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Karl Denke

genannt „Papa Denke"

Polizeifoto von Karl Denke nach seinem Suizid, 1924
Wikimedia Commons · Public Domain
30
Opfer
„Papa Denke"
Suizid
SerienmörderZiębice , Deutschland
Aktive Jahre
1903–1924

Karl Denke wurde am 12. August 1860 in Kalinowice Górne in der preußischen Provinz Schlesien geboren und starb am 22. Dezember 1924 in Münsterberg (heute Ziębice, Polen). Über mehr als zwei Jahrzehnte tötete er mindestens 30 mittellose Wanderarbeiter und Bettler, deren Fleisch er teils selbst verzehrte und teils weiterverkaufte.

Werdegang

Er galt schon als Kind als zurückgeblieben und sozial isoliert. Nach dem Tod seiner Eltern zog er nach Münsterberg, wo er als Korbmacher und mit kleinen Handwerksarbeiten seinen Lebensunterhalt bestand. In der Stadt genoss er einen Ruf als hilfsbereiter, frommer Mann, der Bedürftigen Essen und ein Nachtlager anbot, was ihm den Beinamen „Papa Denke” einbrachte. Genau dieser Ruf verschaffte ihm über Jahrzehnte Zugang zu seinen Opfern, ohne dass Verdacht auf ihn fiel.

Taten

Zwischen 1903 und 1924 lockte er wiederholt obdachlose und mittellose Wanderarbeiter, darunter auch mehrere Frauen, in sein Haus in der Teichstraße, tötete sie durch Erwürgen und zerlegte die Leichen anschließend fachmännisch. Er führte darüber akribisch Buch: In einem Notizbuch vermerkte er zu jedem Opfer Tatzeit, Namen, Beruf, Geburtsdatum und sogar das Gewicht der Leiche. Teile des Fleisches salzte er ein und aß sie selbst, andere Teile soll er als angebliches „Schweinefleisch” auf dem örtlichen Markt verkauft haben, ein Verdacht, der sich später nur teilweise erhärten ließ.

Festnahme

Am 21. Dezember 1924 überfiel er den Wanderarbeiter Vincenz Olivier in seinem Haus mit einer Spitzhacke. Dieser überlebte den Angriff, konnte fliehen und die Polizei alarmieren. Bei der Durchsuchung seines Hauses fanden die Ermittler mehrere Fässer mit gepökeltem Menschenfleisch, Zerlegungswerkzeug, über 420 menschliche Zähne in Blechbüchsen sowie zahlreiche Ausweispapiere und Kleidungsstücke früherer Opfer.

Tod und ausbleibender Prozess

Noch bevor ihn die Polizei zu den Funden befragen konnte, erhängte er sich in der Nacht auf den 22. Dezember 1924 in seiner Zelle mit einer aus seinen Hosenträgern geknoteten Schlinge. Ein Gerichtsverfahren fand deswegen nie statt, die genaue Opferzahl blieb daher ungeklärt. Anhand seiner eigenen Aufzeichnungen gehen Ermittler von mindestens 30 Toten aus, einzelne Quellen nennen auch höhere Zahlen.

Nachwirkungen

Der Fall zählt zu den bekanntesten deutschen Kriminalfällen der Weimarer Zeit und wurde später mehrfach literarisch und kriminologisch aufgearbeitet, auch weil sein Vorgehen Parallelen zu dem des wenige Jahre zuvor verurteilten Fritz Haarmann aufwies. Die Zerstörung fast aller amtlichen Ermittlungsunterlagen im Zweiten Weltkrieg erschwert bis heute eine vollständige Rekonstruktion aller Taten.

Dieser Fall zählt zu den in der Story Die schlimmsten Verbrecher Deutschlands versammelten Verbrechen.

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