Karl Hau
- Aktive Jahre
- 1906
- Modus Operandi
- Erschießen
Karl Hau, geboren am 3. Februar 1881 im heutigen Großlittgen, erschoss am 6. November 1906 in Baden-Baden seine Schwiegermutter Josefine Molitor. Der anschließende Indizienprozess 1907 in Karlsruhe war einer der meistbeachteten Kriminalfälle des Deutschen Kaiserreichs und endete mit einem Todesurteil, das später in eine langjährige Haftstrafe umgewandelt wurde.
Werdegang
Er studierte Jura in Freiburg und Berlin und arbeitete zeitweise als Rechtsanwalt in Washington, D.C., sowie als Sekretär des türkischen Generalkonsuls. 1901 heiratete er in Mannheim Lina Molitor, nachdem es zuvor in der Schweiz zu einem dramatischen Zwischenfall mit einem Schuss gekommen war. Die Ehe war von Geldsorgen geprägt: Linas Mitgift war aufgebraucht, ihr stand aber ein erhebliches Erbe in Aussicht, sobald ihre Mutter Josefine Molitor sterben würde.
Die Tat
Am 6. November 1906 wurde Josefine Molitor in Baden-Baden erschossen aufgefunden. Zeugen wollen ihn am Tatort gesehen haben, maskiert mit einem falschen Bart. Kurz darauf wurde er in London festgenommen. Als Motiv galt der Prozess durchgehend das Geld: Er soll gehofft haben, über seine Frau vorzeitig oder zumindest sicherer an die Erbschaft zu gelangen.
Prozess
Der Prozess im Juli 1907 in Karlsruhe zog enormes öffentliches Interesse auf sich, Berichten zufolge belagerten bis zu 20.000 Schaulustige das Gerichtsgebäude. Die Beweislage war rein indiziell, die Verteidigung bezweifelte insbesondere das Motiv, dennoch sprachen die Geschworenen ihn schuldig. Er wurde zum Tode verurteilt. Der Großherzog von Baden wandelte das Urteil am 1. Dezember 1907 in lebenslange Haft um.
Entlassung und Skandal
Nach siebzehn Jahren Haft kam er 1924 unter der Auflage frei, nicht öffentlich über den Fall zu schreiben. Er hielt sich nicht daran und veröffentlichte zwei Bücher über seinen Fall, die sich gut verkauften. Wegen dieses Bruchs der Bewährungsauflagen wurde im November 1925 erneut Haftbefehl gegen ihn erlassen, woraufhin er nach Italien floh.
Tod
Am 5. Februar 1926 wurde er tot in Tivoli bei Rom aufgefunden. Zunächst war von Suizid durch Erschießen die Rede, offiziell wurde später ein Nierenleiden als Todesursache angegeben. Welche der beiden Versionen zutrifft, ließ sich im Nachhinein nicht mehr zweifelsfrei klären, ein letztes ungelöstes Detail in einem Fall, der von Beginn an von Zweifeln und Widersprüchen begleitet war.