Lee Choon-jae
- Aktive Jahre
- 1986–1994
- Modus Operandi
- ErwürgenVergewaltigungEinbruch
Zwischen September 1986 und Januar 1994 vergewaltigte und tötete Lee Choon-jae in der südkoreanischen Provinz Gyeonggi mindestens 15 Frauen und Mädchen und gestand später über 30 weitere sexuelle Übergriffe. Der als Hwaseong-Morde bekannte Fall galt 33 Jahre lang als ungeklärt und inspirierte den preisgekrönten Kinofilm „Memories of Murder” von Regisseur Bong Joon-ho. Erst eine DNA-Analyse überführte Lee im September 2019, zu diesem Zeitpunkt saß er bereits wegen eines anderen Mordes in Haft.
Werdegang
Lee Choon-jae wurde 1963 geboren und lebte zur Tatzeit in der ländlichen Region um Hwaseong, südwestlich von Seoul. Bereits 1990 wurde er wegen Raubes und Körperverletzung verurteilt, erhielt nach einer Berufung jedoch lediglich eine Bewährungsstrafe, ohne dass die Ermittler zu diesem Zeitpunkt eine Verbindung zur bereits laufenden Mordserie herstellten.
Die Taten
Zwischen 1986 und 1991 wurden in und um Hwaseong zehn Frauen und Mädchen unterschiedlichen Alters erwürgt aufgefunden, gefesselt, geknebelt und meist mit ihrer eigenen Kleidung, etwa Strumpfhosen oder Socken, stranguliert. Die Auswahl der Opfer reichte von Teenagern bis zu älteren Frauen, was Ermittlern lange ein einheitliches Täterprofil erschwerte. Am 13. Januar 1994 tötete Lee zusätzlich seine eigene Schwägerin, ein Verbrechen, für das er noch im selben Jahr zum Tode verurteilt wurde, ein Urteil, das 1995 in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt wurde.
Die Ermittlung und der DNA-Durchbruch 2019
Die südkoreanische Polizei befragte über die Jahre mehr als 21.000 Verdächtige und verglich über 40.000 Fingerabdrücke, ohne dass sich eine tragfähige Spur ergab. Der Fall blieb ein nationales Trauma und Symbol für die Grenzen der damaligen Ermittlungsmethoden. Erst 2019 glich die Polizei im Rahmen einer routinemäßigen Überprüfung altes Spurenmaterial von Opferkleidung erneut ab und fand eine Übereinstimmung mit der bereits gespeicherten DNA des seit 1994 inhaftierten Lee.
Geständnis
Lee bestritt seine Beteiligung zunächst, gestand jedoch am 2. Oktober 2019 insgesamt 14 Morde und mehr als 30 Sexualdelikte, darunter alle zehn ursprünglichen Hwaseong-Fälle sowie vier weitere, zuvor nicht zugeordnete Morde in Hwaseong und der Stadt Cheongju. Eine strafrechtliche Verfolgung dieser zusätzlichen Taten war wegen der inzwischen abgelaufenen Verjährungsfrist nicht mehr möglich, weshalb Lee weiterhin allein für den Mord an seiner Schwägerin in Haft sitzt.
Nachwirkungen
Der Fall veränderte die südkoreanische Kriminalpolitik nachhaltig: 2015 schaffte das Land die Verjährungsfrist für Mord vollständig ab, ausdrücklich auch unter Verweis auf die Hwaseong-Morde. Bong Joon-hos Verfilmung „Memories of Murder” aus dem Jahr 2003, die den Fall noch vor seiner Aufklärung fiktionalisierte, gilt bis heute als einer der einflussreichsten südkoreanischen Filme und gewann nach seinem Geständnis 2019 erneut internationale Aufmerksamkeit. Zur Aufklärung selbst siehe die Schlagzeile Hwaseong-Morde: Nach 33 Jahren identifiziert eine DNA-Analyse den Täter.