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Jean-Louis Turquin

Blick über die Dächer der Altstadt von Nizza mit der Kuppel der Kathedrale Sainte-Réparate
Wikimedia Commons / Baptiste Rossi · Public Domain
1
Opfer
verstorben
TotschlägerNizza , Frankreich
Aktive Jahre
1991
Modus Operandi
Erwürgen

Jean-Louis Turquin war ein Tierarzt, der 1991 im Alter von 41 Jahren in Nizza wegen des Verschwindens seines achtjährigen Sohnes Charles-Édouard unter Verdacht geriet und 1997 wegen dessen Ermordung verurteilt wurde, obwohl nie eine Leiche gefunden wurde. Der Fall zählt zu den bekanntesten ungeklärten Kriminalfällen Frankreichs und endete 2017 mit dem gewaltsamen Tod des Verurteilten selbst.

Werdegang

Jean-Louis hatte seine Frau Michèle Balanger während des Studiums an der Tierärztlichen Hochschule kennengelernt. Das Paar führte nach eigenen späteren Aussagen eine seit Jahren zerrüttete Ehe. Im Januar 1991 ließ Jean-Louis heimlich einen Vaterschaftstest durchführen und erfuhr, dass er nicht der leibliche Vater von Charles-Édouard war, tatsächlicher Vater war ein Bekannter der Familie namens Moïse Ber Edelstein. Im Februar 1991 eskalierte ein Streit, bei dem er Michèle mit Tränengas attackierte, woraufhin sie das gemeinsame Anwesen, die „Bastide haute” oberhalb von Nizza, verließ und den Sohn bei ihm zurückließ.

Das Verschwinden

Am 21. März 1991 meldete Jean-Louis der Polizei, sein Sohn sei in der Nacht spurlos verschwunden. Den Ermittlern fiel auf, dass keinerlei persönliche Gegenstände des Jungen fehlten und eine Fährtenspur der Polizeihunde nur bis zur Haustür des Anwesens führte, nicht darüber hinaus.

Das Tonband-Geständnis

Michèle arbeitete in der Folge mit den Ermittlern zusammen und zeichnete Telefongespräche mit ihrem Mann heimlich auf. Am 27. April 1991 gestand er ihr demnach, den Sohn im Bergdorf Lucéram getötet und dort vergraben zu haben. In einer weiteren, am 6. Mai 1991 aufgezeichneten Aussage soll er auf die Frage, warum er ihn erwürgt statt erstochen habe, geantwortet haben: „Wenn ich ein Messer genommen hätte, wäre überall Blut gewesen.” Am 13. Mai 1991 wurde er festgenommen, im Februar 1992 aber bis zum Prozess wieder freigelassen.

Prozess und anhaltende Zweifel

Der Prozess fand erst 1997 statt. Die Verteidigung, angeführt unter anderem vom damaligen Bürgermeister von Nizza, konnte die verheerende Wirkung der aufgezeichneten Geständnisse auf die Geschworenen nicht mehr entkräften. Am 20. bzw. 21. März 1997 verurteilte man Jean-Louis zu 20 Jahren Haft, weniger als der von der Anklage geforderten lebenslangen Strafe. Gutachter bezweifelten später die Beweiskraft der Tonbandaufnahmen, und 1999 stellte er selbst einen Wiederaufnahmeantrag, gestützt auf die Behauptung, sein Sohn lebe unter neuer Identität in einer israelischen Rabbinerschule. Der Antrag wurde 2001 abgelehnt. 2003 belastete ihn zusätzlich die Aussage eines Mitgefangenen, wonach ein anderer Häftling gestanden habe, den Jungen versehentlich mit dem Auto überfahren und die Leiche in einer Zementfabrik verbrannt zu haben, eine Spur, die als unglaubwürdig eingestuft wurde.

Nachwirkungen

Am 18. Juli 2006 kam Jean-Louis nach etwa 15 Jahren Haft frei und kehrte in seinen Beruf als Tierarzt zurück. Charles-Édouards Leiche wurde nie gefunden, seine Mutter Michèle starb 2014, ohne den Tod ihres Sohnes je offiziell anerkennen zu lassen. Am 7. Januar 2017 wurde Jean-Louis selbst in seinem Haus auf der Insel Saint-Martin durch einen Kopfschuss getötet. Seine zweite Ehefrau Nadine wurde zunächst des Mordes beschuldigt, 2020 aber freigesprochen, sodass auch sein eigener Tod bis heute ungeklärt bleibt.