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Kieran Patrick Kelly

genannt „Nosy Kelly"

Polizeifoto von Kieran Patrick Kelly aus den frühen 1980er Jahren
Wikimedia Commons, National Archives / UK Open Government Licence v3.0 · OGL v3.0
2
Opfer
„Nosy Kelly"
verstorben
SerienmörderLondon , Großbritannien
Aktive Jahre
1975–1983

Ein Mann sitzt betrunken in einer Zelle der Polizeiwache Clapham, wegen Ruhestörung festgenommen. Als sein Zellengenosse ihn nervt, erwürgt er ihn kurzerhand. Dann, fast beiläufig, beginnt er den überraschten Ermittlern von weiteren Toten zu erzählen. Am Ende stehen Geständnisse zu Dutzenden Morden im Raum, verteilt über drei Jahrzehnte. Beweisen ließ sich davon fast nichts. Kieran Patrick Kelly wurde 1984 für zwei Morde verurteilt, manche Historiker halten ihn bis heute für einen der produktivsten Serienmörder Großbritanniens.

Werdegang

Er wurde am 16. März 1930 im irischen Rathdowney, County Laois, geboren. Seine Familie zog in den frühen 1940er Jahren nach Dublin, wo er sich schon als Jugendlicher in Kleinkriminalität verstrickte. Wegen seiner markanten großen Nase erhielt er den Spitznamen “Nosy Kelly”. Mit 18 trat er der britischen Armee bei, wurde 1951 aber unehrenhaft entlassen, nachdem er unerlaubt seinen Dienst verlassen hatte. Es folgten Jahre zwischen Dublin und London, bis er sich um 1960 endgültig in London niederließ. Er heiratete, bekam Kinder und arbeitete auf dem Bau. Die Ehe zerbrach, der Alkohol übernahm die Kontrolle über sein Leben, und aus dem Bauarbeiter wurde ein Obdachloser, der zeitweise auch psychiatrisch in der Broadmoor-Klinik behandelt wurde.

Taten

Nach eigenen späteren Aussagen soll der erste Mord bereits 1953 geschehen sein: Er stieß seinen Freund Christy Smith vor einen U-Bahn-Zug an der Station Baker Street, weil er fürchtete, dieser könne seine Homosexualität öffentlich machen. “Das war der Anfang von allem”, sagte er Jahrzehnte später den Ermittlern. Über die folgenden dreißig Jahre soll er weitere Obdachlose, Alkoholiker und vor allem schwule Männer am Rand der Gesellschaft getötet haben, also Menschen wie ihn selbst. Die Methoden wechselten: Manche Opfer wurden vor Züge gestoßen, andere erstochen, erwürgt, mit präpariertem Reinigungsspiritus vergiftet oder schwer misshandelt.

Gerichtlich bestätigt wurden am Ende nur zwei Fälle. Am 25. Dezember 1975 wurde der ältere Hector Fisher tot auf einem Friedhof in Clapham gefunden, mehrfach mit einem Messer im Kopf- und Halsbereich verletzt. Acht Jahre später, im August 1983, tötete er seinen Zellengenossen William Boyd in der Polizeiwache, in der er selbst wegen Trunkenheit festgehalten wurde, durch Erwürgen. Erst dieser Mord im Polizeigewahrsam brachte die Ermittler überhaupt auf seine Spur, denn beim Mord an Hector Fisher war er 1975 zwar bereits einer von einem Dutzend befragter Verdächtiger gewesen, ohne dass sich damals eine Anklage stützen ließ.

Geständnisse und Prozess

In den Verhören nach William Boyds Tod öffnete er sich ungewöhnlich weit. Er lieferte Details zu mehreren U-Bahn-Todesfällen, die der Polizei bis dahin nicht öffentlich bekannt waren, und gestand über den bereits zugegebenen Mord an William Boyd hinaus fünf weitere Tötungen. Im Juni 1984 wurde er am Old Bailey wegen der Morde an Hector Fisher und William Boyd verurteilt. Ein Gutachter sagte aus, er solle “den Rest seines natürlichen Lebens hinter Gittern” verbringen, das Gericht verhängte lebenslange Haft. Er saß zunächst in den Gefängnissen Wandsworth und Wakefield ein, später in HMP Frankland und zuletzt in HMP Durham.

Nachwirkungen

Wie viele Menschen er tatsächlich getötet hat, bleibt bis heute umstritten. Der Autor Geoff Platt kam 2015 in einem Buch auf etwa 31 mögliche Opfer, während der Journalist Robert Mulhern 2019 nach eigener Recherche zu dem Schluss kam, es seien wahrscheinlich nur fünf bis sechs gewesen. Nach der Veröffentlichung von Geoff Platts Buch versprach der damalige Chef der Londoner Polizei, Bernard Hogan-Howe, eine erneute Prüfung der alten Fälle. Der irische Sender RTÉ widmete dem Fall 2020 den kritischen Podcast “The Nobody Zone”, 2023 folgte eine Doku-Fiktion, die offen lässt, ob Kieran Patrick Kelly Irlands produktivster Serienmörder war oder vor allem ein Mann, der sich in seinen eigenen Geständnissen verlor. Er starb 2001 im Gefängnis HMP Durham, ohne dass die Wahrheit hinter seinen Zahlen je geklärt wurde.