← Zum Verzeichnis

John Alexander Dickman

Der Bahnhof Newcastle Central Station, Ausgangspunkt der Zugfahrt, auf der John Innes Nisbet ermordet wurde
Wikimedia Commons / gemeinfrei (Illustration von 1915) · Public Domain
1
Opfer
hingerichtet
TotschlägerNewcastle upon Tyne , Großbritannien
Aktive Jahre
1910
Modus Operandi
Erschießen

Kein Fingerabdruck, keine Tatwaffe, kein einziger gestohlener Geldschein, der je wieder auftauchte. Und trotzdem endete der Fall John Alexander Dickman 1910 am Galgen, allein aufgrund von Indizien und der Aussage zweier Zeugen. Bis heute streiten Historiker, ob damit der Richtige gehängt wurde.

Werdegang

John Alexander Dickman wurde am 17. Mai 1864 in Newcastle upon Tyne geboren. Er arbeitete zunächst als Sekretär einer Zechengesellschaft, bevor er sich als Buchmacher und Kommissionsagent selbstständig machte, ein Geschäft, das ihn zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten brachte. Im März 1910 war sein Bankkonto überzogen, und auch das Konto seiner Frau Annie, das im Oktober 1907 noch 73 Pfund enthalten hatte, war fast leer.

Die Tat

Am 18. März 1910 saß John Innes Nisbet, ein 44 Jahre alter Lohnbuchhalter der Stobswood-Zeche, mit einer Ledertasche voller Lohngelder in Höhe von 370 Pfund im Zug von Newcastle in Richtung Alnmouth. Zwei Zeugen, Hall und Spinks, sagten später aus, sie hätten beobachtet, wie der spätere Angeklagte gemeinsam mit John Innes Nisbet in dasselbe Abteil gestiegen sei. Irgendwo auf der Strecke wurde das Opfer aus nächster Nähe fünfmal in den Kopf geschossen, die Leiche unter einem Sitz versteckt. Die Tasche mit dem Geld war verschwunden und blieb es für immer.

Ermittlung und Festnahme

Drei Tage nach der Tat nahm die Polizei ihn fest. Belastend wirkten Blutflecken auf seiner Kleidung sowie ein Burberry-Mantel, der offenkundig mit Paraffin gereinigt worden war, eine damals gängige Methode, um Blutspuren zu entfernen. Zudem hatte er im Oktober 1909 eine Pistole erworben. Eine Tatwaffe fand sich jedoch nie, ebenso wenig wie eine direkte Verbindung zwischen ihm und dem gestohlenen Geld.

Prozess

Der Prozess eröffnete am 4. Juli 1910 vor Mr Justice Coleridge an den Newcastle Assizes. Die Anklage stützte sich fast ausschließlich auf Indizien und die Beobachtung der beiden Zeugen, dass der Angeklagte und das Opfer gemeinsam das Abteil betreten hätten. Am 6. Juli 1910 sprachen die Geschworenen ihn dennoch des Mordes schuldig. Seine Berufung wurde abgewiesen, und auch der damalige Innenminister Winston Churchill lehnte eine Begnadigung ab.

Hinrichtung und bleibende Zweifel

John Alexander Dickman wurde am 10. August 1910 im Newcastle Gaol gehängt. Sein eigener Bruder William blieb bis zuletzt von seiner Schuld überzeugt, doch zahlreiche Beobachter hielten die Beweislage für zu dünn für ein Todesurteil. Spätere Untersuchungen des Falls warfen sogar die Frage auf, ob nicht die beiden Hauptzeugen selbst als Täter infrage kämen. Bis heute gilt der Fall John Alexander Dickman als eines der bekanntesten Beispiele für einen möglichen Justizirrtum im britischen Indizienprozess der Belle Époque.

Mehr zum Fall

Werbung · Affiliate-Links