Kenneth Halliwell
- Aktive Jahre
- 1967
- Modus Operandi
- Stumpfe Gewalt
Am Morgen des 9. August 1967 wollte ein Chauffeur den gefeierten Dramatiker Joe Orton abholen, um mit ihm ein Drehbuchprojekt für die Beatles zu besprechen. Stattdessen fand er ihn erschlagen in seinem Bett in einer kleinen Wohnung in Islington. Wenige Schritte entfernt lag der leblose Körper seines langjährigen Lebensgefährten Kenneth Halliwell, der den Dramatiker mit neun Hammerschlägen getötet und sich anschließend selbst das Leben genommen hatte.
Werdegang
Kenneth Leith Halliwell wurde am 23. Juni 1926 geboren und verfolgte künstlerische Ambitionen als Schauspieler, Schriftsteller und Collagekünstler. An der Royal Academy of Dramatic Art (RADA) in London lernte er 1951 den jüngeren Joe Orton kennen, der dort ein Stipendium erhalten hatte. Aus der Bekanntschaft wurde rasch eine enge Beziehung: Kenneth wurde Mentor, Liebhaber und über Jahre auch die treibende Kraft hinter den ersten literarischen Versuchen des Paares.
Gemeinsam wohnten sie in einer winzigen Einzimmerwohnung in der Noel Road 25 in Islington, deren Wände sie mit selbst gefertigten Bildercollagen aus zerschnittenen Kunstbänden schmückten. 1962 gerieten beide in eine Affäre, die ihrem Ruf erheblich schadete: Sie hatten über Jahre hinweg Bücher aus öffentlichen Bibliotheken entwendet, deren Einbände und Illustrationen mit bissigen, teils obszönen Collagen verfremdet und heimlich zurückgestellt. Ein Gericht verurteilte beide zu sechs Monaten Haft und einer hohen Geldstrafe, ein für den entstandenen Sachschaden ungewöhnlich hartes Urteil, das Zeitgenossen später auch auf die damals noch strafbare Homosexualität der beiden Männer zurückführten.
Die eskalierende Beziehung
Nach der Haftentlassung 1963 begann für Joe Orton der eigentliche Durchbruch als Dramatiker. Stücke wie „Entertaining Mr Sloane” und „Loot” machten ihn zu einem der gefragtesten britischen Bühnenautoren seiner Zeit, mit Einladungen zu Premieren, Interviews und lukrativen Aufträgen, darunter das Angebot, ein Drehbuch für die Beatles zu schreiben. Kenneths eigene schriftstellerische Ambitionen dagegen blieben ohne Erfolg. Er geriet zunehmend in die Rolle des zurückgelassenen Partners, während der Mann, den er einst gefördert hatte, an ihm vorbeizog.
Zu dieser kränkenden Asymmetrie kam Eifersucht auf die zahlreichen sexuellen Kontakte seines Partners außerhalb der Beziehung hinzu, die dieser in privaten Tagebüchern detailliert festhielt. Kenneth litt in den Monaten vor der Tat unter schweren Depressionen und befand sich in psychiatrischer Behandlung.
Die Tat
In der Nacht zum 9. August 1967 erschlug er seinen Partner mit neun Schlägen eines Hammers auf den Kopf, während dieser schlief. Anschließend nahm er selbst 22 Tabletten des Schlafmittels Nembutal, aufgelöst in Grapefruitsaft, und starb noch in derselben Nacht. Eine Abschiedsnotiz verwies auf die Tagebücher seines Partners, in denen sich Erklärungen für die Tat finden sollten.
Nachwirkungen
Der Doppeltod erschütterte die britische Theaterwelt und beendete abrupt eine der aufsehenerregendsten Karrieren des zeitgenössischen englischen Dramas. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Beziehung der beiden Männer mehrfach literarisch und filmisch verarbeitet, am bekanntesten in der Filmbiografie „Prick Up Your Ears” von 1987. Die Wohnung in der Noel Road, in der sich die Tat ereignete, erinnert bis heute mit einer Gedenktafel an Joe Orton. Mehr zu dessen Leben und Karriere in der begleitenden Schlagzeile: Mord an Joe Orton.