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Herbert Baumeister

genannt „I-70 Strangler"

Wasserturm in Westfield, Indiana, wo das Anwesen Fox Hollow Farm von Herbert Baumeister lag
Derek Jensen (Tysto), via Wikimedia Commons · CC BY 2.5
13
Opfer
„I-70 Strangler"
Suizid
SerienmörderWestfield , USA
Aktive Jahre
1980–1996
Modus Operandi
ErwürgenBrandstiftung

Fast 10.000 verkohlte Knochen und Knochenfragmente lagen auf Fox Hollow Farm. Bis Mai 2024 wiesen die forensischen Untersuchungen dort 13 mutmaßliche Opfer nach, zugleich gingen Ermittler davon aus, dass die Überreste von mindestens 25 Menschen stammen könnten. Herbert Richard Baumeister, geboren am 7. April 1947 in Indianapolis, starb vor einer Anklage und gilt außerdem als Hauptverdächtiger in einer Serie ungeklärter Morde entlang der Interstate 70.

Werdegang

Er wuchs als ältestes von vier Kindern auf, sein Vater arbeitete als Anästhesist. Schon als Jugendlicher fiel er durch auffälliges Verhalten auf, darunter Tierquälerei und ungewöhnliche sexuelle Interessen. Ärzte diagnostizierten bei ihm in dieser Zeit eine paranoide Schizophrenie sowie eine antisoziale Persönlichkeitsstörung, eine durchgehende psychiatrische Behandlung erfolgte jedoch nicht. 1971 heiratete er Juliana „Julie” Saiter, mit der er drei Kinder bekam. Die Ehe galt Berichten zufolge als schwierig, 1972 wurde er für zwei Monate in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Beruflich baute er ab 1988 die Second-Hand-Kette Sav-A-Lot auf und wurde damit zu einem wohlhabenden Geschäftsmann. Im selben Jahr erwarb er mit Fox Hollow Farm ein 18 Hektar großes Anwesen im Vorort Westfield nahe Indianapolis, das ab den frühen 1990er-Jahren zum Tatort seiner Verbrechen wurde.

Kriminelle Aktivitäten

Er suchte seine Opfer überwiegend in Schwulenbars in Indianapolis, wo er unter dem Namen „Brian Smart” auftrat. Er lockte junge Männer auf sein Anwesen und tötete sie dort, viele der Leichen vergrub oder verbrannte er anschließend auf dem weitläufigen Grundstück. Sein eigener Sohn hatte Jahre zuvor bereits ein Skelett auf dem Gelände gefunden, das er als anatomisches Ausstellungsstück seines verstorbenen Vaters ausgab, eines früheren Arztes.

Namentlich bekannte Opfer von Fox Hollow Farm (chronologisch nach letztem Lebenszeichen):

  1. John Lee Bayer (20), zuletzt gesehen 28. Mai 1993
  2. Richard Douglas Hamilton Jr. (20), zuletzt gesehen 31. Juli 1993
  3. Jeffrey Allen Jones (31), zuletzt gesehen 6. Juli 1993
  4. Manuel Resendez (34), zuletzt gesehen 6. August 1993
  5. Allen Lee Livingston (27), zuletzt gesehen 6. August 1993
  6. Daniel Thomas Halloran (21), zuletzt gesehen nach März 1994
  7. Steven Spurlin Hale (28), zuletzt gesehen 1. April 1994
  8. Allen Wayne Broussard (28), zuletzt gesehen 6. Juni 1994
  9. Roger Allen Goodlet (33), zuletzt gesehen 22. Juli 1994
  10. Michael Frederick Keirn (45), zuletzt gesehen 31. März 1995
  11. Jerry Williams-Comer (34), zuletzt gesehen 8. August 1995, seine Überreste wurden nie geborgen

Bei der Durchsuchung des Anwesens fanden Ermittler fast 10.000 verkohlte und zersplitterte Knochenfragmente. Der Hamilton County Coroner nahm die Identifizierung mit neuen DNA-Verfahren wieder auf. Im Mai 2024 waren nach Angaben des Coroners 13 mutmaßliche Opfer forensisch nachgewiesen, während die Fragmente von mindestens 25 Menschen stammen könnten. Ein Großteil ließ sich weiterhin keiner Person zuordnen.

Unabhängig von Fox Hollow Farm gilt er zudem als Hauptverdächtiger einer Serie von elf ungeklärten Morden zwischen 1980 und 1991, bei denen junge Männer und Jugendliche in Schwulenbars in Indianapolis angesprochen, erwürgt und ihre Leichen anschließend nahe der Interstate 70 in Indiana und Ohio abgelegt wurden. Da diese Mordserie nach dem Erwerb von Fox Hollow Farm 1988 endete und seine dortigen Taten begannen, halten Ermittler einen Zusammenhang für wahrscheinlich, eine gerichtliche Klärung blieb wegen seines Suizids jedoch aus.

Ermittlung und Festnahme

1994 meldete sich ein Mann namens Tony Harris bei der Polizei, der berichtete, ein „Brian Smart” habe versucht, ihn während eines Treffens mit erotischer Erstickung zu töten. Harris folgte dem Fahrzeug des Mannes und notierte sich das Kennzeichen, worüber die Ermittler Herbert Baumeister als Halter identifizierten. Eine Durchsuchung des Anwesens verweigerten sowohl er als auch zunächst seine Frau. Erst als Julie Baumeister im Juni 1996 die Scheidung einreichte und sich zu diesem Zeitpunkt ihr Mann im Urlaub befand, stimmte sie einer Durchsuchung zu. Am 24. Juni 1996 fanden Ermittler die menschlichen Knochenreste im Waldstück des Grundstücks.

Ende

Eine Woche nachdem seine Frau von der Polizei mit den Ermittlungen konfrontiert worden war, wurde er am 3. Juli 1996 tot in seinem Wagen im Pinery Provincial Park am Lake Huron in der kanadischen Provinz Ontario gefunden. Er hatte sich mit einem Revolver in den Kopf geschossen. In einem dreiseitigen Abschiedsbrief äußerte er Bedauern über seine gescheiterte Ehe und seine wirtschaftlichen Probleme, die Morde erwähnte er darin mit keinem Wort. Zu einem Prozess kam es wegen seines Suizids nicht mehr.

Nachwirkungen

Im Frühjahr 1999 benannten Ermittler ihn offiziell als Hauptverdächtigen der I-70-Strangler-Mordserie, ein förmlicher Abschluss dieser Fälle blieb jedoch aus, da eine gerichtliche Klärung nach seinem Tod nicht mehr möglich war. Auch die Zahl seiner tatsächlichen Opfer bleibt unsicher. Die Associated Press berichtete 2024 über 13 nachgewiesene mutmaßliche Opfer auf Fox Hollow Farm und die weiterlaufende Identifizierung. Der Fall gehört zu den bekanntesten ungeklärten Kapiteln der amerikanischen Kriminalgeschichte und wurde seither mehrfach in Dokumentationen und Podcasts aufgearbeitet, etwa im Buch „Der Garten des Bösen” (Affiliate-Link).

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