← Zum Verzeichnis

John Allen Muhammad

genannt „Washington-Sniper"

John Allen Muhammad während seiner Zeit bei der US Army
United States Army, via Wikimedia Commons · Public Domain (US-Bundesbehörde)
17
Opfer
„Washington-Sniper"
hingerichtet
AmokläuferWashington , USA
Aktive Jahre
2002
Modus Operandi
ErschießenKomplizen

John Allen Muhammad, ein Golfkriegsveteran, erschoss 2002 gemeinsam mit dem damals 17 Jahre alten Lee Boyd Malvo, den er als jugendlichen Begleiter unter seine Kontrolle gebracht hatte, als sogenannte „Washington-Sniper” mit einem präparierten Fahrzeug mindestens zehn Menschen im Großraum Washington D.C. Bereits zuvor waren beide auf einer landesweiten Fahrt durch mehrere Bundesstaaten für weitere Schüsse verantwortlich, sodass Malvo später ein Geständnis zu insgesamt 17 Morden ablegte. John Allen Muhammad wurde 2009 durch die Giftspritze hingerichtet.

Werdegang

Er wurde 1960 geboren und diente von 1985 bis 1994 in der US Army, unter anderem während des Golfkriegs 1991, wo er als Scharfschütze am Gewehr M-16 ausgebildet wurde. Er konvertierte in dieser Zeit zum Islam. Nach mehreren gescheiterten Ehen, zuletzt mit Mildred Muhammad, von der er entfremdet lebte, lernte er 1999 auf Antigua den damals rund 14-jährigen Lee Boyd Malvo kennen, dessen Mutter er zeitweise ebenfalls kannte. Er nahm den Jugendlichen bei sich auf und übte in den folgenden Jahren zunehmend Kontrolle über ihn aus, ihm wurde später vorgeworfen, Lee systematisch zu einem gefügigen Werkzeug herangezogen zu haben.

Kriminelle Aktivitäten

Zwischen Februar und Oktober 2002 erschossen die beiden auf einer Fahrt durch mehrere US-Bundesstaaten wiederholt Menschen bei alltäglichen Verrichtungen wie dem Tanken oder Einkaufen, unter anderem in Washington, Arizona, Louisiana, Georgia und Alabama. Ihr eigens präpariertes Fahrzeug, ein dunkelblauer Chevrolet Caprice, verfügte über eine verdeckte Schussöffnung im Kofferraum, durch die der Schütze unbemerkt feuern konnte. Den Höhepunkt bildete eine dreiwöchige Serie von Schüssen zwischen dem 2. und 22. Oktober 2002 im Großraum Washington D.C., bei der zehn Menschen starben und mehrere weitere verletzt wurden. Als Motiv versuchte er, vom Staat zehn Millionen US-Dollar zu erpressen. Laut Lees späterer Zeugenaussage plante er ein mehrstufiges Vorhaben, das nach der Erpressung die Anwerbung weiterer Jugendlicher für landesweite koordinierte Anschläge vorsah.

Namentlich bekannte Todesopfer der Oktober-Schussserie in der Region Washington D.C. (chronologisch):

  1. James Martin (55), erschossen am 2. Oktober 2002 in Wheaton, Maryland
  2. James L. Buchanan (39), erschossen am 3. Oktober 2002 in Rockville, Maryland
  3. Prem Kumar Walekar (54), erschossen am 3. Oktober 2002 in Aspen Hill, Maryland
  4. Sarah Ramos (34), erschossen am 3. Oktober 2002 in Norbeck, Maryland
  5. Lori Ann Lewis-Rivera (25), erschossen am 3. Oktober 2002 in Kensington, Maryland
  6. Pascal Charlot (72), erschossen am 3. Oktober 2002 in Washington, D.C.
  7. Dean Harold Meyers (53), erschossen am 9. Oktober 2002 in Prince William County, Virginia
  8. Kenneth Bridges (53), erschossen am 11. Oktober 2002 in Spotsylvania County, Virginia
  9. Linda Franklin (47), erschossen am 14. Oktober 2002 in Fairfax County, Virginia
  10. Conrad Johnson (35), erschossen am 22. Oktober 2002 in Aspen Hill, Maryland

Bereits zwischen Februar und September 2002 waren nach heutigem Kenntnisstand mindestens fünf weitere Menschen den beiden zum Opfer gefallen, darunter Keenya Nicole Cook (21) in Tacoma, Washington, sowie Opfer in Arizona, Louisiana, Georgia und Alabama.

Ermittlung und Festnahme

Ballistische Untersuchungen verbanden die Tatorte bereits ab dem 4. Oktober 2002 miteinander. Den entscheidenden Hinweis lieferte am 17. Oktober 2002 ein Fingerabdruck von Lee Boyd Malvo, der von einem Tatort in Alabama mit einem Abdruck von einer Schule in Maryland übereinstimmte. Nachdem die Ermittler ihre öffentliche Fahndung von einem weißen Lieferwagen auf einen dunkelblauen Chevrolet Caprice mit Kennzeichen aus New Jersey umgestellt hatten, entdeckte in der Nacht zum 24. Oktober 2002 ein Mechaniker das Fahrzeug an einem Rastplatz nahe Myersville, Maryland, und alarmierte die Polizei. Um 3:19 Uhr wurden die beiden Männer festgenommen, im Fahrzeug fanden Ermittler ein gestohlenes Gewehr vom Typ Bushmaster im Kaliber .223.

Prozess

In Virginia wurde er 2003 des Mordes und diverser Waffendelikte für schuldig befunden und erhielt die Todesstrafe. In einem Prozess in Maryland 2006 sagte Lee Boyd Malvo ausführlich gegen ihn aus und schilderte die Planung der Taten, woraufhin John Allen Muhammad in sechs weiteren Fällen für schuldig befunden und zu sechs zusätzlichen lebenslangen Haftstrafen verurteilt wurde.

Hinrichtung

John Allen Muhammad wurde am 10. November 2009 im Greensville Correctional Center in Virginia durch eine tödliche Injektion hingerichtet.

Nachwirkungen

Die Angehörigen der Opfer verklagten zivilrechtlich sowohl den Waffenhändler, bei dem das Tatgewehr gestohlen worden war, als auch den Hersteller Bushmaster Firearms, der Fall wurde 2005 außergerichtlich verglichen. In Wheaton und Rockville, Maryland, wurden Gedenkstätten für die Opfer errichtet. Zum Tathergang selbst siehe die Schlagzeile Washington-Sniper: Drei Wochen Angst im Großraum Washington D.C..