John Childs
- Aktive Jahre
- 1974–1978
- Modus Operandi
- ErschießenErwürgenZerstückelungBrandstiftungKomplizen
Sechs Menschen soll John Childs zwischen 1974 und 1978 getötet haben, doch bis heute wurde keine einzige Leiche gefunden. Er selbst gestand, jeden Körper in seiner Wohnung im Osten Londons zersägt und im Kamin verbrannt zu haben. Ein Berufungsgericht stellte Jahrzehnte später fest, dass er ein „pathologischer Lügner” war, was die unbequeme Frage aufwirft, wie viel von seinem eigenen Geständnis überhaupt der Wahrheit entsprach.
Werdegang
John Childs, auch als Bruce Childs bekannt, war ein Krimineller aus dem Osten Londons, der sich als sogenannter „Hitman” einen Ruf als besonders gefragter Auftragsmörder erarbeitet haben soll. In seiner Wohnung in Dolphin House im Stadtteil Poplar lockte er nach eigener späterer Aussage seine Opfer an, tötete sie dort und beseitigte anschließend jede Spur.
Die Taten
Zwischen August 1974 und Oktober 1978 tötete John Childs nach eigenem Geständnis sechs Menschen: den Geschäftsmann Terence „Terry” Eve im August 1974, Robert Brown im Januar 1975, den Vater George Brett und dessen zehnjährigen Sohn Terry Brett im November 1975 sowie Frederick „Freddie” Sherwood und Ronald Andrews im Sommer und Herbst 1978. Die von ihm geschilderten Tötungsmethoden reichten von Erschießen über Erwürgen bis zu massiver stumpfer Gewalt. Anschließend, so seine Aussage, zerlegte er die Leichen in seiner Badewanne mit Brotmesser und Handsäge, verbrannte die Teile in einem Ölfass in seiner Wohnung und verstreute die Asche später aus seinem Auto heraus. Kein einziger der behaupteten sechs Körper wurde je gefunden.
Verhaftung und Geständnis
1978 nahm die Polizei John Childs wegen eines Bankraubs fest. Im darauffolgenden Jahr gestand er die sechs Morde und belastete zugleich zwei weitere Männer, die Essexer Geschäftsleute Terry Pinfold und Harry „Big H” MacKenney, als seine Komplizen bei mehreren der Taten. Im Dezember 1979 bekannte er sich vor dem Old Bailey selbst zu allen sechs Morden schuldig und erhielt sechs lebenslange Freiheitsstrafen ohne Aussicht auf vorzeitige Entlassung. In einem zweiten Prozess im Herbst 1980, in dem John Childs als Kronzeuge auftrat, wurden auch Terry Pinfold und Harry MacKenney verurteilt.
Der Zweifel: Pathologischer Lügner
2003 hob das Berufungsgericht unter Lord Woolf die Verurteilungen von Terry Pinfold und Harry MacKenney auf, nachdem die Criminal Cases Review Commission den Fall neu aufgerollt hatte. Ein forensischer Psychiater hatte bei John Childs eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert, die ihn zu zwanghaftem Lügen trieb, eine Information, die den ursprünglichen Geschworenen nie mitgeteilt worden war. Noch schwerer wog ein Dokument, das der Anklage fast ein Vierteljahrhundert lang vorenthalten geblieben war: Scotland Yard war demnach bereits 1976 zugetragen worden, dass Terence Eve, einer der angeblich von ihm Getöteten, zu diesem Zeitpunkt noch lebte und im Westen Londons wohnte. Ob dieser Hinweis zutraf oder selbst nur eine weitere Unwahrheit in einem Fall voller widersprüchlicher Aussagen war, ließ sich im Nachhinein nicht mehr klären. Fest steht nur, dass John Childs im Lauf der Ermittlungen mehrere unterschiedliche Motive für seine Taten anführte, von der Übernahme von Terence Eves Geschäften über die Beseitigung von Zeugen bis zu offenen Rechnungen und einer Affäre seiner Frau, ein Muster wechselnder Geschichten, das seine Glaubwürdigkeit insgesamt erschütterte.
Nachwirkungen
John Childs’ eigene sechs Verurteilungen blieben trotz der 2003 festgestellten Unzuverlässigkeit seiner Aussagen bestehen, da er sich seinerzeit selbst schuldig bekannt hatte. Er sitzt bis heute in britischer Haft. Der Fall gilt in Großbritannien als warnendes Beispiel dafür, wie gefährlich es ist, Verurteilungen allein auf die Aussage eines einzelnen, später als zwanghaften Lügner entlarvten Kronzeugen zu stützen, zumal ohne eine einzige der angeblich sechs Leichen je gefunden zu haben.