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Koos Hertogs

Der Binnenhof in Den Haag, der Stadt, in der Koos Hertogs lebte und seine Opfer gefangen hielt
Markus Bernet, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.5

Blutspuren zweier Opfer und ein isoliertes Dachzimmer verbanden Koos Hertogs im Oktober 1980 mit drei verschwundenen Mädchen und jungen Frauen. Das Berufungsgericht in Den Haag verurteilte ihn am 14. Oktober 1982 wegen Entführung, Missbrauch und dreifachen Mordes zu lebenslanger Haft, wie eine spätere niederländische Gerichtsentscheidung festhält.

Werdegang

Er wuchs als eines von siebzehn Kindern in einer katholischen Familie in Den Haag auf. Bereits mit 16 Jahren wurde er wegen Verhaltensauffälligkeiten in eine Jugendmaßnahme eingewiesen, insgesamt verbrachte er vor seinen Taten rund fünfzehn Jahre in Heimen und Jugendgefängnissen wegen verschiedener kleinerer Delikte. Später arbeitete er zeitweise als Türsteher eines Nachtclubs in Den Haag.

Taten

Am 11. Mai 1979 verschwand die zwölfjährige Tialda Visser auf dem Heimweg vom Ballettunterricht am Königlichen Konservatorium in Den Haag. Vier Tage später wurde ihre Leiche in der Nähe der Leeghwaterbrug gefunden, die genaue Todesursache ließ sich nicht mehr feststellen.

Am 3. April 1980 verschwand die achtzehnjährige Emy den Boer aus Schiedam auf dem Weg zu einer Sportakademie in Den Haag. Zwei Tage später fand ein Wanderer ihre Leiche in einem Waldstück bei Nistelrode. Sie war mit Schüssen in Bauch und Kopf getötet worden.

Am 29. September 1980 verließ die elfjährige Edith Post während des Unterrichts ihr Klassenzimmer, um Material aus einem Schrank auf dem Flur zu holen, und kehrte nicht zurück. Ihre Leiche wurde am 2. Oktober in den Dünen entdeckt, sie war vermutlich mit einem Ast erschlagen worden.

Festnahme

Nach Ediths Tod ging bei der Polizei ein anonymer Hinweis ein, wonach sie ihren Angreifer gebissen habe. Ein Türsteher des Nachtclubs „De Nachtegaal“ mit einer auffälligen Bisswunde am kleinen Finger geriet daraufhin ins Visier der Ermittler und wurde am 3. Oktober 1980 festgenommen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden Ermittler Blutspuren von Tialda und Emy sowie ein isoliertes Zimmer im Dachgeschoss, in dem er seine Opfer offenbar zunächst gefangen gehalten und vergewaltigt hatte, bevor er sie tötete.

Prozess

Am 14. Oktober 1982 verurteilte ihn das Berufungsgericht in Den Haag wegen dreifachen Mordes zu lebenslanger Haft. Bis 1989 bestritt er die Taten durchgehend, legte dann aber nach Rücksprache mit seinem Anwalt ein Teilgeständnis ab, um in eine forensisch-psychiatrische Klinik statt ins reguläre Gefängnis verlegt zu werden.

Nachwirkungen

2009 führte der Fernsehjournalist Peter R. de Vries mit einem alten Bekannten von ihm eine verdeckte Undercover-Aktion durch, bei der dieser weitere Details preisgab, darunter Vorwürfe zu einer über Jahre bestehenden Verbindung mit einem hochrangigen Haager Richter, der ihm laut diesen Angaben mehrfach zu Vergünstigungen und vorzeitigen Freigängen verholfen haben soll. Diese Vorwürfe ließen sich juristisch nie abschließend aufklären. Ab 2006 war er zeitweise unter der niederländischen TBS-Regelung in einer forensischen Klinik in Groningen untergebracht, bevor er wieder in den regulären Strafvollzug zurückverlegt wurde. Er starb am 19. Juli 2015 in einem Krankenhaus in ‘s-Hertogenbosch.