Harold Shipman
- Aktive Jahre
- 1971–1998
- Modus Operandi
- Vergiftung
Erst ein gefälschtes Testament lenkte den Verdacht auf einen Arzt, dessen Patienten seit Jahren auffällig häufig gestorben waren. Die amtliche Shipman Inquiry prüfte nach Harold Shipmans Verurteilung mehr als 800 Todesfälle. Der erste Bericht stellte 215 Tötungen in Todmorden und Hyde fest. Der Abschlussbericht ordnete ihm zusätzlich drei Todesfälle aus seiner Krankenhauszeit in Pontefract zu und erhöhte die Mindestzahl damit auf 218. Zwischen 1971 und 1998 tötete er überwiegend ältere Patienten mit tödlichen Medikamentendosen und veränderte später vielfach ihre Akten.
Werdegang
Er wuchs in einer methodistischen Arbeiterfamilie auf, seine Mutter starb 1963 an Lungenkrebs, als er 17 Jahre alt war. Er studierte Medizin an der Universität Leeds, graduierte 1970 und arbeitete zunächst am Pontefract General Infirmary. 1974 übernahm er eine Stelle als praktischer Arzt in Todmorden, wurde dort aber bereits 1975 dabei ertappt, wie er sich selbst Rezepte für das Schmerzmittel Pethidin ausstellte. Ab 1977 praktizierte er in Hyde bei Manchester, wo er sich als angesehener, vertrauenswürdiger Landarzt einen Namen machte.
Modus Operandi
Über mehr als zwei Jahrzehnte tötete er Patienten, überwiegend ältere Frauen in eigentlich guter gesundheitlicher Verfassung, durch die Injektion tödlicher Dosen des Schmerzmittels Diamorphin. Anschließend manipulierte er die Patientenakten, um einen schlechten Gesundheitszustand vorzutäuschen, und stellte selbst die Totenscheine aus, in denen er natürliche Todesursachen angab. Den Angehörigen versicherte er häufig, die Verstorbenen seien „ganz sanft eingeschlafen”.
Entdeckung und Festnahme
Sein letztes Opfer, Kathleen Grundy, starb am 24. Juni 1998. Ihre Tochter, von Beruf Anwältin, wurde misstrauisch, als ein Testament auftauchte, das ihm 386.000 Pfund vermachte. Eine Obduktion wies Heroin im Körper der Verstorbenen nach. Am 7. September 1998 wurde er festgenommen.
Prozess
Der Prozess begann am 5. Oktober 1999. Am 31. Januar 2000 sprach ihn ein Gericht des Mordes an 15 Patientinnen schuldig und verurteilte ihn zu lebenslanger Haft ohne jede Aussicht auf Entlassung.
Die Shipman Inquiry
Eine öffentliche Untersuchung unter der Leitung von Dame Janet Smith kam zunächst zu dem Schluss, dass er zwischen 1975 und 1998 mindestens 215 Patienten in Todmorden und Hyde getötet hatte. Der Abschlussbericht der Shipman Inquiry stellte zusätzlich drei Tötungen während seiner Zeit am Pontefract General Infirmary fest und hielt dort bis zu zwölf weitere für möglich. Insgesamt bezifferte Dame Janet Smith die Mindestzahl auf 218 und die wahrscheinliche Gesamtzahl auf etwa 250. Da bereits die Höchststrafe verhängt worden war, verzichteten die Behörden auf weitere Anklagen für die übrigen Fälle.
Tod
Am 13. Januar 2004, einen Tag vor seinem 58. Geburtstag, erhängte er sich in seiner Zelle im Gefängnis Wakefield.
Nachwirkungen
Der Fall führte in Großbritannien zu weitreichenden Reformen bei der Überwachung von Hausärzten, der Ausstellung von Totenscheinen und der Kontrolle verschreibungspflichtiger Betäubungsmittel, da er zeigte, wie lange ein Vertrauensmissbrauch in dieser Größenordnung unentdeckt bleiben konnte. Wenige Jahre später erschütterte mit Benjamin Geen ein weiterer britischer Fall aus dem Gesundheitswesen die öffentliche Aufmerksamkeit, diesmal ein Krankenpfleger statt eines Arztes.