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Ian Huntley

High Street in der Kleinstadt Soham in der englischen Grafschaft Cambridgeshire, Schauplatz des Falls von 2002
Bikeboy / Geograph Britain and Ireland / Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0
2
Opfer
verstorben
Mörder — Soham , Großbritannien
Aktive Jahre
2002

Zwei zehnjährige Mädchen wollen nur schnell Süßigkeiten holen und begegnen dabei einem Mann, den sie aus der Schule kennen. Wenige Stunden später gelten Holly Wells und Jessica Chapman als vermisst, eine der größten Suchaktionen in der britischen Kriminalgeschichte beginnt. Als sich herausstellte, dass der freundliche Schulhausmeister Ian Huntley für ihren Tod verantwortlich war und jahrelang unentdeckt durch das Meldesystem der Behörden gerutscht war, veränderte der Fall die Kinderschutzpolitik des Landes grundlegend.

Werdegang

Ian Kevin Huntley wurde am 31. Januar 1974 in Grimsby geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf, in der Schule war er selbst Ziel von Mobbing. Nach seinem Schulabschluss 1990 arbeitete er in wechselnden ungelernten Tätigkeiten, unter anderem als Barkeeper und Lagerarbeiter. Zwischen 1995 und 1999 war er kurz verheiratet. Bereits vor der Jahrtausendwende häuften sich Vorwürfe gegen ihn: Zwischen 1995 und 1999 wurde er insgesamt zehnmal bei der Polizei und fünfmal beim Sozialamt wegen sexueller Übergriffe auf Minderjährige gemeldet, unter anderem wegen mehrerer Vergewaltigungsvorwürfe. Zu keiner der Anzeigen kam es zu einer Verurteilung. Im November 2001 bewarb er sich unter dem Namen „Ian Nixon” als Hausmeister am Soham Village College in Cambridgeshire und wurde eingestellt, ohne dass eine Überprüfung seiner Vergangenheit stattfand.

Die Tat

Am 4. August 2002 kamen die beiden zehnjährigen Freundinnen Holly Wells und Jessica Chapman auf dem Weg zu einem Laden an seinem Haus in der Nähe des Colleges vorbei. Er lud sie hinein, tötete beide Mädchen kurz darauf durch Ersticken und transportierte die Leichen anschließend rund 30 Kilometer weit zu einem Entwässerungsgraben nahe dem Militärstützpunkt RAF Lakenheath in Suffolk. Die Kleidung der Mädchen verbrannte er auf dem Schulgelände, um Spuren zu vernichten.

Ermittlung und Festnahme

Die Polizei startete eine der größten Suchaktionen der britischen Geschichte, mit Hunderten Beamten und landesweiter Medienberichterstattung. Verdächtig wurde er den Ermittlern durch sein auffällig übereifriges Verhalten: Er gab Interviews, beteiligte sich demonstrativ an der Suche und stellte den Ermittlern ungewöhnlich viele Fragen zum Stand der Untersuchung. Eine Woche später fanden Ermittler verbrannte Kleidungsstücke in einem Lagerschuppen des Colleges. Am 13. August 2002 wurde er festgenommen, gemeinsam mit seiner damaligen Partnerin Maxine Carr, die ihm zunächst ein falsches Alibi gegeben hatte.

Prozess

Der Prozess am Old Bailey in London begann am 5. November 2003. Ian Huntley räumte ein, für den Tod der beiden Mädchen verantwortlich zu sein, behauptete jedoch, es habe sich um Unfälle gehandelt: Holly sei versehentlich in seine Badewanne gestürzt, Jessica beim Versuch erstickt, sie am Schreien zu hindern. Das Gericht folgte dieser Version nicht. Am 17. Dezember 2003 wurde er des zweifachen Mordes für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft mit einer Mindestverbüßungsdauer von 40 Jahren verurteilt. Maxine Carr erhielt wegen Behinderung der Justiz dreieinhalb Jahre Haft.

Nachwirkungen

Der Fall führte in Großbritannien zu tiefgreifenden Reformen im Kinderschutz, unter anderem zur Einführung eines zentralen Systems zur Überprüfung von Personen, die beruflich mit Kindern arbeiten, benannt nach dem Bericht des zuständigen Untersuchungsrichters Sir Michael Bichard. Ian Huntley saß seither im Hochsicherheitsgefängnis HM Prison Frankland in der Grafschaft County Durham ein, wo er wiederholt von Mitgefangenen angegriffen wurde und 2006 einen Suizidversuch unternahm. Während einer Zeit im Gefängnis von Wakefield griff ihn dort der vierfache Mörder Mark Hobson mit kochendem Wasser an. Am 26. Februar 2026 schlug ihn ein Mitgefangener in der Gefängniswerkstatt mit einer Metallstange nieder, er erlitt schwerste Kopfverletzungen und fiel ins Wachkoma. Nachdem Hirntests keine Aussicht auf Besserung zeigten, wurde die lebenserhaltende Behandlung beendet, er starb am 7. März 2026 im Krankenhaus.

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