James Corbitt
- Aktive Jahre
- 1950
- Modus Operandi
- Erwürgen
Zwei Männer, ein Klavier, immer dieselbe Kneipe: James Corbitt und der Wirt sangen jahrelang gemeinsam Lieder wie „Danny Boy” und nannten sich gegenseitig „Tish” und „Tosh”. Dass der joviale Wirt hauptberuflich Englands aktivster Henker war, wusste James Corbitt genau, es hielt ihn trotzdem nicht davon ab, seine Geliebte zu erwürgen, und es rettete ihn auch nicht vor dem Galgen seines eigenen Trinkkumpels.
Werdegang
James Henry Corbitt wurde am 20. Oktober 1913 geboren. Über seine Kindheit ist wenig bekannt, als Erwachsener lebte er getrennt von seiner Ehefrau und dem gemeinsamen elfjährigen Sohn. Regelmäßig kehrte er im Pub „Help The Poor Struggler” im Ortsteil Hollinwood von Oldham ein, dessen Wirt Albert Pierrepoint zugleich der amtierende Chefhenker Großbritanniens war. Die beiden Männer wurden Freunde und sangen gemeinsam am Klavier, dabei gaben sie sich die Kosenamen, die später zu ihrer traurigen Berühmtheit werden sollten: „Tish” und „Tosh”.
Die Tat
Im August 1950 erdrosselte er in einem Hotelzimmer in Ashton-under-Lyne, Lancashire, seine Geliebte Eliza Woods. Ihre Leiche wurde am nächsten Morgen gefunden, auf ihre Stirn hatte der Täter das Wort „Hure” geschrieben. Vor Gericht bekannte er sich zwar für unzurechnungsfähig, doch die Anklage legte Tagebucheinträge vor, die seine Tatplanung über längere Zeit hinweg belegten, von einem spontanen Eifersuchtsakt konnte also keine Rede sein.
Prozess und Hinrichtung
Bei den Liverpool Assizes verurteilte der zuständige Richter den Angeklagten zum Tode. Am 28. November 1950 wurde er im Gefängnis von Strangeways in Manchester gehängt, der Henker war sein eigener Kneipenfreund. Albert Pierrepoint schrieb später in seinen Memoiren, er habe geglaubt, wenn irgendein Mensch von der abschreckenden Wirkung der Todesstrafe gewusst habe, dann dieser Mann, den er „Tish” nannte. „Das Abschreckungsmittel hat nicht gewirkt”, resümierte er.
Nachwirkungen
Die Hinrichtung eines persönlichen Bekannten soll den Henker nachhaltig erschüttert haben, manche Biografen sehen darin einen Grund für seinen Rücktritt als Chefhenker im Jahr 1956. Der eigene Sohn James Corbitts äußerte sich 2006 überraschend nüchtern über den Fall: Sein Vater habe angesichts der langen Vorplanung der Tat „den Strang wohl verdient”. Im Spielfilm „Pierrepoint” aus dem Jahr 2005 verkörperte der Schauspieler Eddie Marsan die Figur des James Corbitt.