José María Jarabo
- Amokläufer — Madrid , Spanien
- Aktive Jahre
- 1958
- Modus Operandi
- ErschießenErstechen
Ein Ring, den er selbst verkauft hatte, wurde José María Jarabo zum Verhängnis, allerdings nicht auf die Art, die man erwarten würde. Statt ihn zurückzukaufen, beschloss der verarmte Lebemann, die beiden Käufer umzubringen. Am Ende lagen binnen drei Tagen vier Menschen tot in Madrid, darunter eine schwangere Frau, und ganz Spanien starrte auf einen Mann, der eigentlich wie der letzte Verdächtige aussah: adrett gekleidet, aus gutem Hause, mit besten Beziehungen bis in die Regierung.
Werdegang
José María Manuel Pablo de la Cruz Jarabo Pérez-Morris kam am 28. April 1923 in Madrid zur Welt, in eine wohlhabende Familie mit besten Verbindungen. Er besuchte das renommierte Colegio Nuestra Señora del Pilar, sein Onkel Francisco Ruiz-Jarabo sollte später Justizminister unter Franco werden. Mit 17 Jahren zog er nach Puerto Rico, dann in die USA, wo er in New York vier Jahre wegen Drogenhandels und Pornografie im Gefängnis saß. 1950 kehrte er nach Spanien zurück und lebte fortan über seine Verhältnisse: teure Anzüge, Nachtclubs, Frauen, dazu ständige Betrügereien und Falschspiel beim Glücksspiel. Seine Mutter, die ihm lange Geld aus Puerto Rico überwiesen hatte, stellte die Zahlungen irgendwann ein. Er blieb trotzdem elegant und mittellos zugleich, ein Widerspruch, der ihn zunehmend in Bedrängnis brachte.
Der Anlass
Seine britische Freundin Beryl Martin besaß einen Ring, den er ohne ihr Wissen an zwei Bekannte, Emilio Fernández und Félix López, verkaufte. Als sie den Ring zurückverlangte, hätte er ihn einfach zurückkaufen können. Stattdessen entschied sich José María Jarabo für einen weit drastischeren Ausweg: Er wollte beide Männer aus dem Weg räumen.
Die Taten
Am 19. Juli 1958 gab er sich in Emilio Fernández’ Wohnung als Polizeiinspektor aus. Die 26-jährige Hausangestellte Paulina Ramos Serrano erstach er noch in der Diele, bevor sie Verdacht schöpfen konnte. Danach erschoss er Emilio Fernández. Als kurz darauf die hochschwangere Amparo Alonso die Wohnung betrat und misstrauisch wurde, erschoss er auch sie, mit ihr starb ihr ungeborenes Kind. Zwei Tage später, am 21. Juli, suchte er sein zweites Ziel auf und erschoss Félix López Robledo in dessen Wohnung an der heutigen Calle del Alcalde Sáinz de Baranda.
Festnahme
Der Fehler, der ihm das Genick brach, war banal: Am 22. Juli brachte er einen blutbefleckten Anzug zur Reinigung. Der Inhaber der Wäscherei alarmierte sofort die Polizei, die den auffällig eleganten Verdächtigen rasch aufspürte und festnahm. Ganz Madrid, ohnehin fasziniert vom mondänen Lebensstil des Verdächtigen, verfolgte die Ermittlungen wie einen Boulevardroman.
Prozess
Am 29. Januar 1959 verurteilte ein Gericht José María Jarabo wegen vierfachen Mordes zum Tode. Die Franco-Presse feierte den Fall als warnendes Beispiel für eine dekadente, dem Regime fremde Halbwelt aus Glücksspiel und losen Sitten, er selbst blieb bis zuletzt kühl und gefasst.
Nachwirkungen
Am 4. Juli 1959 wurde er in Madrid mit der Garrote vil hingerichtet, einer traditionellen spanischen Erdrosselungsmaschine. Die Exekution zog sich Berichten zufolge über mehr als 25 Minuten hin. Der „Dandy-Mörder”, wie ihn die spanische Presse nannte, blieb Jahrzehnte lang Stoff für Reportagen und Bücher über die dunkle Seite des Franco-Spaniens, ein Fall, in dem feine Kleidung und beste Herkunft eine abgrundtiefe Brutalität kaum verdecken konnten. Mehr zum Tathergang und zur damaligen öffentlichen Reaktion in der Schlagzeile Der Dandy-Mörder: Amoklauf eines Lebemanns in Madrid.