Henri Désiré Landru
- Aktive Jahre
- 1915–1919
- Modus Operandi
- Heiratsschwindel
283 Frauen tauchten in den Notizen eines Mannes auf, der immer neue Namen benutzte. Zehn von ihnen und der Sohn einer Frau blieben verschwunden. Die Fallakte von Criminocorpus zeigt, wie aus Henri Désiré Landrus Heiratsbetrug ein Indizienprozess wegen elf Morden wurde. Der am 12. April 1869 geborene Täter starb am 25. Februar 1922 in Versailles unter der Guillotine.
Werdegang
Er wuchs als Sohn eines Stahlarbeiters und einer Näherin auf und besuchte zunächst eine katholische Schule. Nach einer technischen Ausbildung arbeitete er unter anderem in einem Architekturbüro, hielt sich zeitweise aber vor allem mit kleineren Betrügereien über Wasser. 1893 heiratete er seine Cousine, mit der er vier Kinder hatte. Vor 1912 wurde er bereits mehrfach wegen Betrugs verurteilt und saß deswegen im Gefängnis.
Taten
Nach seiner Haftentlassung 1912 nahm er zahlreiche Decknamen an und schaltete Heiratsannoncen, mit denen er gezielt wohlhabende Witwen und geschiedene Frauen mittleren Alters ansprach. Mit kleinen Geschenken und geschickt formulierten Liebesbriefen gewann er ihr Vertrauen, bevor er sie in angemietete Landhäuser zunächst in Vernouillet, später in Gambais einlud, wo sie spurlos verschwanden. Anschließend räumte er ihre Wohnungen leer, verkaufte ihr Mobiliar und fälschte Dokumente, um ihr Verschwinden zu vertuschen, teils schickte er sogar in ihrem Namen Postkarten an Verwandte. Zu seinen Opfern zählte auch der junge Sohn einer der Frauen, André Cuchet.
Ermittlung und Festnahme
Die Schwester eines Opfers erkannte ihn zufällig in einem Pariser Bus wieder und alarmierte die Polizei. Ermittlern gelang es, seine zahlreichen Aliasnamen über polizeiliche Akten seiner Zeit vor 1912 seiner wahren Identität zuzuordnen. Bei einer Durchsuchung seines Hauses in Gambais fanden Ermittler verbrannte Knochenreste, darunter Teile dreier menschlicher Schädel sowie mehrere Füße und Hände, die auf eine Beseitigung der Leichen im hauseigenen Herd hindeuteten.
Prozess
Der Prozess fand im November 1921 in Versailles statt und dauerte mehrere Wochen, rund 150 Zeugen wurden gehört. Er beteuerte durchgehend seine Unschuld und weigerte sich, sich zum Verbleib der Frauen zu äußern, mit dem Satz, ein Gentleman schweige über solche Dinge. Die Geschworenen verurteilten ihn dennoch auf Basis der erdrückenden Indizienlage zum Tode.
Hinrichtung und Nachwirkungen
Er wurde am 25. Februar 1922 in Versailles öffentlich durch die Guillotine hingerichtet. Der Fall prägte in Frankreich das Bild des „Blaubarts von Gambais” als Synonym für einen berechnenden Heiratsschwindler und wurde mehrfach verfilmt, unter anderem 1963 von Claude Chabrol.
Als Vergleichsfall erscheint Henri Désiré Landru in den Profilen zu Bernard Pesquet, Henri Girard, Johann Hoch und Max Gufler.