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Henry Lee Lucas

genannt „Confession Killer"

Henry Lee Lucas bei seiner Ankunft an einem texanischen Gerichtsgebäude, 1984
UPI Wirephoto, via Wikimedia Commons · Public Domain (PD-US-1978-89)
3
Opfer
„Confession Killer"
verstorben
SerienmörderJacksonville , USA
Aktive Jahre
1960–1983

Hunderte Geständnisse machten Henry Lee Lucas zum vermeintlich schlimmsten Serienmörder der USA. Dann verglich der texanische Generalstaatsanwalt seine Aussagen mit Arbeitsnachweisen, Reisezeiten und Ermittlungsakten. Der amtliche Lucas Report dokumentiert zahlreiche unauflösbare Widersprüche. Belastbar bleiben drei Tötungen, während die meisten Aussagen des 1936 geborenen Mannes als falsch gelten.

Werdegang

Henry Lee Lucas wuchs unter extremer Vernachlässigung auf, seine Mutter zwang ihn als Kind, Frauenkleider zu tragen und ihren sexuellen Handlungen mit Freiern beizuwohnen. Mit zehn Jahren verlor er nach einer Infektion ein Auge, wiederholte Misshandlungen hinterließen zudem Hirnverletzungen. 1960 erstach er seine Mutter während eines Streits, wofür er zu einer Haftstrafe von bis zu 40 Jahren verurteilt, aber bereits 1970 wieder entlassen wurde. In Jacksonville, Florida, lernte er 1976 in einer Suppenküche Ottis Toole kennen, mit dem er fortan zusammenlebte.

Taten

Zwischen 1979 und 1983 zogen die beiden Männer nach eigenen späteren Angaben durch mehrere US-Bundesstaaten und töteten Anhalter und Wanderarbeiter. Zu den belastbar zugeordneten Opfern zählen seine eigene Mutter, Ottis Tooles Nichte Frieda „Becky” Powell und Kate Rich. Nach seiner Festnahme im Juni 1983 wegen Waffenbesitzes gestand er gegenüber Ermittlern, denen er durch bevorzugte Behandlung wie Restaurantbesuche und Zugriff auf Ermittlungsakten Details entlocken konnte, die er anschließend in seine Geständnisse einbaute. Für den Mord an einer nie identifizierten Frau, die als „Orange Socks” bekannt wurde, erhielt er die Todesstrafe, obwohl Beweise ihn zur Tatzeit an seinem Arbeitsplatz in Florida verorteten.

Ermittlung und Festnahme

Weil er bereitwillig gestand und Ermittler ihm dabei Falldetails offenlegten, konnte er über Jahre hinweg hunderte ungeklärte Morde auf sich nehmen. DNA-Beweise schlossen ihn später von mindestens 20 dieser behaupteten Taten aus, was massive Zweifel an der Verlässlichkeit seiner Geständnisse insgesamt aufwarf.

Begnadigung

1998 wandelte der damalige texanische Gouverneur George W. Bush als einzige Begnadigung seiner Amtszeit sein Todesurteil im Fall „Orange Socks” in lebenslange Haft um, nachdem Zweifel an seiner Täterschaft öffentlich geworden waren.

Nachwirkungen

Henry Lee Lucas starb am 12. März 2001 im Alter von 64 Jahren an Herzversagen in der Haft. Der Fall gilt bis heute als Lehrbuchbeispiel dafür, wie unkritisch übernommene Geständnisse ganze Ermittlungsverfahren in die Irre führen können.