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Hendrik Jut

Zeitgenössisches Porträtfoto von Hendrik Jut mit handschriftlicher Bildunterschrift zu seiner Verurteilung
Unbekannter Fotograf, RKD Images, via Wikimedia Commons · Public Domain

Hendrik Jacobus Jut wurde am 19. Juli 1851 in Den Haag als uneheliches Kind geboren. Am 13. Dezember 1872 erstach er dort gemeinsam mit seiner Geliebten Christina Goedvolk die wohlhabende Witwe Maximiliana Theodora van der Kouwen-ten Cate und deren Hausangestellte bei einem Raubüberfall. Der Fall erregte in den Niederlanden jahrelang öffentliches Aufsehen und lebt bis heute im Namen des Jahrmarktsspiels „Kop van Jut“ fort.

Werdegang

Nach einem Reitunfall wurde er aus dem Husarenregiment in Haarlem entlassen und arbeitete danach als Kellner in Hotels in Rotterdam und Scheveningen. Seine Geliebte Christina Goedvolk war zeitweise als Hausangestellte bei der Witwe in Den Haag beschäftigt, die für ihren Wohlstand und ihre offen zur Schau gestellten Juwelen bekannt war. Als die reguläre Angestellte der Witwe zurückkehrte, verlor Christina diese Stelle. Kurz darauf wurde sie schwanger, das Paar geriet in finanzielle Not und plante gemeinsam den Überfall auf die Witwe.

Die Tat

Am Abend des 13. Dezember 1872 klingelten er und seine Geliebte an der Tür, unter dem Vorwand, Christina habe bei ihrem früheren Dienst ein Paar Stiefel vergessen. Die Hausangestellte Helena „Leentje“ Beeloo ließ die beiden ein. Während Christina die Angestellte oben ablenkte, griff er sie in der Küche mit einem Dolch an. Als die Witwe herunterkam, um nach ihrer Angestellten zu sehen, tötete er auch sie, obwohl sie sich zur Wehr setzte und ihn dabei verletzte. Das Paar erbeutete Wertpapiere, Schmuck und Bargeld im Gesamtwert von mehreren Zehntausend Gulden.

Flucht und Rückkehr

Nur zwei Monate nach der Tat heirateten die beiden in einer Kirche unweit des Tatorts und flohen unter falschem Namen zunächst in die Vereinigten Staaten, später nach Großbritannien. Für die erbeuteten Wertpapiere erhielten sie in Amerika umgerechnet mehrere tausend Dollar, für den Schmuck deutlich weniger als erhofft. Nach wenigen Monaten kehrten beide in die Niederlande zurück und ließen sich unter falscher Identität in der Provinz Noord-Brabant nieder, wo Christina eine gemeinsame Tochter zur Welt brachte.

Festnahme und Geständnis

Die Ermittlungen verliefen zunächst erfolglos und verdächtigten andere Männer. Erst als er sich 1874 betrank und einem Bekannten gegenüber andeutungsweise von der Tat erzählte, geriet er ins Visier der Polizei. Bei einer Hausdurchsuchung 1875 fand sich als belastendes Indiz unter anderem ein Schriftstück aus dem Nachlass des verstorbenen Mannes der Witwe. Im August 1875 brach zunächst Christina zusammen und gestand ihre Beteiligung, wobei sie versuchte, möglichst viel Schuld auf sich zu nehmen, um ihn zu schützen. Danach legten beide ein vollständiges Geständnis ab.

Prozess

Der Prozess vom 27. bis 29. April 1876 in Den Haag wurde von namhaften Anwälten geführt, darunter der spätere Ministerpräsident Pieter Cort van der Linden als sein Verteidiger. Am 6. Mai 1876 verurteilte das Gericht ihn wegen doppelten Mordes und Raubes zu lebenslanger Haft, Christina erhielt zwölf Jahre wegen Beihilfe zum Diebstahl. Das Urteil löste in der Öffentlichkeit Empörung aus, weil viele angesichts der Brutalität der Tat die Todesstrafe gefordert hatten, die in den Niederlanden zu dieser Zeit bereits abgeschafft war.

Nachwirkungen

Aus Angst vor Lynchjustiz wurde er in das weit entfernte Gefängnis von Leeuwarden verlegt, wo er am 12. Juni 1878 im Alter von 26 Jahren starb. Sein Kopf wurde nach dem Tod präpariert und in einer Alkohollösung im anatomischen Museum der Universität Groningen aufbewahrt, bis das Konservierungsmittel Jahrzehnte später auslief und der Schädel verfiel. Noch im Jahr seiner Verurteilung benannte ein Schausteller ein Jahrmarktsspiel, bei dem ein Hammer auf einen Hebel geschlagen wird, um ein Gewicht möglichst hoch zu befördern, nach ihm: die bis heute auf niederländischen Jahrmärkten verbreitete „Kop van Jut“. Die Straße am Tatort, die Bocht van Guinea, wurde wegen des schlechten Rufs 1873 in Huygenspark umbenannt.