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Joseph Lesurques

Historische Gravur von 1802: Joseph Lesurques nimmt im Gefängnis Abschied von seiner Familie
Wikimedia Commons / Bibliothèque nationale de France (Gallica), Gravur von Auguste Desnoyers nach einer Zeichnung von Hilaire Ledru · Public Domain
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Opfer
hingerichtet
Mörder — Paris , Frankreich
Aktive Jahre
1796
Modus Operandi
Erschießen

Joseph Lesurques, geboren am 1. April 1763 in Douai, wurde 1796 zu Unrecht als Beteiligter am Raubüberfall auf die Postkutsche von Lyon verurteilt und am 3. Oktober desselben Jahres in Paris hingerichtet. Er selbst hat keinen einzigen Mord begangen. Sein Fall zählt bis heute zu den bekanntesten Justizirrtümern Frankreichs.

Der Überfall

Am 27. April 1796 überfiel eine Bande von Wegelagerern bei Vert-Saint-Denis, an der Straße zwischen Paris und Lyon, die Postkutsche der Linie Lyon-Paris, die 80.000 Livres transportierte. Zwei der drei Postbediensteten wurden dabei getötet. Joseph Lesurques, ein wohlhabender Kaufmann aus Douai, hatte mit dem Überfall nichts zu tun, geriet aber ins Visier der Ermittler, weil er dem eigentlichen Täter André Dubosc auffällig ähnlich sah. Dieser war für seine Verkleidungskünste bekannt und trug bei der Tat vermutlich eine blonde Perücke, während der Kaufmann selbst von Natur aus blond war.

Prozess und Hinrichtung

Im August 1796 verhandelte das Kriminalgericht von Paris unter Richter Jérôme Gohier den Fall. Obwohl der Mitangeklagte Couriol aussagte, der Angeklagte sei nicht am Überfall beteiligt gewesen, schworen acht Zeugen, ihn eindeutig erkannt zu haben. Ein weiterer Zeuge hatte zudem sein eigenes Geschäftsbuch manipuliert, was die Verteidigung zusätzlich schwächte. Joseph Lesurques wurde für schuldig befunden und zum Tode durch die Guillotine verurteilt. Selbst auf dem Schafott beteuerte er noch seine Unschuld, gekleidet ganz in Weiß als Zeichen dafür. Sein Komplize Couriol, der tatsächliche Mittäter, bestätigte öffentlich vom Schafott aus seine Unschuld, bevor auch er hingerichtet wurde.

Die Aufklärung

Erst Monate später wurde ein bis dahin unbekannter Überlebender des Überfalls gefunden, dessen Aussage schließlich zur Identifizierung des wahren Täters André Dubosc führte. Der Richter Daubenton ließ die Ähnlichkeit zwischen dem Hingerichteten und André Dubosc später im Gericht demonstrieren, woraufhin auch die ursprünglichen Belastungszeugen ihre Aussagen zugunsten des wahren Täters revidierten. Für ihn kam die Aufklärung zu spät.

Nachwirkungen

Joseph Lesurques hinterließ seine Frau Jeanne Campion und drei Kinder. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Père-Lachaise in Paris. Der Fall, in Frankreich als „L’affaire du courrier de Lyon” bekannt, wurde noch im 19. Jahrhundert mehrfach künstlerisch verarbeitet, unter anderem in einer Gravur, die seinen Abschied von der Familie im Gefängnis zeigt, sowie in Theaterstücken. Er gilt bis heute als Symbol dafür, wie eine zufällige körperliche Ähnlichkeit und die Überzeugung einzelner Zeugen einen unschuldigen Menschen das Leben kosten können.