James Hackman
- Aktive Jahre
- 1779
- Modus Operandi
- Erschießen
Ein junger Priester der Church of England wartet im April 1779 vor einem Theater am Covent Garden, zwei geladene Pistolen unter dem Mantel. Als die Frau, die ihn zuvor mehrfach abgewiesen hat, aus der Vorstellung tritt, zerrt er sie am Kleid herum und drückt ihr eine Pistole an die Stirn. James Hackman, getauft am 13. Dezember 1752, wurde nur zwölf Tage nach der Tat selbst hingerichtet, wegen des Mordes an Martha Ray, der langjährigen Mätresse eines der mächtigsten Männer Englands.
Werdegang
James begann seine Laufbahn nicht als Geistlicher, sondern als Soldat. 1772 erhielt er eine Offiziersstelle als Ensign im 68th Regiment of Foot, 1776 wurde er zum Leutnant befördert. Um 1775 lernte er bei einem Besuch am Landsitz von John Montagu, dem 4. Earl of Sandwich, die Sängerin Martha Ray kennen. Sie war seit Jahren die Mätresse des Earls und hatte mit ihm neun Kinder, ohne dass beide je heirateten. Zwischen den beiden entwickelte sich eine Zuneigung, die durch seine Versetzung nach Irland abrupt endete.
Anfang 1777 verließ er die Armee, um Geistlicher zu werden, ein für einen Mann seines Standes gängiger Karrierewechsel. Am 24. Februar 1779 wurde James zum Diakon, vier Tage später zum Priester geweiht. Am 1. März 1779, nur fünf Wochen vor der Tat, übernahm er die Pfarrstelle von Wiveton in Norfolk. In dieser Zeit hielt er mehrfach um Marthas Hand an, wurde aber jedes Mal zurückgewiesen.
Die Tat
Am Abend des 7. April 1779 besuchte Martha gemeinsam mit ihrer Freundin Caterina Galli eine Aufführung der Oper „Love in a Village” im Covent Garden Theatre. James erschien ebenfalls, sah sie jedoch in Begleitung von William Hanger, Lord Coleraine, und vermutete, sie habe einen neuen Liebhaber gefunden. Er verließ das Theater, holte zwei Pistolen und wartete im nahen Bedford Coffee House.
Als Martha nach der Vorstellung zu ihrer Kutsche ging, trat er auf sie zu, packte sie am Kleid und schoss ihr aus nächster Nähe in den Kopf. Sie starb auf der Stelle. Mit der zweiten Pistole versuchte er, sich selbst zu töten, verletzte sich dabei aber nur oberflächlich, woraufhin er sich mit beiden entladenen Waffen so lange auf den Kopf schlug, bis Umstehende ihn überwältigten. Man brachte ihn zusammen mit ihrer Leiche in eine nahe gelegene Taverne, wo er noch am selben Abend festgenommen wurde.
Prozess und Hinrichtung
Der Prozess fand bereits am 16. April 1779 vor dem Old Bailey statt, unter dem Vorsitz von Richter William Blackstone. Obwohl James zunächst erwogen hatte, sich schuldig zu bekennen, plädierte er vor Gericht auf nicht schuldig. Seine Verteidigung berief sich auf einen Anfall von Wahnsinn, er habe in einem Moment „momentaner Raserei” gehandelt, der nie seiner wahren Absicht entsprochen habe.
Die Anklage entkräftete dieses Argument mit einem Brief, den er kurz vor der Tat an seinen Schwager Frederick Booth geschrieben hatte und der seine eigene Todesabsicht bereits andeutete, ein Beleg für „coolness and deliberation”, also kühle Berechnung statt eines plötzlichen Ausbruchs. Die Geschworenen sprachen ihn des Mordes schuldig, das Gericht verurteilte ihn zum Tode durch den Strang.
Nur drei Tage später, am 19. April 1779, wurde er in Tyburn gehängt. Augenzeugen beschrieben, er habe sich mit großer Fassung gezeigt, ohne erkennbare Angst, aber mit deutlichen Zeichen von Reue. Sein Leichnam wurde anschließend zur öffentlichen Sektion in die Surgeons’ Hall gebracht, wie es bei Mördern zu dieser Zeit üblich war.
Nachwirkungen
Der Mord an Martha Ray erschütterte das Londoner Gesellschaftsleben, nicht zuletzt, weil ihr Liebhaber, der Earl of Sandwich, zu dieser Zeit als Erster Lord der Admiralität eines der höchsten Staatsämter bekleidete. Schriftsteller wie Samuel Johnson und James Boswell diskutierten öffentlich über die Beweggründe des Täters, und bereits 1780 erschien mit „Love and Madness” von Herbert Croft ein Briefroman, der den Fall literarisch verarbeitete und James Hackman auffällig wohlwollend zeichnete. Der Fall gilt bis heute als eines der bekanntesten Beispiele eines aus unerwiderter Liebe begangenen Mordes im England des 18. Jahrhunderts.