauben und schweren familiären Verlusten geprägt. Von 17 Schwangerschaften endeten drei in Fehlgeburten, zehn Kinder starben früh, nur vier überlebten. Eine Wahrsagerin hatte ihr vorausgesagt, dass alle ihre Kinder sterben würden, was sie zeitlebens in überzogene Fürsorge und abergläubische Ängste um ihre überlebenden Kinder trieb. 1917 heiratete sie den Standesbeamten Raffaele Pansardi gegen den Willen ihrer Mutter. Die Familie zog mehrfach um, unter anderem nach einer Betrugsverurteilung 1927 und nach dem schweren Erdbeben in Irpinia 1930, bis sie sich in Correggio niederließ, wo sie ein kleines Geschäft eröffnete und sich als angesehenes Mitglied der Gemeinde etablierte.
Die drei Morde
Als ihr ältester Sohn Giuseppe 1939 zum Militärdienst eingezogen wurde, entwickelte sie die wahnhafte Überzeugung, nur ein Menschenopfer könne ihn vor dem Krieg beschützen.
- Faustina Setti, eine unverheiratete Frau, die Hilfe bei der Partnersuche suchte, wurde 1939 von ihr mit dem Versprechen eines Ehemanns im Ausland gelockt und dazu gebracht, Postkarten an ihre Familie zu schreiben, die eine Übersiedlung vortäuschten. Anschließend erschlug sie ihr Opfer mit einer Axt und löste den Leichnam mit Natronlauge auf.
- Francesca Soavi erhielt am 5. September 1940 unter dem Vorwand einer Anstellung an einer Mädchenschule in Piacenza betäubten Wein und wurde danach ebenfalls mit der Axt getötet und auf dieselbe Weise beseitigt.
- Virginia Cacioppo, eine ehemalige Opernsängerin, wurde ihr am 30. September 1940 unter dem Versprechen einer Sekretärinnenstelle in Florenz zum Opfer. Ihren Leichnam verarbeitete sie vollständig zu Seife, der sie Kölnischwasser beimischte, und verschenkte diese an Nachbarn.
Für die drei Taten erhielt sie insgesamt rund 83.000 Lire sowie Schmuck und Wertpapiere der Opfer.
Festnahme und Geständnis
Nachdem Virginia Cacioppos Schwägerin die Polizei eingeschaltet hatte, weil sie das Opfer zuletzt in deren Haus hatte verschwinden sehen, wurde diese festgenommen. Sie gestand die Taten erst, als der Verdacht auf ihren Sohn Giuseppe zu fallen drohte, den sie damit entlasten wollte.
Prozess
Im Prozess 1946 in Reggio Emilia zeigte sie sich uneinsichtig und korrigierte die Anklage sogar in Details, mit sichtlichem Stolz erwähnte sie, sie habe während des Kriegs auch einen kupfernen Kessel für die staatliche Metallsammlung gespendet, jenen Kessel, in dem sie zuvor das Fett ihrer Opfer zu Seife verkocht hatte. Sie wurde zu 30 Jahren Haft sowie einer anschließenden dreijährigen Unterbringung in einer kriminalpsychiatrischen Anstalt verurteilt.
Nachwirkungen
Sie starb am 15. Oktober 1970 im Alter von 76 Jahren an einem Schlaganfall in der Frauenanstalt von Pozzuoli. Gegenstände aus dem Fall, darunter der Kessel, sind bis heute im Kriminologischen Museum in Rom ausgestellt. Der Fall zählt zu den bekanntesten der italienischen Kriminalgeschichte des 20. Jahrhunderts und wurde vielfach in Büchern, Podcasts und Dokumentationen aufgearbeitet.