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John Bowden

genannt „Ginger"

Camberwell Green im Süden Londons, dem Stadtteil, in dem John Bowden 1980 Donald Ryan tötete
C Ford / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
1
Opfer
„Ginger"
frei
TotschlägerCamberwell , Großbritannien
Aktive Jahre
1980

Zweimal floh er aus der Haft, einmal blieb er anderthalb Jahre unentdeckt, ein anderes Mal endete seine Flucht in einer bewaffneten Belagerung auf einem schottischen Bauernhof. John Bowden verbüßte fast 40 Jahre für einen der grausamsten Raubmorde im London der frühen 1980er Jahre und wurde erst nach vier gescheiterten Bewährungsanhörungen entlassen, nicht weil er als gefährlich galt, sondern wegen seiner politischen Überzeugungen.

Die Tat

Am 10. November 1980 lockten John Bowden, genannt „Ginger”, und zwei Komplizen den 49 Jahre alten Parkwächter Donald Ryan unter einem Vorwand in eine Wohnung in der Coleby Path in Camberwell im Süden Londons. Dort schlugen sie ihn bewusstlos und warfen ihn in eine mit heißem Wasser gefüllte Badewanne. Anschließend zerstückelten sie den noch lebenden Mann mit einer Handsäge, einem elektrischen Tranchiermesser und einer Machete. Als Motiv galt Raub.

Festnahme und Prozess

Die Polizei nahm ihn bereits am Tag nach der Tat fest. 1982 verurteilte ihn das Old Bailey in London zu lebenslanger Haft mit einer Mindestverbüßungsdauer von 25 Jahren.

Flucht und Wiedergefangennahme

1992 gelang ihm während eines Hafturlaubs die Flucht, er blieb 18 Monate lang untergetaucht, bis ihn die Behörden wegen Sozialhilfebetrugs unter falschem Namen aufspürten. 2008 entkam er erneut, diesmal aus der offenen Vollzugsanstalt Noranside in Schottland, wo er gerade Vollzugslockerungen genoss. Die anschließende Fahndung endete einen Monat später mit einer bewaffneten Belagerung auf einem Bauernhof in der Nähe von Glasgow, bei der er festgenommen wurde.

Aktivismus und Freilassung

Über die Jahrzehnte seiner Haft entwickelte er sich zu einem bekannten Kritiker des britischen Strafvollzugs. Er schrieb regelmäßig über Missstände hinter Gittern und arbeitete mit Unterstützungsorganisationen wie der Anarchist Black Cross und der Revolutionary Communist Group zusammen. Nach eigener Aussage lehnte die Bewährungskommission seine Freilassung bei vier vorangegangenen Anhörungen nicht wegen seiner Gefährlichkeit ab, sondern wegen seiner politischen Haltung und seines dokumentierten Misstrauens gegenüber staatlichen Autoritäten. Erst am 20. Februar 2020 genehmigte ihm die Kommission nach 40 Jahren Haft die Entlassung, die offizielle Freilassung erfolgte am 13. März 2020.

Nachwirkungen

In seiner Abschlusserklärung nach der Freilassung schrieb er, er verlasse das Gefängnis ungebrochen, seine politische Integrität kompromisslos und unnachgiebig, und dankte allen, die ihn während seiner Haftzeit unterstützt hatten. Sein Fall gilt in Großbritannien bis heute als Beispiel für die Debatte, wie stark politische Überzeugungen von Gefangenen deren Aussicht auf Entlassung beeinflussen dürfen.