Jack the Stripper
- Aktive Jahre
- 1964–1965
- Modus Operandi
- ErwürgenVergewaltigung
Zwischen Februar 1964 und Februar 1965 wurden im Westen Londons mindestens sechs unbekleidete Leichen von Frauen gefunden, viele davon nahe der Themse bei Hammersmith und Chiswick. Fast alle Opfer arbeiteten als Sexarbeiterinnen im Bezirk Notting Hill. Die Presse nannte den nie identifizierten Täter „Jack the Stripper”, in Anlehnung an Jack the Ripper, unter Kriminologen ist der Fall auch als „Hammersmith Nudes Murders” bekannt. Zwei bereits 1959 beziehungsweise 1963 verübte Morde werden von manchen Ermittlern zusätzlich derselben Serie zugerechnet.
Die Taten
Bereits am 17. Juni 1959 wurde die 21-jährige Elizabeth Figg erwürgt aufgefunden, ihr Tod wurde erst rückwirkend mit der späteren Serie in Verbindung gebracht. Im November 1963 folgte Gwynneth Rees. Die eigentliche Mordserie begann am 2. Februar 1964 mit Hannah Tailford, die man in der Themse trieben fand, gefesselt und teilweise entkleidet. Am 8. April 1964 wurde Irene Lockwood tot am Flussufer entdeckt, am 24. April Helen Barthelemy, an deren Leiche erstmals winzige Lackpartikel gefunden wurden. Am 14. Juli 1964 folgte Mary Fleming, am 25. November Frances Brown, am 16. Februar 1965 schließlich Bridget O’Hara, deren stark verwester Leichnam auf einem Firmengelände in Acton entdeckt wurde. Die Todesursache war in den meisten Fällen Erwürgen oder Ersticken, mehrere Opfer wiesen zudem fehlende Zähne auf, was Ermittler auf eine erzwungene sexuelle Handlung zurückführten.
Ermittlung
Chief Superintendent John du Rose übernahm die Leitung einer der größten Fahndungen in der Geschichte von Scotland Yard und ließ rund 7.000 Personen befragen. Der entscheidende forensische Hinweis waren mikroskopisch kleine Lack- und Sprühfarbpartikel an mehreren Leichen, die sich im Frühjahr 1965 einem Lackierbetrieb auf dem Heron Trading Estate in Acton zuordnen ließen. Anhand der begrenzten Zahl an Arbeitern mit Zugang zu diesem Gelände engte er den Kreis der Verdächtigen zunächst auf zwanzig, dann auf zehn und schließlich auf drei Männer ein.
Verdächtige
Kurz nachdem du Rose Fortschritte öffentlich angekündigt hatte, nahm sich der schottische Wachmann Mungo Ireland, der auf dem fraglichen Firmengelände arbeitete, das Leben und hinterließ eine Nachricht mit dem Satz „Ich kann es nicht länger ertragen”. John du Rose selbst hielt Mungo Ireland zeitlebens für den wahrscheinlichsten Täter, eine spätere Überprüfung äußerte jedoch Zweifel an dessen Alibi zum Tatzeitpunkt. Der Nachtwächter Kenneth Archibald gestand zunächst den Mord an Irene Lockwood, widerrief die Aussage vor Gericht jedoch und wurde im Juni 1964 freigesprochen. Auch der walisische, bereits wegen zweier Kindermorde in den 1920er Jahren verurteilte Harold Jones, der ab 1947 in Fulham lebte und 1971 in Hammersmith starb, wird bis heute als möglicher Täter diskutiert.
Warum der Fall ungelöst blieb
Nach dem Suizid des Wachmanns und der öffentlichen Ankündigung des Ermittlers, den Kreis der Verdächtigen erheblich eingeengt zu haben, endeten die der Serie zugeschriebenen Morde abrupt, ohne dass es je zu einer Anklage kam. Ein Großteil des ursprünglichen forensischen Beweismaterials gilt heute als verloren oder zerstört, eine erneute DNA-Analyse ist damit weitgehend ausgeschlossen. Da ein Erwachsener zum Tatzeitpunkt 1964 heute weit über 80 Jahre alt wäre, gilt der Täter mit hoher Wahrscheinlichkeit inzwischen als verstorben.
Nachwirkungen
Der Fall gilt in Großbritannien bis heute als eine der bekanntesten ungeklärten Mordserien des 20. Jahrhunderts und wird regelmäßig in Dokumentationen aufgegriffen, darunter die BBC-Produktion „Dark Son” von 2019 über Harold Jones. Er trug zudem maßgeblich dazu bei, dass Scotland Yard in den folgenden Jahren den Schutz von Sexarbeiterinnen als eigenständiges polizeiliches Handlungsfeld stärker in den Blick nahm.