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John Sweeney

genannt „Scalp Hunter"

Die Kentish Town Road in London, wo John Sweeney zur Tatzeit lebte
Wikimedia Commons / Jim Linwood · CC BY 2.0
2
Opfer
„Scalp Hunter"
inhaftiert
SerienmörderLondon , Großbritannien
Aktive Jahre
1990–2000

Zwei zerstückelte Frauen wurden elf Jahre und Hunderte Kilometer voneinander entfernt aus Kanälen geborgen. Erst die Identifizierung Melissa Halsteads im Jahr 2008 verband den Fund aus Rotterdam mit Paula Fields in London. Der Guardian-Bericht zum Urteil dokumentiert die beiden Mordschuldsprüche gegen John Sweeney vom April 2011.

Werdegang

Nach einer Heirat 1976 und der späteren Scheidung zog er Mitte der 1980er Jahre nach London. Bekannte lernten ihn als extrem kontrollierend und eifersüchtig in Beziehungen kennen, wiederholt kam es zu häuslicher Gewalt gegen Partnerinnen. Er arbeitete unter mehreren falschen Namen, darunter Joe Johnson und Joe Carroll, auf Baustellen in England und auf dem europäischen Festland.

Die Morde an Melissa Halstead und Paula Fields

Mitte der 1980er Jahre lernte er das amerikanische Model und die Fotografin Melissa Halstead kennen. Als sie 1990 nach Amsterdam zog, folgte er ihr. Im selben Jahr wurde ihre zerstückelte Leiche im Westersingel-Kanal in Rotterdam entdeckt, in einem Armeeranzen verpackt. Der Kopf fehlte, eine Identifizierung war zunächst nicht möglich, erst 2008 gelang sie niederländischen Ermittlern über eine DNA-Analyse im Rahmen einer Cold-Case-Überprüfung.

1994 überlebte eine weitere frühere Partnerin, die Krankenschwester Delia Balmer, einen Angriff mit Axt und Messer nur knapp und verlor dabei einen Finger. Er erhielt daraufhin zwar Kaution, floh aber für rund sechs Jahre auf das europäische Festland, bevor er wieder in London auftauchte.

Ab 2000 war er mit Paula Fields liiert, einer 31-jährigen Frau aus Liverpool, die als Prostituierte arbeitete und drogenabhängig war. Sie galt ab Januar 2001 als vermisst, im Februar desselben Jahres wurden ihre in zehn Teile zerlegten Überreste in sechs Reisetaschen im Regent’s Canal nahe King’s Cross gefunden. Auch bei ihr fehlten Kopf und Hände.

Ermittlung und Festnahme

Im März 2001 wurde er auf einer Baustelle unweit des Old Bailey festgenommen, als er versuchte, ein Messer zu ergreifen, bewaffnete Beamte konnten das verhindern. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden Ermittler eine Waffensammlung sowie über 300 Gemälde, Gedichte und Holzschnitzereien, viele davon mit unverkennbaren Bezügen zu den Taten. Auf einem Bild mit dem Titel „Scalp Hunter” war eine Figur mit blutiger Axt und einem Haarbüschel zu sehen, ein weiteres Gemälde enthielt unter UV-Licht eine versteckte Inschrift mit dem Namen Melissas und einem Datum. Ein Gedicht auf einem Rubbellos lautete sinngemäß, die „arme Melissa” sei zerstückelt und den Fischen zum Fraß vorgeworfen worden, Amsterdam sei „the pits” gewesen.

Zunächst wurde er wegen versuchten Mordes an Delia, Freiheitsberaubung, Körperverletzung und Waffendelikten zu vier lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt. Erst die 2008 gelungene Identifizierung Melissas brachte die Ermittlungen zu ihrem Tod wieder in Gang, gemeinsam mit britischen und niederländischen Behörden.

Prozess und Urteil

Im April 2011 verurteilte eine Jury am Old Bailey ihn wegen beider Morde für schuldig, er selbst verweigerte bei der Urteilsverkündung die Teilnahme. Der zuständige Richter bezeichnete die Taten als „schreckliche, abscheuliche Verbrechen” und verhängte am 5. April 2011 einen sogenannten Whole Life Tariff, also lebenslange Haft ohne jede Aussicht auf vorzeitige Entlassung. Ausschlaggebend waren neben der Planung der Taten auch die postmortale Verstümmelung und die zusätzliche seelische Belastung der Angehörigen durch die fehlenden Körperteile.

Nachwirkungen

Er sitzt seither in England in Haft. Ermittler gehen bis heute davon aus, dass er für weitere Todesfälle verantwortlich sein könnte, darunter mehrere in den 1980er und 1990er Jahren verschwundene frühere Partnerinnen aus Großbritannien, Brasilien und Kolumbien, ohne dass sich diese Verdachtsfälle bislang beweisen ließen. Der Fall wurde später mehrfach in britischen Dokumentationen aufgearbeitet, unter anderem in der Serie „Until I Kill You”, die sich auf Delia Balmers Überleben und ihren Kampf um Gehör bei der Polizei konzentriert.

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