Herbert Rowse Armstrong
- Aktive Jahre
- 1920–1921
- Modus Operandi
- Vergiftung
Ein Nachmittagstee mit selbstgebackenem Gebäck sollte für Oswald Martin, einen jungen Anwalt in der walisischen Grenzstadt Hay-on-Wye, fast tödlich enden. Sein Gastgeber, der lokal hoch angesehene Rechtsanwalt Herbert Rowse Armstrong, hatte das Gebäck präpariert. Der Vorfall brachte Ermittler auf die Spur eines Falls, der ein knappes Jahr zuvor bereits das Leben seiner eigenen Ehefrau gekostet hatte, und machte ihn zum bis heute einzigen Rechtsanwalt in der Geschichte des Vereinigten Königreichs, der wegen Mordes gehängt wurde.
Werdegang
Herbert Rowse Armstrong wurde am 13. Mai 1869 im südenglischen Plymouth in der Grafschaft Devon geboren. Er studierte Jura am St Catharine’s College der Universität Cambridge und wurde im Februar 1895 als Rechtsanwalt zugelassen. Nach Stationen in Liverpool und Newton Abbot ließ er sich 1906 in Hay-on-Wye nieder, wo er als Amtsschreiber der Friedensrichter arbeitete und sich als einer von nur zwei Anwälten am Ort rasch als angesehene Persönlichkeit etablierte. Während des Ersten Weltkriegs diente er zwischen Mai und Oktober 1918 bei den Royal Engineers und erreichte den Rang eines Majors, den Titel führte er danach zeitlebens weiter. 1907 heiratete er Katharine Mary Friend, mit der er drei Kinder bekam. Die Ehe galt in der Nachbarschaft als angespannt, seine Frau wurde von Bekannten als dominant und schwierig im Umgang beschrieben.
Der Tod der Ehefrau
Ab 1919 litt Katharine Mary Armstrong unter Symptomen, die zunächst als Nervenentzündung diagnostiziert wurden. Im August 1920 verschlechterte sich ihr Zustand erneut, begleitet von Fieber, Erbrechen und Lähmungserscheinungen, weshalb sie zeitweise in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wurde. Im Januar 1921 aus der Klinik entlassen, starb sie am 22. Februar 1921 im Alter von 48 Jahren. Der Totenschein nannte Magenschleimhautentzündung, eine Herzerkrankung und eine Nierenentzündung als Todesursachen, ein Zusammenhang mit Gift wurde zu diesem Zeitpunkt nicht vermutet.
Der Fall Oswald Martin
Herbert Rowse Armstrong hatte in Hay-on-Wye nur einen einzigen ernstzunehmenden beruflichen Konkurrenten: den Anwalt Oswald Martin. Am 26. Oktober 1921 lud er ihn zu sich nach Hause zum Tee ein und reichte ihm dabei selbst zubereitetes Gebäck. Kurz darauf erkrankte der junge Anwalt schwer. Sein Schwiegervater, ein ortsansässiger Apotheker, erinnerte sich zudem, dass der Gastgeber kurz zuvor ungewöhnlich große Mengen Arsen gekauft hatte, offiziell zur Bekämpfung von Löwenzahn, was angesichts der Jahreszeit kaum plausibel erschien. Wenige Wochen zuvor hatte seine Familie bereits anonym eine Schachtel Pralinen erhalten, in deren Boden sich ebenfalls Arsen fand.
Ermittlung und Festnahme
Ein behandelnder Arzt erkannte die Ähnlichkeit zwischen den Symptomen des jungen Anwalts und der Krankengeschichte der verstorbenen Katharine Armstrong und informierte das Innenministerium. Am 31. Dezember 1921 nahm die Polizei Herbert Rowse Armstrong fest, in seiner Jackentasche und in seinem Haus fanden die Beamten weitere Päckchen mit Arsen. Am 2. Januar 1922 wurde die Leiche seiner Frau exhumiert. Der Pathologe Bernard Spilsbury stellte fest, dass ihr Körper noch zehn Monate nach dem Tod erhebliche Mengen Arsen enthielt, umgerechnet mehr als drei Gramm.
Prozess und Hinrichtung
Der zehntägige Prozess begann am 3. April 1922 vor dem Richter Charles Darling im südenglischen Hereford. Die Verteidigung unter Sir Henry Curtis-Bennett argumentierte, die Ehefrau könnte sich das Gift selbst zugeführt haben oder ihm versehentlich ausgesetzt gewesen sein. Bernard Spilsbury widersprach dem in seiner Zeugenaussage entschieden: Die tödliche Dosis sei ihr innerhalb der letzten 24 Stunden vor ihrem Tod verabreicht worden, eine Selbstvergiftung in diesem Zustand hielt er für praktisch ausgeschlossen. Am 13. April 1922 wurde Herbert Rowse Armstrong des Mordes an seiner Ehefrau für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Ein Berufungsgericht bestätigte das Urteil am 16. Mai 1922. Er wurde am 31. Mai 1922 im Gefängnis von Gloucester gehängt. Seine letzten überlieferten Worte sollen gelautet haben, er sei unschuldig an dem Verbrechen, für das man ihn zum Tode verurteilt habe.
Nachwirkungen
Herbert Rowse Armstrong blieb bis heute der einzige Rechtsanwalt in der Geschichte des Vereinigten Königreichs, der wegen Mordes hingerichtet wurde, ein Umstand, der den Fall in der britischen Rechtsgeschichte bis heute besonders prominent hält. Die Vorwürfe wegen der versuchten Vergiftung von Oswald Martin wurden nach der Verurteilung wegen des Mordes an der eigenen Ehefrau nicht mehr gesondert verhandelt. Oswald Martin selbst überlebte den Giftanschlag und lebte noch viele Jahrzehnte in Hay-on-Wye.