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Kevin Cobb

Das Royal Brompton Hospital in London, Tatort des Mordes von Kevin Cobb
Wikimedia Commons / R Sones · CC BY-SA 2.0
1
Opfer
inhaftiert
TotschlägerLondon , Großbritannien
Aktive Jahre
1996–1999
Modus Operandi
VergiftungVergewaltigung

Ein Getränk unter Kollegen nach einem langen Kursabend, mehr nicht. Susan Annis ahnte nicht, dass der Mann, der ihr das Glas reichte, ein Beruhigungsmittel hineingemischt hatte. Drei Jahre lang galt ihr Tod als ungeklärt, bis ein Zufall den wahren Täter enttarnte: ihr eigener Kollege Kevin Cobb.

Werdegang

Kevin Cobb wurde 1962 geboren und arbeitete als Krankenpfleger am St. Peter’s Hospital im britischen Chertsey, Surrey. Im November 1996 nahm er an einem Fortbildungskurs für Kinderkrankenpflege am Royal Brompton Hospital in London teil. Dort lernte er die 31-jährige Susan Annis kennen, eine Stationsschwester aus Haywards Heath, die als Oberschwester am Crawley General Hospital in West Sussex arbeitete.

Die Tat

Nach einem gemeinsamen Abendessen mit anderen Kursteilnehmern lud Susan Annis ihn noch auf einen Absacker in ihr Zimmer im Personalwohnheim in Chelsea ein. Unbemerkt mischte er das Beruhigungsmittel Midazolam in ihren Cider. Annis litt an einer leichten, bis dahin folgenlosen Herzrhythmusstörung. In Kombination mit dem Sedativum reagierte ihr Körper heftig: Sie kollabierte noch in derselben Nacht, fiel ins Koma und starb trotz Reanimationsversuchen.

Die erste Obduktion 1996 wies zwar Midazolam in ihrem Blut nach, ein Zusammenhang mit ihrem Tod ließ sich damals aber nicht eindeutig belegen. Der Coroner gab ein offenes Urteil ab, der Fall blieb ungeklärt.

Die Wahrheit kommt ans Licht

Erst drei Jahre später, im Januar 1999, geriet Cobb ins Visier der Polizei, allerdings zunächst wegen eines anderen Verbrechens: Eine 33-jährige Patientin erstattete Anzeige, weil er ihr während der Behandlung ebenfalls Midazolam verabreicht und sie anschließend sexuell missbraucht hatte. Ein Kollege und Freund der Familie Annis, der von dieser Festnahme erfuhr, alarmierte die zuständigen Ermittler und stellte die Verbindung zum Tod von Susan Annis drei Jahre zuvor her. Die Polizei nahm die Ermittlungen zu ihrem Tod wieder auf, diesmal als Tötungsdelikt.

Im Zuge der neuen Ermittlungen kamen weitere Fälle ans Licht: Insgesamt erhoben mindestens zwei weitere Patientinnen den Vorwurf, er habe ihnen heimlich Midazolam verabreicht und sie anschließend sexuell missbraucht, während sie durch das Mittel wehrlos waren.

Prozess und Urteil

Der Prozess am Old Bailey in London dauerte mehrere Wochen. Am 17. Mai 2000 sprach die Jury Kevin Cobb in allen Anklagepunkten schuldig: Totschlag im Fall Susan Annis, zwei Fälle von Vergewaltigung sowie vier Fälle der Verabreichung von Betäubungsmitteln zur Begehung von Sexualstraftaten. Am 7. Juli 2000 verhängte das Gericht sieben lebenslange Freiheitsstrafen gegen ihn.

Nachwirkungen

Der Fall erschütterte die britische Pflegebranche, weil ein examinierter Krankenpfleger seine berufliche Vertrauensstellung systematisch missbrauchte, um sich an wehrlosen Kolleginnen und Patientinnen zu vergehen. Kevin Cobb sitzt seine Strafe bis heute ab.