John Norman Collins
- Serienmörder — Ypsilanti , USA
- Aktive Jahre
- 1967–1969
- Modus Operandi
- ErstechenErwürgenZerstückelung
John Norman Collins wurde am 17. Juni 1947 im kanadischen Windsor, Ontario, geboren und wuchs später in Michigan auf. Zwischen 1967 und 1969 tötete er mindestens sieben junge Frauen im Raum Ann Arbor und Ypsilanti, Fälle, die als „Michigan Murders“ in die amerikanische Kriminalgeschichte eingingen. In den Medien wurde er auch als „Co-ed Killer“ bezeichnet, ein Beiname, der später auch dem kalifornischen Täter Edmund Kemper anhaftete. Um Verwechslungen zu vermeiden, wird er hier als „Ypsilanti-Ripper” geführt, dem Namen, unter dem der Fall ebenfalls bekannt wurde.
Werdegang
Er wuchs nach der Scheidung seiner Eltern bei seiner Mutter auf und galt in der Schule als guter Schüler und Mitkapitän der Football-Mannschaft. Ab Herbst 1966 studierte er an der Eastern Michigan University in Ypsilanti auf Lehramt für Grundschulbildung und arbeitete nebenbei als Kontrolleur in einer Bremsenfabrik. Er war als Motorradfahrer bekannt und fuhr eine blaue Triumph Bonneville, ein Detail, das später zu seiner Überführung beitrug. Nach außen wirkte er unauffällig und beliebt, lebte zeitweise nur wenige Häuser von einem seiner späteren Opfer entfernt.
Kriminelle Aktivitäten
Zwischen Sommer 1967 und Sommer 1969 wurden im Umkreis von rund 25 Kilometern um Ann Arbor und Ypsilanti sieben junge Frauen ermordet aufgefunden, viele von ihnen Studentinnen. Die Opfer wurden entführt, teils vergewaltigt, erstochen oder erwürgt, ihre Leichen häufig an abgelegenen Straßen oder in Waldstücken abgelegt und in mehreren Fällen zusätzlich verstümmelt. Ein weiterer Mordfall aus derselben Zeit, die Studentin Jane Mixer, wurde ihm lange zugeschrieben, jedoch Jahrzehnte später durch neue DNA-Analysen einem anderen Täter zugeordnet und zählt daher nicht zu seinen gesicherten Opfern.
Namentlich bekannte Opfer (chronologisch):
- Mary Terese Fleszar (19), 9. Juli 1967, Superior Township. Die stark verweste Leiche wies fehlende Gliedmaßen auf.
- Joan Elspeth Schell (20), 30. Juni 1968, Ann Arbor. Erstochen, am Straßenrand aufgefunden.
- Maralynn Skelton (16), 24. März 1969, Ypsilanti. Schwer misshandelt, mit einem Gürtel erwürgt.
- Dawn Louise Basom (13), 15. April 1969, Ypsilanti. Erstochen und mit einer Elektroleitung erdrosselt.
- Alice Elizabeth Kalom (21), 8. Juni 1969, bei Ann Arbor. Erstochen und erschossen, sexuell missbraucht.
- Roxie Ann Phillips (17), 30. Juni 1969, Kalifornien. Erwürgt, mit einem Gürtel um den Hals aufgefunden.
- Karen Sue Beineman (18), 23. Juli 1969, Ypsilanti. Misshandelt und erwürgt, ihre Leiche in einer Schlucht am Huron River entdeckt.
Für die meisten dieser Taten wurde er nie formell angeklagt, gilt aber nach übereinstimmender Einschätzung von Ermittlern als Verantwortlicher.
Ermittlung und Festnahme
Der Durchbruch gelang über den Mord an Karen Sue Beineman. Zwei Angestellte eines Perückengeschäfts identifizierten ihn als den Mann, der die junge Frau kurz vor ihrem Verschwinden auf seinem Motorrad mitgenommen hatte. Die Ermittler durchsuchten daraufhin den Keller seines Onkels David Leik, wo er zeitweise gewohnt hatte, und fanden dort über 500 winzige Haarschnipsel, die mit denen auf der Unterwäsche des Opfers übereinstimmten, sowie Blutspuren der Blutgruppe des Opfers. Am 30. Juli 1969, eine Woche nach dem letzten bekannten Mord, wurde er festgenommen.
Prozess
Der Prozess fand von Juni bis August 1970 vor Richter John Conlin statt. Angeklagt wurde er ausschließlich wegen des Mordes an Karen Sue Beineman, da für diesen Fall die eindeutigsten forensischen Beweise vorlagen. Die Verteidigung unter Neil Fink und Joseph Louisell versuchte, die Glaubwürdigkeit der Augenzeugen und die forensische Beweisführung anzuzweifeln, konnte die Geschworenen jedoch nicht überzeugen. Nach mehr als 27 Stunden Beratung sprach die Jury ihn am 19. August 1970 einstimmig des Mordes ersten Grades schuldig. Er wurde zu lebenslanger Haft ohne Möglichkeit auf Bewährung verurteilt.
Nachwirkungen
Er sitzt bis heute im Gefängnis Carson City Correctional Facility in Michigan ein, mittlerweile unter dem Namen John Norman Chapman. Die übrigen sechs ihm zugeschriebenen Morde wurden nie vor Gericht verhandelt, gelten polizeilich aber als aufgeklärt. Der Fall „Michigan Murders“ prägte durch die monatelange öffentliche Angst im Raum Ann Arbor und Ypsilanti das kollektive Gedächtnis der Region und wurde mehrfach literarisch und dokumentarisch aufgearbeitet, unter anderem in Edward Keyes’ Sachbuch „The Michigan Murders“.