Johann Eichhorn
- Aktive Jahre
- 1931–1938
- Modus Operandi
- ErwürgenErschießenVergewaltigung
Ein Polizeiaufruf von 1939 zeigte einen verdächtigen Radfahrer und Gegenstände aus einer jahrelang ungeklärten Mordserie. Das Historische Lexikon Bayerns veröffentlicht das Dokument und nennt die zugehörigen Akten im Staatsarchiv München. Nach einem gescheiterten weiteren Angriff gestand Johann Eichhorn fünf Tötungen. Das Sondergericht München wertete vier davon als Mord und die erste Tat als Sexualverbrechen mit Todesfolge.
Werdegang
Johann wurde am 8. Oktober 1906 in Aubing als ältestes von acht Kindern eines Hilfsarbeiterehepaars geboren. Nach der Volksschule lernte er Schlosser. 1934 erhielt er eine feste Stelle als Rangierer bei der Reichsbahn. Seine Nachbarn kannten ihn als ordentlichen Mann, später auch als Ehemann und Vater.
Die ersten bekannten Übergriffe reichen weiter zurück. Im Sommer 1928 versuchte Johann, zwei Frauen zu vergewaltigen. Ab 1931 missbrauchte er nach seinem späteren Geständnis auch seine Schwestern. Im selben Jahr begann die Mordserie, bei der er Frauen auf ihren Wegen durch München und das Umland angriff.
Taten
Am 11. Oktober 1931 lernte Johann auf dem Münchner Oktoberfest die 16-jährige Katharina Schätzl kennen. Er begleitete sie auf dem Heimweg, riss die Jugendliche während der gemeinsamen Radfahrt vom Fahrrad, vergewaltigte und erwürgte sie. Anschließend versenkte er die Leiche in der Isar.
Am 30. Mai 1934 überfiel er im Forstenrieder Park die 26-jährige Anna Geltl. Er stieß sie vom Fahrrad, erschoss sie, versuchte sie zu vergewaltigen und verscharrte die Leiche in einer zuvor ausgehobenen Grube. In der Nacht zum 9. September 1934 griff er auf der Lerchenauer Straße die Kontoristin Berta Sauerbeck an. Johann riss sie ebenfalls vom Fahrrad, schoss ihr in den Kopf und versuchte, sie zu vergewaltigen. Dann warf er die schwer verletzte Frau in eine Müllgrube und bedeckte sie mit Abfall. Sie lebte zu diesem Zeitpunkt noch und starb in der Grube.
Auch in den folgenden Jahren wiederholten sich wesentliche Teile dieses Vorgehens. Kurz vor seiner Hochzeit im Dezember 1937 griff Johann die 25-jährige Näherin Rosa Eigelein auf einem Feld zwischen Germering und Puchheim an. Er riss sie vom Fahrrad und versuchte, sie zu vergewaltigen. Als sie sich wehrte, erschoss er sie und ließ die Leiche am Tatort zurück. Am 29. September 1938 ermordete er die 23-jährige Hausangestellte Maria Jörg im Forstenrieder Park nach einem ähnlichen Muster.
Damit standen fünf Morde fest. Daneben brachten die Akten Johann mit einer großen Zahl von Vergewaltigungen und Überfällen in Verbindung. Das Sondergericht München verurteilte ihn später auch wegen 90 Vergewaltigungen. Weitergehende Einzelheiten, darunter der Missbrauch seiner Schwestern, beruhen teilweise auf seinen Aussagen während der Vernehmungen und müssen entsprechend eingeordnet werden.
Ermittlung und Festnahme
Jahrelang gelang es der Polizei nicht, die einzelnen Verbrechen einem Täter zuzuordnen. Ein Aufruf der Kriminalpolizei aus dem Jahr 1939 dokumentiert die Suche nach einem verdächtigen Radfahrer und nach Gegenständen, die am Tatort aufgefallen waren. Den entscheidenden Zugriff brachte jedoch ein weiterer Angriff.
Am 29. Januar 1939 versuchte Johann, ein Mädchen zu überfallen. Passanten kamen hinzu, stellten ihn und beendeten damit die Tatserie. Während der anschließenden Untersuchungshaft gestand er in mehrmonatigen Vernehmungen nach und nach die fünf Morde sowie zahlreiche weitere Übergriffe.
Prozess und Hinrichtung
Vor dem Sondergericht München musste sich Johann für die fünf Tötungen und die Sexualverbrechen verantworten. Das Gericht verurteilte ihn wegen vierfachen Mordes und zahlreicher Vergewaltigungen zum Tode. Katharina Schätzls Tötung bewertete es als Sexualverbrechen mit Todesfolge. Am 1. Dezember 1939 wurde Johann Eichhorn im Gefängnis München-Stadelheim mit dem Fallbeil hingerichtet. Er war 33 Jahre alt.
Quellenlage und Nachwirkungen
Der Fall ist nicht nur durch spätere Kriminalchroniken überliefert. Im Staatsarchiv München liegen Akten der Staatsanwaltschaft, der Polizeidirektion und des Gefängnisses, darunter der Fahndungsaufruf von 1939. Diese Überlieferung macht sowohl das wiederkehrende Vorgehen als auch den Kontrast zu Johanns unauffälligem Alltag nachvollziehbar.
Die Akten verlangen dennoch eine genaue Unterscheidung. Gerichtlich festgestellt wurden vier Morde sowie Katharina Schätzls Tod als Folge eines Sexualverbrechens. Wo weitere Angaben ausschließlich aus Johanns Geständnissen oder aus polizeilichen Ermittlungen stammen, sind sie nicht mit zusätzlichen Verurteilungen gleichzusetzen. Diese fünf gerichtlich bewerteten Tötungen bleiben der gesicherte Kern des Falls.