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Johann Nelböck

Hauptgebäude der Universität Wien, Tatort des Mordes an Moritz Schlick 1936
Ian Ehm, via Wikimedia Commons · CC BY 4.0
1
Opfer
verstorben
TotschlägerWien , Österreich
Aktive Jahre
1936
Modus Operandi
Erschießen

Johann Nelböck wurde am 12. Mai 1903 geboren und starb am 3. Februar 1954. Am 22. Juni 1936 erschoss er auf der Feststiege der Universität Wien seinen ehemaligen Doktorvater, den Philosophen Moritz Schlick, Begründer des einflussreichen Wiener Kreises. Die nationalsozialistische Presse feierte die Tat später als Akt gegen vermeintlich „jüdische“ Philosophie, obwohl der Philosoph selbst weder jüdischer Herkunft noch das eigentliche Motiv des Täters politisch war.

Werdegang

Er hatte ab 1925 an der Universität Wien Philosophie bei Moritz Schlick studiert und 1931 unter dessen Betreuung promoviert. In den Jahren danach entwickelte er eine zunehmend wahnhafte fixe Idee gegenüber seinem früheren Lehrer. Zweimal wurde er wegen Drohungen gegen ihn in psychiatrische Behandlung eingewiesen. Nach eigenen, widersprüchlichen Angaben soll eine unerwiderte Zuneigung zu einer Kommilitonin namens Sylvia Borowicka dabei eine Rolle gespielt haben, in deren Folge er einen paranoiden Groll gegen seinen vermeintlichen Rivalen entwickelte.

Die Tat

Am Morgen des 22. Juni 1936 lauerte er seinem früheren Lehrer auf der zentralen Treppe des Hauptgebäudes auf, wo dieser auf dem Weg zu einer Vorlesung war, und schoss viermal mit einer Pistole des Kalibers 6,35 Millimeter auf ihn. Moritz Schlick starb noch am Tatort, der Täter wurde noch am selben Tag festgenommen.

Prozess und weiterer Lebensweg

Am 26. Mai 1937 wurde er zu zehn Jahren Haft verurteilt. Bereits zwei Jahre später, nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland 1938, wurde er auf eigenes Ersuchen begnadigt und aus der Haft entlassen. Anschließend trat er der österreichischen NSDAP bei.

Nachwirkungen

Der Mord beraubte den Wiener Kreis seiner Leitfigur und beschleunigte dessen Zerfall, viele seiner Mitglieder waren ohnehin bereits vor dem heraufziehenden Nationalsozialismus ins Exil geflohen. Die Instrumentalisierung der Tat durch die NS-Propaganda gilt heute als frühes Beispiel dafür, wie ein persönlich motiviertes Verbrechen nachträglich ideologisch umgedeutet werden kann. Er starb 1954, ohne dass über seine letzten Lebensjahre viel bekannt wurde. Ein Porträt des ermordeten Philosophen findet sich in der Schlagzeile Mord an Moritz Schlick: Wiener Kreis verliert seinen Kopf.

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