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Karl Ludwig Sand

Porträt von Karl Ludwig Sand, zeitgenössische Illustration
Unbekannter Autor, Illustration aus Heydemann, Carl Ludwig Sand, Hof 1885, via Wikimedia Commons · Public Domain
1
Opfer
hingerichtet
AttentäterMannheim , Deutschland
Aktive Jahre
1819
Modus Operandi
Erstechen

Am 23. März 1819 erstach der Theologiestudent Karl Ludwig Sand in Mannheim den Schriftsteller August von Kotzebue, den er als „Verräter am Vaterland“ betrachtete. Das politisch motivierte Attentat gilt als eine der ersten ideologisch begründeten Gewalttaten der deutschen Geschichte und lieferte den unmittelbaren Vorwand für die Karlsbader Beschlüsse, mit denen die Verfolgung der liberalen Burschenschaftsbewegung begann.

Werdegang

Geboren wurde er am 5. Oktober 1795 in Wunsiedel im Fichtelgebirge als Sohn eines Stadtrichters und späteren Justizrats. Er besuchte die Lateinschule in Wunsiedel und das Gymnasium in Hof, bevor er Theologie an den Universitäten Tübingen, Erlangen und Jena studierte. Seine Professoren beschrieben ihn als moralisch vorbildlich, wenn auch nicht überragend begabt. 1816 gründete er in Erlangen eine Burschenschaft und nahm 1817 am Wartburgfest teil, bei dem Studenten für die nationale Einheit und liberale Reformen demonstrierten. In Jena schloss er sich den „Unbedingten“ an, einer radikalen Splittergruppe um Karl Follen, die politischen Mord als legitimes Mittel nicht ausschloss.

Das Motiv

Er sah in August von Kotzebue, einem erfolgreichen, konservativ gesinnten Dramatiker und Publizisten im Dienst des russischen Zaren, einen Gegner der deutschen Einheits- und Freiheitsbewegung und verdächtigte ihn zudem der Spionage für Russland. In sein Tagebuch schrieb er bereits 1818, es wundere ihn, dass sich niemand finde, der einem solchen Verräter ein Messer ins Herz stoße.

Die Tat

Am 23. März 1819 suchte er August von Kotzebue unter einem falschen Namen in dessen Mannheimer Wohnhaus auf. Nach kurzem Wortwechsel zog er einen Dolch und stach mehrfach auf ihn ein, während dessen vierjähriger Sohn den Vorfall mitansah. Anschließend versuchte er, sich mit derselben Waffe selbst zu töten, um als Märtyrer für seine Überzeugung zu sterben. Er überlebte die Verletzungen, wurde noch am Tatort aufgegriffen und schwebte über Wochen zwischen Leben und Tod.

Prozess und Hinrichtung

Das Mannheimer Hofgericht verurteilte ihn am 5. Mai 1820 zum Tode. Auf ein Gnadengesuch verzichtete er bewusst. Am 20. Mai 1820 wurde er in Mannheim vor großem Publikum durch das Schwert enthauptet.

Nachwirkungen

Die Tat und die anschließende Hinrichtung lösten in nationalistischen Kreisen eine regelrechte Verehrung Karl Ludwig Sands als Märtyrer aus, während die deutschen Regierungen sie zum Anlass nahmen, im September 1819 die Karlsbader Beschlüsse zu erlassen, die Zensur verschärften, Burschenschaften verboten und eine jahrelange Verfolgung liberaler und nationaler Bewegungen einleiteten, die als Demagogenverfolgung in die Geschichte einging. Der Fall gilt bis heute als Musterbeispiel dafür, wie ein einzelnes politisches Attentat eine ganze Epoche staatlicher Repression prägen kann.

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