← Zum Verzeichnis

Jack Unterweger

Die Altstadt von Graz, wo Jack Unterweger 1994 verurteilt wurde und sich das Leben nahm
Zairon, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
10
Opfer
Suizid
SerienmörderGraz , Österreich
Aktive Jahre
1974–1991

Österreich feierte einen verurteilten Mörder als geläuterten Schriftsteller. Wenige Monate nach seiner Freilassung starben erneut Frauen. Das Bundeskriminalamt im österreichischen Innenministerium dokumentiert, wie Johann „Jack” Unterweger später in neun von elf neuen Mordfällen schuldig gesprochen wurde. Hinzu kam der Mord von 1974, für den er bereits 1976 verurteilt worden war.

Werdegang

Er wuchs bei wechselnden Pflegefamilien auf und wurde zwischen 1966 und 1974 sechzehnmal wegen verschiedener Delikte verurteilt, darunter Vergewaltigung und Körperverletzung. Am 11. Dezember 1974 erschlug er die 18-jährige Margarete Schäfer mit einem Eisenstab in einem Wald bei Herborn, nachdem er sie zuvor vergewaltigt hatte. 1976 wurde er dafür zu lebenslanger Haft verurteilt.

Literarischer Aufstieg

Im Gefängnis begann er zu schreiben, Gedichte, Kurzgeschichten, Theaterstücke und schließlich die Autobiografie „Fegefeuer oder die Reise ins Zuchthaus”. Seine Texte, von denen sich später herausstellte, dass große Teile aus fremden Werken übernommen waren, machten ihn in österreichischen Intellektuellenkreisen bekannt, die ihn als Beispiel gelungener Resozialisierung feierten. Nach breiter öffentlicher Fürsprache wurde er am 23. Mai 1990 nach 15 Jahren Haft entlassen und arbeitete anschließend als Journalist für den ORF sowie als Theaterautor, unter anderem berichtete er selbst über die Mordserie an Prostituierten, die er zu diesem Zeitpunkt bereits begangen hatte.

Neue Mordserie

Weniger als drei Monate nach seiner Entlassung begann er erneut zu töten. Zu seinen Opfern zählten unter anderem Blanka Bočková in Prag im September 1990, sieben Frauen in Österreich zwischen Oktober 1990 und Mai 1991, darunter Brunhilde Masser und Elfriede Schrempf, sowie drei Sexarbeiterinnen in Los Angeles im Sommer 1991, darunter Shannon Exley, Irene Rodriguez und Peggi Jean Booth. Er schlug und vergewaltigte seine Opfer und erwürgte sie anschließend manuell oder mit deren eigener Unterwäsche, wobei er stets denselben charakteristischen Knoten verwendete.

Festnahme

Am 27. Februar 1992 nahmen US-Marshals ihn in Miami fest. Nach seiner Auslieferung nach Österreich im Mai 1992 wurde er wegen elf Morden angeklagt.

Prozess

Der Prozess begann am 20. April 1994 vor dem Landgericht Graz. Ein Gutachter diagnostizierte eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. Am 28. Juni 1994 wurde er wegen neunfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Tod

Am folgenden Morgen fand man ihn erhängt in seiner Zelle. Er hatte Schnürsenkel und die Kordel seines Trainingsanzugs benutzt.

Nachwirkungen

Der Fall gilt in Österreich als eines der eindrücklichsten Beispiele für das Scheitern einer öffentlich gefeierten Resozialisierung und wurde mehrfach verfilmt und dokumentarisch aufgearbeitet, unter anderem weil er als Journalist selbst über die eigenen, noch unaufgeklärten Taten berichtete.

Mehr zum Fall

Werbung · Affiliate-Links