John Bellingham
- Aktive Jahre
- 1812
- Modus Operandi
- Erschießen
Am 11. Mai 1812 betritt ein Mann die Lobby des britischen Unterhauses, wartet geduldig, bis der Premierminister erscheint, zieht eine Pistole und schießt ihm direkt in die Brust. Anschließend setzt er sich ruhig auf eine Bank und lässt sich widerstandslos festnehmen. John Bellingham bleibt bis heute die einzige Person, der die Ermordung eines amtierenden britischen Regierungschefs gelang, ein Attentat, das aus einer jahrelangen, immer verbitterteren Geschichte persönlicher Kränkung entstand.
Werdegang
Er wurde um 1769 in St Neots in der Grafschaft Huntingdonshire geboren. Mit 14 Jahren begann er eine Lehre bei einem Juwelier, später heuerte er als Schiffsoffizier an und arbeitete als Kontorist sowie als Handelsmakler, bevor er sich 1802 in Liverpool niederließ und ein Jahr darauf Mary Neville heiratete. Um 1800 führten ihn geschäftliche Verpflichtungen als Handelsvertreter ins russische Archangelsk.
Die Jahre in russischer Haft
Dort geriet er 1804 in einen Rechtsstreit um die verlorene Ladung eines Schiffes namens Soleure. Russische Behörden entzogen ihm den Reisepass und internierten ihn zunächst ein Jahr lang, später erneut bis Oktober 1808. Erst nach wiederholten Petitionen an den Zaren kam er frei und kehrte im Dezember 1809 nach England zurück, überzeugt, ein Opfer von Behördenwillkür geworden zu sein. Seine Forderungen nach Entschädigung wies die britische Regierung wiederholt ab, was seinen Groll über die Jahre zu offenem Hass anwachsen ließ.
Das Attentat
Am 20. April 1812 kaufte er zwei Pistolen. Drei Wochen später, am 11. Mai, wartete er in der Lobby des House of Commons auf Premierminister Spencer Perceval und schoss ihm aus kurzer Distanz in die Brust. Der Premierminister starb noch am Tatort, es war das erste und bis heute einzige erfolgreiche Attentat auf einen amtierenden britischen Regierungschef.
Prozess und Hinrichtung
Bereits am 15. Mai 1812 stand er vor dem Old Bailey. Er rechtfertigte die Tat als gerechte Antwort auf das erlittene Unrecht, ein Plädoyer auf Unzurechnungsfähigkeit ließ der Richter nicht zu. Die Geschworenen benötigten nur 14 Minuten, um ihn für schuldig zu befinden. Drei Tage später, am 18. Mai 1812, wurde er um acht Uhr morgens durch den Henker William Brunskill gehängt, sein Leichnam anschließend zur anatomischen Sektion freigegeben.
Nachwirkungen
Trotz der öffentlichen Empörung über den Mord an einem Premierminister sammelte eine Spendenaktion für seine Witwe und seine Kinder eine beachtliche Summe, die ihnen laut zeitgenössischen Berichten ein finanziell deutlich sichereres Leben ermöglichte, als die Familie es zuvor gekannt hatte. Der Fall bleibt in der britischen Geschichte ein Sonderfall: Bis heute gilt Spencer Perceval als der einzige britische Premierminister, der im Amt ermordet wurde. Mehr zum Premierminister selbst und den Nachwirkungen des Attentats in der eigenen Schlagzeile: Attentat auf Spencer Perceval.