Lee Boyd Malvo
- Amokläufer — Washington , USA
- Aktive Jahre
- 2002
- Modus Operandi
- ErschießenKomplizen
Lee Boyd Malvo war 2002 als damals 17-Jähriger gemeinsam mit John Allen Muhammad, der ihn als jugendlichen Begleiter unter seine Kontrolle gebracht hatte, an den Schüssen der sogenannten „Washington-Sniper” beteiligt, denen im Großraum Washington D.C. mindestens zehn Menschen zum Opfer fielen. Bereits zuvor waren beide auf einer landesweiten Fahrt durch mehrere Bundesstaaten für weitere Schüsse verantwortlich, sodass er später ein Geständnis zu insgesamt 17 Morden ablegte. Er verbüßt bis heute mehrere lebenslange Haftstrafen.
Werdegang
Lee Boyd Malvo wurde 1985 auf Jamaika geboren. 1999 lernte der damals rund 14-Jährige auf Antigua John Allen Muhammad kennen, der ihn bei sich aufnahm und in den folgenden Jahren zunehmend Kontrolle über ihn ausübte. John Allen Muhammad wurde später vorgeworfen, Lee systematisch zu einem gefügigen Werkzeug herangezogen zu haben.
Kriminelle Aktivitäten
Zwischen Februar und Oktober 2002 erschossen die beiden auf einer Fahrt durch mehrere US-Bundesstaaten wiederholt Menschen bei alltäglichen Verrichtungen wie dem Tanken oder Einkaufen, unter anderem in Washington, Arizona, Louisiana, Georgia und Alabama. Ihr eigens präpariertes Fahrzeug, ein dunkelblauer Chevrolet Caprice, verfügte über eine verdeckte Schussöffnung im Kofferraum, durch die der Schütze unbemerkt feuern konnte. Den Höhepunkt bildete eine dreiwöchige Serie von Schüssen zwischen dem 2. und 22. Oktober 2002 im Großraum Washington D.C., bei der zehn Menschen starben und mehrere weitere verletzt wurden. Er gestand später vor Gericht insgesamt 17 Morde während der gesamten Fahrt, einzelne dieser Fälle ließen sich den Ermittlungsakten zufolge nicht mehr im Detail öffentlich zuordnen.
Ermittlung und Festnahme
Ballistische Untersuchungen verbanden die Tatorte bereits ab dem 4. Oktober 2002 miteinander. Den entscheidenden Hinweis lieferte am 17. Oktober 2002 ein Fingerabdruck von Lee Boyd Malvo, der von einem Tatort in Alabama mit einem Abdruck von einer Schule in Maryland übereinstimmte. Nachdem die Ermittler ihre öffentliche Fahndung von einem weißen Lieferwagen auf einen dunkelblauen Chevrolet Caprice mit Kennzeichen aus New Jersey umgestellt hatten, entdeckte in der Nacht zum 24. Oktober 2002 ein Mechaniker das Fahrzeug an einem Rastplatz nahe Myersville, Maryland, und alarmierte die Polizei. Um 3:19 Uhr wurden beide festgenommen.
Prozess
In Virginia wurde er 2003 als zur Tatzeit Minderjähriger zu lebenslanger Haft ohne Bewährung verurteilt. 2004 bekannte er sich in einem weiteren Verfahren in Spotsylvania County schuldig, um einer möglichen Todesstrafe zu entgehen. In einem Prozess in Maryland 2006 sagte er ausführlich gegen John Allen Muhammad aus und schilderte die Planung der Taten.
Haftstatus
Lee Boyd Malvo verbüßt bis heute mehrere lebenslange Haftstrafen, aktuell im Keen Mountain Correctional Center in Virginia. 2017 wurde eines seiner Urteile in Virginia aufgrund seines jugendlichen Alters zur Tatzeit gerichtlich aufgehoben, 2022 entschied der Oberste Gerichtshof von Maryland, dass auch seine dortigen Urteile neu verhandelt werden müssen. Diese Neuverhandlung verzögert sich bis heute, da Virginia seine Überstellung für die Anhörungen bislang verweigert.
Nachwirkungen
Die Angehörigen der Opfer verklagten zivilrechtlich sowohl den Waffenhändler, bei dem das Tatgewehr gestohlen worden war, als auch den Hersteller Bushmaster Firearms, der Fall wurde 2005 außergerichtlich verglichen. In Wheaton und Rockville, Maryland, wurden Gedenkstätten für die Opfer errichtet. Zum Tathergang selbst siehe die Schlagzeile Washington-Sniper: Drei Wochen Angst im Großraum Washington D.C..