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John Opdam

Das ehemalige Gefängnis Blokhuispoort in Leeuwarden, in dem John Opdam einen Mitgefangenen tötete
Wikimedia Commons / Parsifal2000 · CC BY-SA 3.0 NL
2
Opfer
verstorben
SerienmörderBerkel en Rodenrijs , Niederlande
Aktive Jahre
1952–1958
Modus Operandi
Vergiftung

Ein fingierter Abschiedsbrief sollte John Opdam von seinem ersten Mordurteil entlasten. Doch der Mitgefangene, der darin die Vergiftung von Arnolda Opdam auf sich nahm, starb selbst an Zyankali. Der niederländische Landarzt erhielt deshalb ein zweites lebenslanges Urteil, ein bis heute einzigartiger Vorgang in der niederländischen Rechtsgeschichte.

Werdegang

1936 zog der gebürtige Niederländisch-Indier in die Niederlande und studierte Medizin. 1947 schloss er das Studium ab und übernahm eine Landarztpraxis in Berkel en Rodenrijs, südöstlich von Rotterdam. Im selben Jahr heiratete er die sechs Jahre jüngere Lehrerstochter Arnolda van Eyl. Zeitgenossen beschrieben ihn als überdurchschnittlich intelligent, sein IQ soll bei 152 gelegen haben.

1951 begann er eine Affäre mit der 19-jährigen Hausangestellten Nellie Aaldering. Als seine Frau davon erfuhr, wollte sie sich aus religiösen Gründen nicht scheiden lassen. Die Hausangestellte wurde zwar entlassen, das Verhältnis bestand aber fort.

Der Mord an der eigenen Ehefrau

Ab 1952 verschlechterte sich Arnoldas Gesundheit zusehends, der Arzt diagnostizierte selbst einen angeblich unheilbaren Hirntumor. Am Abend des 24. September 1952 verabreichte er ihr ein Pulver in Wasser sowie eine Morphiumspritze, in der Nacht starb sie. Ein hinzugezogener Kollege trug zunächst „Hirntumor” als Todesursache ein, doch Arnoldas Mutter misstraute der Diagnose und erstattete Anzeige. Die Obduktion fand Rückstände von Zyankali im Körper, zudem stellte sich heraus, dass er kurz zuvor elf Gramm dieser Substanz bestellt hatte, obwohl seine Praxis dafür nie einen Bedarf gehabt hatte.

Erster Prozess

Am 8. Juni 1954 wurde er wegen Mordes an seiner Frau zu lebenslanger Haft verurteilt und in das Gefängnis Leeuwarden gebracht. Die Anklage beschrieb die Tat als in Ruhe vorbereitet und kaltblütig ausgeführt.

Der Plan mit Adri Lodder

Im Gefängnis lernte er den Mitgefangenen Adri Lodder kennen, der seine eigene Frau mit Arsen vergiftet und dafür ebenfalls eine langjährige Strafe erhalten hatte. Die beiden Männer freundeten sich an. Um seine Unschuld erneut ins Spiel zu bringen, schrieb der verurteilte Arzt ein Theaterstück über seinen eigenen Fall, in dem der Mitgefangene mitspielte. Der eigentliche Plan dahinter: Adri sollte in einem Abschiedsbrief die Vergiftung Arnoldas auf sich nehmen und sich anschließend selbst das Leben nehmen, angeblich aus Reue über eine heimliche Beziehung zu ihr.

Am 5. Februar 1958 wurde der Mitgefangene tot in seiner Zelle gefunden, ebenfalls durch Zyankali vergiftet. Neben ihm lag der verabredete Abschiedsbrief. Ermittler glaubten dem Geständnis darin nicht: Der Tote hatte kurz zuvor Schokolade gegessen, vermutlich um den bitteren Geschmack des Gifts zu überdecken, den Alarmknopf seiner Zelle nicht betätigt und sich ordentlich ins Bett gelegt, bevor er starb, Indizien, die eher für eine fremde Beteiligung als für einen echten Suizid sprachen.

Zweiter Prozess

Ein prominenter Verteidiger argumentierte im Schlussplädoyer, das Verhalten des Toten vor seinem Ende deute klar auf einen eigenständigen Suizid hin. Das Gericht folgte dem nicht: 1961 wurde der Arzt ein zweites Mal zu lebenslanger Haft verurteilt, diesmal wegen Mordes an seinem Mitgefangenen, ein bis heute einmaliger Vorgang in der niederländischen Rechtsgeschichte.

Begnadigung und späte Jahre

1965 gestand er schließlich den Mord an seiner Ehefrau, den Mord an Adri bestritt er dagegen zeitlebens. 1975, nach 23 Jahren Haft, wurde er begnadigt, unter der Auflage, nie wieder als Arzt zu arbeiten. Anschließend arbeitete er kurzzeitig in der medizinischen Bibliothek der Katholischen Universität Nijmegen.

Nachwirkungen

John Opdam starb am 14. Oktober 1983 in Leiden. In den Medien wurde er lange nur als „Dokter O.” bezeichnet, seine vollständige Identität war der Öffentlichkeit aber längst bekannt. Der Fall gilt in den Niederlanden bis heute als einer der außergewöhnlichsten der Kriminalgeschichte des Landes, nicht zuletzt wegen des Doppelmords, den er größtenteils aus dem Gefängnis heraus plante.