← Zum Verzeichnis

Josef Kramer

genannt „Bestie von Belsen"

Josef Kramer nach seiner Festnahme im August 1945
Imperial War Museums (Crown Copyright, abgelaufen), via Wikimedia Commons · Public Domain
„Bestie von Belsen"
hingerichtet
KriegsverbrecherBergen-Belsen , Deutschland
Aktive Jahre
1941–1945
Modus Operandi
Vergasung

Josef Kramer war als Kommandant mehrerer nationalsozialistischer Konzentrationslager, zuletzt des KZ Bergen-Belsen, für den Tod von Zehntausenden Menschen mitverantwortlich. Die britische Presse gab ihm nach der Befreiung des Lagers im April 1945 den Beinamen „Bestie von Belsen“. Im Bergen-Belsen-Prozess wurde er zum Tode verurteilt und im Dezember 1945 gehängt.

Werdegang

Geboren wurde er am 10. November 1906 in München als Sohn eines Beamten. Nach einer Ausbildung zum Elektriker und einer kaufmännischen Lehre blieb er während der Weltwirtschaftskrise fast neun Jahre arbeitslos, bevor er im Dezember 1931 der NSDAP beitrat. 1934 begann seine Laufbahn im Lagersystem der SS als Wachmann im KZ Dachau unter Hans Loritz. Es folgten Stationen als Schreiber in der Kommandantur des KZ Esterwegen, als Postaufseher in Sachsenhausen und als Adjutant in Mauthausen. 1940 wurde er Adjutant von Rudolf Höß im KZ Auschwitz.

Stationen als Kommandant

Ab April 1941 leitete er als Kommandant das Lager Natzweiler-Struthof im Elsass, wo er unter anderem den Bau einer Gaskammer für medizinische Experimente veranlasste. Im August 1943 ließ er dort 86 Häftlinge vergasen, deren Leichen für die Schädelsammlung eines Anatomieprofessors bestimmt waren. Von Mai bis Dezember 1944 war er Kommandant des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau und damit für die Ermordung ungarischer Juden in der Endphase des Holocaust mitverantwortlich. Er beschrieb später selbst, wie er nackte Frauen in die Gaskammern trieb und ihr Sterben beobachtete. Im Dezember 1944 wurde er als Kommandant in das KZ Bergen-Belsen versetzt, das zu diesem Zeitpunkt keine Gaskammern besaß, in dem aber durch systematische Unterversorgung, Überbelegung und Krankheiten Zehntausende Menschen starben. Im März 1945 meldete er über 42.000 Insassen, während die Lagerverwaltung faktisch bereits zusammengebrochen war.

Befreiung und Festnahme

Britische Truppen befreiten das KZ Bergen-Belsen am 15. April 1945 und fanden tausende unbestattete Leichen sowie schwerkranke Überlebende vor. Er wurde am 17. April 1945 festgenommen.

Prozess

Von September bis November 1945 fand vor einem britischen Militärgericht in Lüneburg der sogenannte Bergen-Belsen-Prozess gegen ihn und weitere frühere Lagerangehörige statt, in dem sowohl seine Taten in Bergen-Belsen als auch in Auschwitz-Birkenau verhandelt wurden. Er bekannte sich nicht schuldig und berief sich darauf, lediglich Befehle ausgeführt zu haben. Das Gericht verurteilte ihn wegen Kriegsverbrechen zum Tode durch den Strang.

Nachwirkungen

Am 13. Dezember 1945, nur einen Monat nach der Urteilsverkündung, wurde Josef Kramer im Gefängnis von Hameln vom britischen Scharfrichter Albert Pierrepoint hingerichtet. Der Bergen-Belsen-Prozess gilt bis heute als einer der ersten großen Kriegsverbrecherprozesse der Nachkriegszeit und als frühes Beispiel für die gerichtliche Aufarbeitung des Holocaust noch vor den Nürnberger Prozessen.

Mehr zum Fall

Werbung · Affiliate-Links