Kenneth Erskine
- Aktive Jahre
- 1986
- Modus Operandi
- EinbruchVergewaltigungErwürgen
Ein Handflächenabdruck an einem Londoner Fenster verband sieben Tötungen hochbetagter Menschen mit Kenneth Erskine. Das zunächst wegen Mordes verhängte Urteil blieb jedoch nicht bestehen: Wie der Guardian berichtet, reduzierte das Berufungsgericht 2009 alle sieben Schuldsprüche wegen verminderter Schuldfähigkeit auf Totschlag und ordnete eine unbefristete psychiatrische Unterbringung an.
Werdegang
Kenneth Erskine wurde am 1. Juli 1963 im Londoner Stadtteil Hammersmith geboren, seine Mutter war Britin, sein Vater stammte aus Antigua. Beide Elternteile verließen ihn im Kindesalter, seine Eltern ließen sich scheiden, als er zwölf war. Er durchlief mehrere Sonderschulen und wurde zunehmend gewalttätig, bei einem Schulausflug versuchte er, Mitschüler zu ertränken. Als Jugendlicher hatte er zudem zweimal versucht, seinen jüngeren Bruder zu erhängen. Mit der Zeit wurde er obdachlos und finanzierte sich über eine lange Serie von Einbrüchen, die Beute verteilte er auf zehn verschiedene Bankkonten.
Die Taten
Sein erstes Opfer war die 78 Jahre alte Nancy Emms aus Wandsworth, die am 9. April 1986 tot in ihrer Wohnung gefunden wurde. Ihr Tod wurde zunächst als natürlich eingestuft, erst als eine Haushaltshilfe einen fehlenden Fernseher bemerkte, stellte eine Obduktion fest, dass die Frau vergewaltigt und erwürgt worden war.
Am 9. Juni 1986 starb die 67 Jahre alte Janet Cockett, Vorsitzende der Mietervereinigung ihrer Wohnsiedlung in Wandsworth, ebenfalls erwürgt in ihrer Wohnung. An ihrem Fenster fand die Polizei einen Handflächenabdruck, der später zum entscheidenden Beweisstück werden sollte.
Am 28. Juni 1986 tötete Kenneth Erskine gleich zwei Männer in einem Pflegeheim in Stockwell: den 84 Jahre alten Valentine Gleim und den 94 Jahre alten Zbigniew Strabawa, einen polnischen Kriegsveteranen. Beide wurden sexuell missbraucht und erwürgt.
Sein fünftes Opfer war der 84 Jahre alte William Carman aus Islington, den er am 8. Juli 1986 nach einem Diebstahl ebenfalls missbrauchte und erwürgte. Am 21. Juli 1986 folgte der 74 Jahre alte William Downes in einer möblierten Einzimmerwohnung in Stockwell.
Sein letztes bekanntes Opfer war die 83 Jahre alte Witwe Florence Tisdall, die in einer Seniorenresidenz in Fulham lebte. Der Hausmeister fand ihre Leiche am Morgen des 23. Juli 1986. Die Polizei verdächtigte ihn zudem der Morde an zwei weiteren älteren Menschen, für die es jedoch nie zu einer Anklage reichte.
Ermittlung und Festnahme
Weil Kenneth Erskine wegen früherer Einbrüche bereits polizeilich erfasst war, mit Fingerabdrücken und Fotos in den Akten, konnte die Polizei ihn schon während der laufenden Mordserie als Verdächtigen identifizieren. Am 28. Juli 1986 wurde er festgenommen, als er versuchte, eines seiner Sparkonten vor dem Sozialamt zu verschleiern. Sein Handflächenabdruck stimmte mit dem am Tatort gefundenen überein, ein 74 Jahre alter Überlebender eines früheren Angriffs erkannte ihn zudem bei einer Gegenüberstellung wieder.
Prozess
Im Januar 1988 wurde Kenneth Erskine wegen sieben Morden für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft mit einer empfohlenen Mindestverbüßungszeit von 40 Jahren verurteilt, eine der härtesten Strafen der britischen Rechtsgeschichte. Noch im selben Jahr verlegte man ihn wegen einer diagnostizierten psychischen Erkrankung aus dem Gefängnis in die geschlossene forensische Psychiatrie von Broadmoor. Untersuchungen stellten bei ihm eine chronische Schizophrenie sowie eine dissoziale Persönlichkeitsstörung fest. Im Juli 2009 wandelte ein Berufungsgericht seine Mordverurteilungen wegen verminderter Schuldfähigkeit in Totschlag um.
Nachwirkungen
1996 rettete Kenneth Erskine ausgerechnet das Leben eines anderen berüchtigten Serienmörders: Als ein Mitpatient in der Broadmoor-Klinik den „Yorkshire-Ripper“ Peter Sutcliffe mit einem Kopfhörerkabel zu erdrosseln versuchte, schlug er zusammen mit einem weiteren Insassen Alarm und verhinderte den Mord. 2016 wurde er in die forensische Klinik Thornford Park im südenglischen Thatcham verlegt. Dort erhielt er 2023 unter Aufsicht von Pflegepersonal erste begleitete Ausgänge in die umliegende Gemeinde, eine Entscheidung, die bei Angehörigen seiner Opfer auf heftige Kritik stieß. Kenneth Erskine lebt weiterhin in geschlossener psychiatrischer Verwahrung.