Heinz Schmidt
- Aktive Jahre
- 1913
- Modus Operandi
- Erschießen
Heinz Jakob Friedrich Ernst Schmidt wurde am 24. September 1883 im mecklenburgischen Sölze geboren. Am 20. Juni 1913 erschoss er in der St.-Marien-Schule im Bremer Stadtteil Walle fünf Mädchen im Alter von fünf bis acht Jahren. Der Fall gilt heute als eines der ersten dokumentierten Schulattentate der Geschichte und wurde damals sogar von der New York Times aufgegriffen.
Werdegang
Bis Mai 1912 arbeitete er als Lehrer in Stolp, musste die Stelle aber nach einem Nervenzusammenbruch aufgeben. Nach einem Sanatoriumsaufenthalt und weiteren beruflichen Rückschlägen zog er im Dezember 1912 nach Bremen, wo ihn Zeitgenossen als merkwürdig und schüchtern beschrieben. Sein Vater, ein evangelischer Pfarrer, starb am Tag vor dem Attentat. Er war überzeugt, die Jesuiten trügen die Schuld daran, obwohl deren Orden im Deutschen Reich seit 1872 verboten war. In einem Brief seiner Schwester notierte er: „Die Jesuiten haben das getan.”
Die Tat
Am Vormittag des 20. Juni 1913 betrat er die katholische St.-Marien-Schule, bewaffnet mit mehreren Revolvern und Pistolen sowie einer großen Menge Munition, die er Wochen zuvor gekauft hatte. Er schoss zunächst auf eine Lehrerin, betrat dann ein Klassenzimmer mit rund 65 Mädchen und feuerte auf die Kinder. Anschließend verfolgte er fliehende Schülerinnen durch das Gebäude, schoss dem Schulpförtner ins Gesicht und verletzte einen Lehrer, der sich ihm entgegenstellte, mit zwei Schüssen in Bauch und Schulter. Vom Fenster aus schoss er zudem auf den Schulhof.
Fünf Mädchen starben: Anna Kubica, Elsa Maria Herrmann und Maria Anna Rychlik wurden unmittelbar erschossen, Sophie Gornisiewicz brach sich bei der Flucht über eine Treppe das Genick, Elfriede Höger erlag vier Wochen später ihren Schussverletzungen. Über 30 weitere Personen wurden verletzt, darunter 18 Kinder.
Festnahme
Nach etwa 15 Minuten überwältigten der verletzte Pförtner und ein weiterer Lehrer den Angreifer. Bei der Abführung versuchte eine aufgebrachte Menschenmenge, ihn zu lynchen, ein Polizist musste ihn mit dem Säbel schützen. Zwei Bremer Waffenhändler hatten bereits Wochen zuvor der Polizei ihre Bedenken über die ungewöhnlich große Munitionsmenge gemeldet, ohne dass daraus Konsequenzen gezogen wurden. Auch Schmidts Mutter hatte kurz vor der Tat vergeblich versucht, ihren Sohn in eine psychiatrische Anstalt einweisen zu lassen.
Kein Prozess
Ein Gerichtsverfahren fand nie statt. Ärzte der St.-Jürgen-Anstalt in Ellen erklärten ihn für unzurechnungsfähig, er verweigerte nach der Festnahme jede Aussage. Bei der Festnahme soll er gerufen haben: „Dies mag der Anfang sein, aber das Ende steht noch bevor.”
Nachwirkungen
Heinz Schmidt verbrachte den Rest seines Lebens in der Anstalt in Ellen und starb dort 1932 an Tuberkulose, fast 19 Jahre nach der Tat. Zur Beerdigung eines der Opfer sollen über 30.000 Menschen gekommen sein. Der verletzte Lehrer erhielt vom Bremer Senat die Silberne Rettungsmedaille. Die St.-Marien-Schule wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1957 an anderer Stelle wiederaufgebaut. Mehr zum Tathergang selbst und seiner historischen Einordnung: Amoklauf von Bremen.