Leonard Lake
- Aktive Jahre
- 1983–1985
- Modus Operandi
- ErschießenVergewaltigungKomplizenEinbruch
Eine Stromrechnung führte Ermittler 1985 zu einem abgelegenen Grundstück und einem Bunker mit einer Tür, die sich von innen nicht öffnen ließ. Die Entscheidung des California Supreme Court rekonstruiert die dort gefundenen Menschenreste, Opfergegenstände und Videoaufnahmen. Leonard Thomas Lake nahm bei seiner Festnahme Gift und starb, bevor er wegen der Taten gemeinsam mit Charles Ng vor Gericht gestellt werden konnte.
Werdegang
Er zeigte schon als Kind auffälliges Verhalten, unter anderem eine Besessenheit von Pornografie und Tierquälerei. 1964 trat er den US-Marines bei und diente zwei Einsätze in Vietnam als Radartechniker, bevor er nach einem „wahnhaften Zusammenbruch” 1971 mit der Diagnose einer schizoiden Persönlichkeitsstörung aus dem Militärdienst entlassen wurde. Danach lebte er acht Jahre auf einer Kommune nahe Ukiah und entwickelte eine fixe Idee von einem nahenden atomaren Weltuntergang, gegen den er sich mit einem eigenen Bunker wappnen wollte.
Charles Ng, ebenfalls ehemaliger Marine, lernte ihn um 1980 kennen, vermutlich über eine Anzeige in einem Survivalisten-Magazin. Nach einer gemeinsamen Festnahme wegen illegalen Waffenbesitzes 1982 tauchte Leonard Lake zunächst unter, während Charles Ng seine Haftstrafe absaß. Nach dessen Entlassung im Juli 1984 fanden die beiden erneut zusammen und zogen in eine abgelegene Hütte bei Wilseyville, rund 250 Kilometer östlich von San Francisco. Direkt daneben errichtete er einen schalldichten unterirdischen Bunker, den er in seinen Tagebüchern als „Verlies” bezeichnete.
Taten
Er nannte sein Vorgehen „Operation Miranda”, nach einer Romanfigur aus John Fowles’ Roman „Der Sammler”, der ihm als Vorbild diente. Männer und Kleinkinder wurden in der Regel sofort getötet, während Frauen zunächst über längere Zeit gefangen gehalten, vergewaltigt und gefoltert wurden. Zu den bestätigten Opfern zählen unter anderen:
- Charles Gunnar (34), ein Freund Leonard Lakes
- Donald Lake (31), Leonards eigener, geistig beeinträchtigter Bruder
- Harvey Dubs (30), Deborah Dubs (33) und ihr einjähriger Sohn Sean
- Paul Cosner (39)
- Michael Carroll (22) und Kathleen Allen (18)
- Lonnie Bond (27), Brenda O’Connor (20) und deren einjähriger Sohn
- Robin Scott Stapley (26)
Er beging dabei auch Taten im Alleingang. In seinen Tagebüchern vermerkte er, Charles Ng sei anfangs „sehr zögerlich, sich auf meinen Plan einzulassen” gewesen. Anhand seiner Tagebücher und einer Art „Schatzkarte” zu vergrabenen Beweismitteln gehen Ermittler davon aus, dass die tatsächliche Opferzahl bei bis zu 25 liegen könnte, auch wenn nur elf Morde gerichtsfest nachgewiesen wurden.
Entdeckung und Tod
Am 2. Juni 1985 wurde Charles Ng beim Ladendiebstahl eines Schraubstocks in einem Baumarkt in South San Francisco ertappt. Bei der folgenden Kontrolle bemerkte die Polizei, dass sein Begleiter unter falschem Namen auftrat, und fand eine schallgedämpfte Schusswaffe in seinem Fahrzeug. Noch in Polizeigewahrsam nahm Leonard Lake eine in seiner Kleidung eingenähte Zyanidkapsel und starb vier Tage später, am 6. Juni 1985, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Er wurde nie für einen Mord angeklagt.
Über eine Stromrechnung stießen Ermittler auf das Grundstück in Wilseyville, wo sie den Bunker sowie Fahrzeuge mehrerer Opfer fanden. Bei der Ausgrabung wurden mehr als 18 Kilogramm verbrannte Knochenreste von mindestens elf Menschen sichergestellt.
Nachwirkungen
Weil er sich der Justiz durch Suizid entzog, blieb es an Charles Ng, sich für die gemeinsamen Taten vor Gericht zu verantworten. Der Fall gilt als einer der aufwendigsten und grausamsten Ermittlungen der US-Kriminalgeschichte.