John Haigh
- Aktive Jahre
- 1944–1949
- Modus Operandi
- ErschießenSäurebad
John Haigh tötete zwischen 1944 und 1949 in London mindestens sechs Menschen und löste ihre Leichen anschließend in Fässern mit Schwefelsäure auf, um sich unter falschem Namen ihr Vermögen und ihre Wertgegenstände anzueignen. Vor Gericht versuchte er vergeblich, mit der Behauptung durchzukommen, das Blut seiner Opfer getrunken zu haben, in der Hoffnung, wegen Unzurechnungsfähigkeit der Todesstrafe zu entgehen. Am 10. August 1949 wurde er in London gehängt.
Werdegang
Er wurde am 24. Juli 1909 in Stamford, Lincolnshire, geboren und wuchs bei streng religiösen Eltern auf, die der Gemeinschaft der Plymouth Brethren angehörten. Er war musikalisch begabt, sang als Chorknabe an der Kathedrale von Wakefield und besuchte die dortige Grammar School. Mit 21 Jahren verlor er wegen Diebstahlsverdachts seine Lehrstelle als Kfz-Techniker. 1934 heiratete er Beatrice Hamer, die Ehe zerbrach jedoch rasch, noch im selben Jahr saß er wegen Betrugs in Haft, während seine Frau in dieser Zeit die gemeinsame Tochter zur Adoption freigab und ihn verließ. 1936 zog er nach London und arbeitete zeitweise als Chauffeur für den Geschäftsmann William McSwan. In den folgenden Jahren betrieb er unter falschem Namen ein betrügerisches Aktiengeschäft, wofür er eine weitere, vierjährige Haftstrafe verbüßte. In der Haft las er über den französischen Mörder Georges-Alexandre Sarret, der Leichen mit Schwefelsäure beseitigt hatte, und experimentierte anschließend selbst mit Feldmäusen, um die Auflösungszeit zu testen.
Kriminelle Aktivitäten
1947 geriet er als Spieler zunehmend in finanzielle Not. Am 9. September 1944 tötete er seinen früheren Arbeitgeber William Donald McSwan, am 2. Juli 1945 dessen Eltern Donald und Amy McSwan, um sich deren Vermögen und Immobilien anzueignen. Am 12. Februar 1948 folgten der Arzt Archibald Henderson und seine Frau Rosalie, am 18. Februar 1949 schließlich die 69 Jahre alte, wohlhabende Witwe Olive Durand-Deacon. Er erschlug oder erschoss seine Opfer mit einem gestohlenen Revolver und löste die Leichen anschließend in Fässern mit Schwefelsäure auf. Die Wertgegenstände und Unterschriften der Toten nutzte er, um sich betrügerisch deren Vermögen anzueignen.
Namentlich bekannte Opfer (chronologisch):
- William Donald McSwan, getötet am 9. September 1944 in London
- Donald McSwan, Vater von William, getötet am 2. Juli 1945
- Amy McSwan, Mutter von William, getötet am 2. Juli 1945
- Archibald Henderson (Arzt), getötet am 12. Februar 1948
- Rosalie Henderson, seine Frau, getötet am 12. Februar 1948
- Olive Durand-Deacon (69), getötet am 18. Februar 1949
Er selbst behauptete später, drei weitere Menschen getötet zu haben, konkrete Beweise dafür fanden sich jedoch nie.
Ermittlung und Festnahme
Nachdem Olive Durand-Deacons Bekannte Constance Lane sie am 20. Februar 1949 als vermisst gemeldet hatte, geriet er wegen auffälligen Verhaltens ins Visier der Polizei. Bei der Durchsuchung seiner Werkstatt in Crawley, West Sussex, fanden Ermittler eine Reinigungsquittung für ihren Pelzmantel sowie Unterlagen, die ihn mit den Familien McSwan und Henderson in Verbindung brachten. Der Gerichtsmediziner Keith Simpson entdeckte am Tatort rund 13 Kilogramm menschliches Körperfett, einen teilweise erhaltenen Fuß, Gallensteine und Zahnprothesenreste, die ihr Zahnarzt später identifizierte.
Prozess
Vor Gericht plädierte er auf Unzurechnungsfähigkeit und behauptete, unter kindlichen Albträumen von Blut gelitten sowie nach einem Autounfall 1944 eine Vision von blutenden Kreuzen gehabt zu haben, in der ihm eine Gestalt einen Becher mit Blut angeboten habe. Der von der Verteidigung aufgerufene Gutachter Henry Yellowlees bescheinigte ihm eine „paranoide Veranlagung”, die Jury folgte dieser Einschätzung jedoch nicht und benötigte für ihren Schuldspruch nur wenige Minuten Beratung.
Hinrichtung
Am 10. August 1949 wurde er im Gefängnis von Wandsworth in London durch den Henker Albert Pierrepoint gehängt. Bis zuletzt zeigte er sich unbekümmert, bat um eine Generalprobe der Hinrichtung und äußerte scherzhaft, er werde „unangemeldet bei Gott vorbeischauen”.
Nachwirkungen
Der Fall erregte in Großbritannien großes mediales Aufsehen, der Chefredakteur des Daily Mirror wurde wegen Missachtung des Gerichts zu drei Monaten Haft verurteilt, nachdem die Zeitung ihn während des laufenden Verfahrens öffentlich als „Mörder” bezeichnet hatte, die Zeitung selbst musste eine Geldstrafe von 10.000 Pfund zahlen. Das Museum von Madame Tussauds fertigte seine Totenmaske an, die dort bis heute ausgestellt ist.