Józef Cyppek
- Aktive Jahre
- 1952
- Modus Operandi
- Stumpfe GewaltZerstückelung
Józef Cyppek wurde am 20. August 1895 im damals deutschen Oppeln geboren und starb am 3. November 1952 durch den Strang in Szczecin. Sein Fall, bekannt als der „Schlächter von Niebuszewo”, gilt bis heute als einer der rätselhaftesten der polnischen Nachkriegszeit: Gerichtlich bewiesen wurde ihm nur ein einziger Mord, doch der Volksmund macht ihn seit Jahrzehnten für dutzende weitere Tote verantwortlich.
Werdegang
Er diente im Ersten Weltkrieg in der deutschen Armee und verlor dabei ein Bein, das fortan eine Prothese ersetzte. Gelernt hatte er den Beruf des Schlossers, später arbeitete er als Fahrer. Politisch stand er der KPD nahe. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb er im nun polnischen Szczecin, wohin die meiste deutsche Bevölkerung vertrieben worden war. Seine genaue Staatsangehörigkeit blieb in den Akten uneindeutig, er sprach fließend Deutsch und lebte zurückgezogen, misstrauisch beäugt von seinen polnischen Nachbarn. 1952 bezog er eine Wohnung in der damaligen Wilsonstraße 7, heute Niemierzyńska-Straße, im Stadtteil Niebuszewo.
Tat
Am 11. September 1952 lockte er die 20-jährige Nachbarin Irena Jarosz in seine Wohnung, erschlug sie mit einem Hammer und zerstückelte anschließend ihre Leiche. Als die Polizei die Wohnung durchsuchte, fand sie Teile der Leiche sowie Kleidung, eine Uhr und Bettwäsche des Opfers. Zusätzlich stießen die Ermittler auf Kinderkleidung, die sich keinem bekannten Opfer zuordnen ließ, und Zeugen berichteten, ein Kinokassierer habe mittellose Kinder gezielt zu ihm geschickt. Als daraufhin der nahegelegene Rusałka-See abgelassen wurde, kamen Berichten zufolge rund ein Dutzend menschlicher Schädel zum Vorschein, überwiegend von Kindern. Gerüchte, wonach er die Leichen in einem verlassenen Lagerhaus verarbeitet und das Fleisch anschließend auf dem nahen Basar verkauft habe, hielten sich in der Bevölkerung hartnäckig, ließen sich vor Gericht aber nicht beweisen.
Ermittlung und Prozess
Er wurde unmittelbar nach der Entdeckung der Leiche festgenommen und gestand den Mord an Irena Jarosz, weitere Taten bestritt er. Der Prozess dauerte nur wenige Tage: Bereits am 17. September 1952, sechs Tage nach der Tat, verurteilte ihn ein Gericht zum Tode. Ein Gnadengesuch an Staatspräsident Bolesław Bierut blieb erfolglos. Am 3. November 1952 wurde er in Szczecin gehängt und heimlich auf dem Zentralfriedhof beigesetzt.
Legende oder Serienmörder?
Ob Józef Cyppek tatsächlich für den Tod dutzender Menschen verantwortlich war oder ob die Legende vom „Schlächter von Niebuszewo” vor allem antideutschen Ressentiments der Nachkriegszeit entsprang, gilt unter Historikern bis heute als ungeklärt. Der eilige Prozess ohne gründliche Aufarbeitung der zusätzlichen Funde nährt Zweifel, ob die Wahrheit über den Fall je vollständig ans Licht kam. Das Haus in der Niemierzyńska-Straße blieb jahrelang leer, ehe es zu Lager- und Sanitärräumen umgebaut wurde. 2012 verarbeitete ein studentischer Kurzfilm mit dem Titel „Wilson 7” den Fall.