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Hermann Schwarz

Hermann Schwarz in Uniform, als Porträt in eine historische Aufnahme seines Waldverstecks von 1912 eingefügt
Richard Kielinger, Staatsarchiv Thurgau · Public Domain (Schweiz)
7
Opfer
verstorben
AmokläuferRomanshorn , Schweiz
Aktive Jahre
1912
Modus Operandi
Erschießen

Hermann Schwarz, am 28. November 1887 im Thurgauer Dorf Märstetten geboren, erschoss am Abend des 30. August 1912 im Hafenstädtchen Romanshorn von seiner Wohnung aus sieben Menschen und verletzte mehrere weitere, bevor er in einen nahen Wald flüchtete und dort erst am folgenden Tag von der Polizei überwältigt wurde. Der Amoklauf von Romanshorn zählt zu den schwersten Gewalttaten in der Schweizer Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts.

Werdegang

Schon als Kind galt Hermann in seiner Umgebung als schwierig, streitsüchtig und nachtragend, er quälte Tiere und wilderte. Als Erwachsener las er viel Schundliteratur, besaß einen geladenen Revolver und ein Schmidt-Rubin-Gewehr und hatte sich über einen Schützenverein größere Mengen Munition beschafft. Im Februar 1912 zog er mit seiner Familie nach Romanshorn und begann kurz darauf, ein junges Mädchen aus dem Ort zu verfolgen, was zu einer Anzeige bei der Polizei führte. Am 28. August 1912 wurde er wegen psychischer Auffälligkeiten aus dem Militärdienst entlassen, was ihn nach Einschätzung der späteren Gutachter zusätzlich in Rage versetzte.

Die Tat

Am 30. August 1912 kaufte er 80 Schuss Munition. Als am frühen Abend Polizisten erschienen, um ihn festzunehmen, verbarrikadierte er sich im zweiten Stock seiner Wohnung und eröffnete gegen 18 Uhr das Feuer auf Menschen auf der Straße. Die Schießerei und die anschließende Belagerung des Hauses zogen sich bis in die späte Nacht hin. Getötet wurden Tommaso Dal Farra (68), Philipp Enderli (37), Anton Fritsch (25), Friedrich Keller (39), Biagio Pedrollo (15), Rudolf Thommen (37) und Franz Xaver Weber (46), unter den Verletzten waren auch ein Polizist und der Leiter des örtlichen Gaswerks. Gegen 23.30 Uhr gelang dem Täter die Flucht in einen nahen Wald.

Festnahme

Rund 100 Personen, darunter Polizisten und Freiwillige, durchsuchten mit Spürhunden die Umgebung. Am folgenden Tag, dem 31. August 1912, wurde der Täter gegen 19 Uhr auf einer Wiese nahe dem Schützenplatz aufgespürt und von der Polizei durch Schüsse in Arm und Bein sowie einen Streifschuss am Hals kampfunfähig gemacht und festgenommen.

Gerichtsverfahren

Mehrere Psychiater untersuchten ihn in den folgenden Monaten und diagnostizierten Wahnvorstellungen, Verfolgungsideen und eine beginnende Schizophrenie. Am 20. Februar 1913 erklärte ihn das Gericht für unzurechnungsfähig und ordnete anstelle einer Strafe die dauerhafte Unterbringung in der Heil- und Pflegeanstalt Münsterlingen an. Sein weiteres Schicksal in der Anstalt ist nicht dokumentiert, geboren 1887 wäre er heute jedoch weit über 130 Jahre alt und mit Sicherheit nicht mehr am Leben.

Nachwirkungen

Personen, die bei der Festnahme und der Versorgung der Verletzten geholfen hatten, wurden von der Carnegie-Stiftung für Heldentum mit Medaillen ausgezeichnet, zusätzlich richtete die Stiftung einen mit 2.000 Franken ausgestatteten Unterstützungsfonds für die Opfer ein. Der Amoklauf von Hermann Schwarz blieb über Jahrzehnte im kollektiven Gedächtnis der Bodenseeregion verankert und gilt bis heute als eine der folgenreichsten Einzeltaten in der Geschichte des Kantons Thurgau. Mehr zum Tathergang und den Opfern: Amoklauf von Romanshorn.