Hélène Jégado
- Aktive Jahre
- 1833–1851
- Modus Operandi
- Vergiftung
Der Prozess gegen Hélène Jégado begann mit einer kaum noch überschaubaren Reihe verdächtiger Todesfälle, doch das Gericht durfte wegen Verjährung nur einen kleinen Ausschnitt prüfen. Der digitalisierte Prozessnachweis der Bibliothèque nationale de France dokumentiert das Todesurteil vom 14. Dezember 1851. Gerichtlich bewiesen wurden drei Giftmorde, höhere historische Opferzahlen bleiben unterschiedlich belastbar.
Werdegang
Ihre Mutter starb, als Hélène sieben Jahre alt war. Das Mädchen kam zu zwei Tanten, die im Pfarrhaus von Bubry arbeiteten. Später verdingte sie sich selbst als Dienstmagd und Köchin. Diese Arbeit führte sie durch zahlreiche Orte im Morbihan, darunter Séglien, Guern, Bubry, Locminé, Auray, Pontivy und Lorient.
Die erste große Serie verdächtiger Todesfälle ereignete sich 1833 im Haushalt des Priesters François Le Drogo in Guern. Innerhalb weniger Monate starben sieben Menschen, darunter der Priester, dessen Eltern und Hélènes eigene Schwester Anne. Die Symptome mit heftigem Erbrechen und Darmentzündungen passten zu einer Arsenvergiftung, wurden aber in einer Zeit wiederkehrender Epidemien nicht als Mordserie erkannt.
Verdachtsfälle in der Bretagne
Nach Guern folgten weitere plötzliche Erkrankungen und Todesfälle in Bubry, Locminé und anderen Orten. Hélène kümmerte sich häufig um die Kranken und bereitete Speisen oder Getränke zu. Manche Menschen erholten sich, nachdem sie ihre Pflege ablehnten oder Hélène den Haushalt verlassen hatte.
Die amtliche Chronologie der Archives départementales du Morbihan dokumentiert von Guern bis Ploemeur 24 Todesfälle zwischen 1833 und 1841, die später mit ihren Arbeitsstellen verbunden wurden. Hinzu kamen zahlreiche Diebstahlsvorwürfe. Zwischen 1841 und 1849 ist keine vergleichbare Häufung verdächtiger Todesfälle dokumentiert. Die Chronologie verzeichnet insgesamt 29 Tote, von denen nur drei gerichtlich als Giftmorde bewiesen wurden. Die übrigen 26 bleiben historische Zuschreibungen, keine nachträglich bestätigten Mordopfer.
Aufdeckung in Rennes
1849 kam Hélène nach Rennes. Im Haushalt des Rechtsprofessors Théophile Bidard starben nacheinander die Dienstmädchen Rose Tessier und Rosalie Sarrazin. Zwei Ärzte erkannten ähnliche Krankheitsverläufe und drängten nach Rosalies Tod auf eine Untersuchung. Als Behördenvertreter das Haus betraten, erklärte Hélène ungefragt, sie sei unschuldig. Dieser Ausspruch verstärkte den Verdacht.
Sie wurde am 1. Juli 1851 festgenommen. Ermittler rekonstruierten anschließend ihre lange Folge von Anstellungen. Bei Exhumierungen ließen sich in jüngeren Fällen deutliche Spuren von Arsen nachweisen. Viele ältere Verdachtsfälle durften wegen der damaligen zehnjährigen Verjährungsfrist jedoch nicht mehr angeklagt werden.
Prozess und Hinrichtung
Der Prozess begann am 6. Dezember 1851 in Rennes. Angeklagt war Hélène Jégado wegen drei Morden, drei Mordversuchen und elf Diebstählen. Sie bestritt, Arsen überhaupt zu kennen. Das Gericht sprach sie schuldig und verurteilte sie zum Tod.
Am 26. Februar 1852 wurde Hélène auf dem Champ-de-Mars in Rennes guillotiniert. Zeitgenössische Flugblätter machten aus ihr rasch eine Schreckensfigur. Die bis heute wiederholten Zahlen von 23, 36 oder noch mehr Opfern vermischen jedoch gerichtlich bewiesene Taten mit späteren Zuschreibungen. Sicher ist deshalb die Verurteilung für drei Morde, während das tatsächliche Ausmaß ihrer Tatserie offenbleibt.