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Issei Sagawa

genannt „Der Kannibale von Kobe"

Skyline der japanischen Stadt Kobe, Geburtsort Issei Sagawas
KishujiRapid, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
1
Opfer
„Der Kannibale von Kobe"
verstorben
TotschlägerParis , Frankreich
Aktive Jahre
1981

Issei Sagawa, geboren am 26. April 1949 in Kōbe, erschoss und aß am 11. Juni 1981 in seiner Pariser Studentenwohnung die 25 Jahre alte niederländische Studentin Renée Hartevelt. Weil ihn ein französisches Gericht für unzurechnungsfähig erklärte und Japan ihn mangels rechtlicher Handhabe nicht erneut vor Gericht stellte, verbrachte er anschließend fast vierzig Jahre in Freiheit, in denen er in Japan als Autor und Medienfigur auftrat.

Werdegang

Er stammte aus einer wohlhabenden japanischen Familie und war von Geburt an kleinwüchsig und körperlich zart gebaut. Er studierte zunächst englische Literatur an der Wako-Universität in Tokio und wechselte Anfang der 1980er Jahre für ein weiterführendes Studium an die Universität Paris III (Censier) nach Frankreich. Schon während seiner Studienzeit entwickelte er eine ausgeprägte Obsession für große, blonde europäische Frauen, die er selbst später als Ursprung seiner Taten beschrieb.

Die Tat

Am 11. Juni 1981 lud er seine Kommilitonin Renée Hartevelt unter dem Vorwand in seine Wohnung in der Rue Erlanger im 16. Pariser Arrondissement ein, gemeinsam ein Gedicht aufzunehmen. Er erschoss sie von hinten mit einem Kleinkalibergewehr, vergewaltigte anschließend ihre Leiche und aß in den folgenden zwei Tagen Teile ihres Körpers, beginnend mit Hüften und Oberschenkeln. Die Tat dokumentierte er dabei mit eigenen Fotografien.

Festnahme

Zwei Tage nach der Tat wurde er dabei beobachtet, wie er Teile der Leiche im Bois de Boulogne zu entsorgen versuchte. Passanten alarmierten die Polizei, die ihn kurz darauf festnahm.

Rechtliches Nachspiel in Frankreich und Japan

Der zuständige Untersuchungsrichter Jean-Louis Bruguière ließ ihn psychiatrisch begutachten. Die Gutachter attestierten ihm Unzurechnungsfähigkeit, ein Gerichtsverfahren fand deshalb nie statt. Von 1981 bis 1984 wurde er stattdessen in der psychiatrischen Anstalt Paul Guiraud bei Paris untergebracht. 1984 überstellten ihn die französischen Behörden nach Japan, wo er im Matsuzawa-Krankenhaus in Tokio weiterbehandelt wurde. Japanische Ärzte kamen dabei zu einem anderen Schluss als ihre französischen Kollegen: Sie hielten ihn für zurechnungsfähig, konnten ihn aber mangels übermittelter französischer Prozessunterlagen rechtlich nicht erneut anklagen. Am 12. August 1986 verließ er die Klinik als freier Mann.

Nachwirkungen

In Japan wurde er danach zu einer Art Berühmtheit. Er veröffentlichte mehrere Bücher über den Fall, darunter einen Bericht, der sich über 200.000 Mal verkaufte, schrieb jahrelang Restaurantkritiken für Zeitschriften und trat in zahlreichen Talkshows, Dokumentationen und Exploitationfilmen auf, in denen er teils explizit auf seine eigene Tat Bezug nahm. Kritiker warfen den japanischen Medien vor, mit dieser andauernden öffentlichen Präsenz einen verurteilungsfreien Mörder zu vermarkten. Issei Sagawa starb am 24. November 2022 im Alter von 73 Jahren in Tokio an den Folgen einer Lungenentzündung, ohne für die Tat je strafrechtlich verurteilt worden zu sein.

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