Joachim Kroll
- Aktive Jahre
- 1955–1976
- Modus Operandi
- VergewaltigungErwürgenZerstückelungKannibalismus
Joachim Kroll vergewaltigte, tötete und verzehrte teilweise Teile seiner Opfer zwischen 1955 und 1976 in Duisburg und im Ruhrgebiet, wofür ihn die Presse „Ruhrkannibale” nannte. Er schrieb sich am Ende 14 Morde zu, gerichtlich verurteilt wurde er wegen acht Fällen sowie eines versuchten Mordes. Gleich drei unschuldige Männer wurden im Lauf der Ermittlungen fälschlich verdächtigt, einer davon starb in der Haft, ein anderer nahm sich nach falscher Beschuldigung das Leben.
Werdegang
Er wurde am 17. April 1933 in Hindenburg in Oberschlesien als sechstes von neun Kindern eines Bergmanns geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog die Familie nach Nordrhein-Westfalen. Er hatte einen gemessenen Intelligenzquotienten von nur 76 und schloss lediglich eine Sonderschule ab. In einer Metzgerei lernte er das Schlachten von Tieren kennen, wobei er nach eigenen späteren Angaben sexuelle Erregung empfand, zudem praktizierte er Sodomie. Nach dem Tod seiner Mutter 1955 verlor er nach eigenen Angaben jede Hemmung, auch Menschen zu töten. Ab etwa 1960 arbeitete er als Toilettenwärter bei Mannesmann, später bei Thyssen im Duisburger Stadtteil Laar.
Kriminelle Aktivitäten
Zwischen dem 8. Februar 1955 und dem 3. Juli 1976 schrieb er sich in seinen Vernehmungen 14 Tötungen zu, überwiegend an Mädchen und jungen Frauen, außerdem an einem Mann. Das Duisburger Schwurgericht konnte ihm davon acht Morde und einen Mordversuch nachweisen. Er überraschte seine Opfer, würgte sie häufig und schnitt bei mehreren Leichen Fleischstücke heraus. Zwischen den einzelnen Taten lagen teils mehrere Jahre, was seine Enttarnung über Jahrzehnte verhinderte.
In seinen Vernehmungen zugeordnete Opfer (chronologisch):
- Irmgard Strehl (19), vergewaltigt und erstochen am 8. Februar 1955 in Lüdinghausen
- Erika Schuletter (12), vergewaltigt und erwürgt am 3. März 1956 bei Kirchhellen/Bottrop
- Klara Frieda Tesmer (24), getötet am 16. Juni 1959 an den Rheinwiesen bei Rheinhausen
- Manuela Knodt (16), vergewaltigt, erwürgt und teilweise verspeist am 26. Juli 1959 im Essener Stadtwald
- Petra Giese (13), vergewaltigt und erwürgt am 23. April 1962 in Dinslaken-Bruckhausen
- Monika Tafel (12), getötet am 4. Juni 1962 in Walsum
- Barbara Bruder (12), entführt am 3. September 1962 in Burscheid, Leiche nie gefunden
- Hermann Schmitz (25), getötet am 22. August 1965 in Duisburg-Großenbaum, einziges männliches Opfer
- Ursula Rohling (20), erwürgt am 13. September 1966 im Försterbusch-Park in Marl
- Ilona Harke (5), vergewaltigt und ertränkt am 22. Dezember 1966 in Wuppertal
- Maria Hettgen (61), vergewaltigt und erwürgt am 12. Juli 1969 in Hückeswagen
- Jutta Rahn (13), erwürgt am 21. Mai 1970 nahe einem Bahnhof
- Karin Toepfer (10), vergewaltigt und erwürgt am 8. Mai 1976 in Voerde
- Marion Ketter (4), getötet am 3. Juli 1976 in Duisburg
Im Zuge der Ermittlungen wurden mehrfach Unschuldige verdächtigt. Der Mechaniker Heinrich Ott kam wegen des Todes von Klara Tesmer in Untersuchungshaft und starb dort. Vinzenz Kühn wurde wegen des Mordes an Petra Giese verurteilt. Walter Quicker geriet im Fall Monika Tafel unter Verdacht und nahm sich später das Leben, ebenso Adolf Schickel nach der Beschuldigung im Fall Ursula Rohling.
Ermittlung und Festnahme
Am 3. Juli 1976 meldete eine Nachbarin eine verstopfte Abflussleitung im Haus, in dem er wohnte. Auf die Frage, was den Abfluss verstopfe, antwortete er lediglich „Gedärme”. Die Polizei fand daraufhin die zerstückelte Leiche der vierjährigen Marion Ketter, Teile davon lagen im Kühlschrank, eine Hand kochte in einem Topf, weitere Eingeweide steckten im Abflussrohr. Er wurde noch am selben Tag festgenommen und gestand rasch die Tat sowie 13 weitere Morde und einen versuchten Mord.
Prozess
Nach einem 151 Tage dauernden Prozess wurde er im April 1982 wegen acht Fällen von Mord sowie eines versuchten Mordes zu neun lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Er hatte gehofft, wegen seiner „Tötungstriebe” psychiatrisch behandelt und irgendwann entlassen zu werden.
Nachwirkungen
Er starb am 1. Juli 1991 im Alter von 58 Jahren an einem Herzinfarkt im Gefängnis von Rheinbach. Der Fall gilt bis heute als eines der eindrücklichsten Beispiele dafür, wie mehrfache Fehlurteile gegen Unschuldige eine tatsächliche Serienmordserie über Jahrzehnte verschleiern können.
Dieser Fall zählt zu den in der Story Die schlimmsten Verbrecher Deutschlands versammelten Verbrechen.