John Cannan
- Aktive Jahre
- 1986–1987
- Modus Operandi
- EntführungStumpfe GewaltVergewaltigung
Ein Autohändler mit Charme, Erfolg bei Frauen und einer Vorstrafe wegen Vergewaltigung wurde nur ein Jahr nach seiner Haftentlassung erneut zum Mörder, diesmal an einer jungen Bankangestellten, die er von einem Parkhaus in Bristol weg entführte. John Cannan bestritt die Tat bis zu seinem Tod im Gefängnis, ebenso wie seine mutmaßliche Verwicklung in eines der bekanntesten ungeklärten Verschwinden Großbritanniens, den Fall der Immobilienmaklerin Suzy Lamplugh.
Werdegang
John David Guise Cannan wurde am 20. Februar 1954 in Sutton Coldfield in der englischen Grafschaft Warwickshire geboren. Bereits als 14-Jähriger wurde er wegen unsittlicher Belästigung verwarnt. 1981 verurteilte ihn ein Gericht wegen Vergewaltigung und Raubes zu acht Jahren Haft, aus der er im Jahr vor seiner nächsten Tat entlassen wurde. Danach arbeitete er als Verkäufer bei einem Autohaus in Congresbury nahe Bristol und pflegte nach außen das Bild eines seriösen, erfolgreichen Geschäftsmanns.
Verdacht im Fall Suzy Lamplugh
Bereits am 28. Juli 1986, kurz nach seiner Haftentlassung, verschwand die 25-jährige Immobilienmaklerin Suzy Lamplugh in Fulham in London spurlos, nachdem sie zu einer Wohnungsbesichtigung bei einem Mann namens „Mr Kipper“ aufgebrochen war. Ihre Leiche wurde nie gefunden, 1994 erklärte man sie offiziell für tot. Erst Jahre später identifizierte die Metropolitan Police John Cannan öffentlich als Hauptverdächtigen, DNA-Spuren brachten die vermisste Frau mit einem Auto in Verbindung, das er zur damaligen Zeit besessen hatte. Zu einer Anklage reichte die Beweislage jedoch nie. Wenige Tage vor Suzy Lamplughs Verschwinden war in Bournemouth zudem die 27-jährige Versicherungsangestellte Sandra Court erwürgt aufgefunden worden, auch hier fiel der Verdacht später auf ihn, ohne dass es zu einer Verurteilung kam.
Der Mord an Shirley Banks
Am 8. Oktober 1987 verschwand die 29-jährige Textilfabrikmanagerin Shirley Banks aus einem Parkhaus in Bristol. Ein Ehepaar beobachtete zufällig, wie ein Mann in den Leigh Woods bei Bristol auf eine Frau einschlug, konnte den Vorfall der Polizei jedoch zunächst nicht genau zuordnen. John Cannan wurde wenig später bei einem Überfall auf eine Tankstelle in Leamington Spa festgenommen. In seiner Garage fand die Polizei das umlackierte Auto des Opfers, in seiner Wohnung ihren Fingerabdruck und in seinem Handschuhfach ihre Steuermarke. Im April 1988 entdeckten Ermittler die stark verweste Leiche in einer als Dead Woman’s Ditch bekannten Senke in den Quantock Hills, ein Gerichtsmediziner stellte fest, dass sie mit einem Stein wiederholt auf den Kopf geschlagen worden war.
Prozess und Urteil
Im April 1989 verurteilte das Exeter Crown Court ihn wegen Mordes, Vergewaltigung und versuchter Entführung zu drei lebenslangen Freiheitsstrafen mit einer Mindestverbüßung von 35 Jahren. Der Richter hielt ihm vor, hinter der äußeren Fassade verberge sich ein zutiefst böser, gewalttätiger Charakter.
Nachwirkungen
John Cannan blieb bis zu seinem Tod als Hochsicherheitshäftling im Gefängnis Full Sutton in Yorkshire inhaftiert und beteuerte durchgehend seine Unschuld an allen ihm zur Last gelegten Taten. Ein Bewährungsantrag wurde ihm zuletzt 2023 verweigert. Er starb am 6. November 2024 im Gefängnis an einem geplatzten Bauchaortenaneurysma, ohne je etwas zum Verschwinden von Suzy Lamplugh gesagt zu haben, das er nach eigener Aussage frühestens nach dem Tod seiner Mutter hätte gestehen wollen. Damit nahm er ein mögliches letztes Geständnis mit ins Grab, der Fall Suzy Lamplugh bleibt bis heute offiziell ungeklärt.